Geteilte Geschäftsentwicklung

Vorboten der Krise erreichen die Winzer

Die ersten Vorboten der Wirtschaftskrise erreichen die deutschen Winzer. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) in Mainz berichtet, legte der Export in den ersten Monaten des Jahres zwar insgesamt zu. Auf wichtigen Exportmärkten aber gab es bereits Einbußen, auch der deutsche Markt schwächelt.

Mainz/Wiesbaden. So sank die Menge der in die USA exportierten Weine zwischen Oktober 2007 und September 2008 um 9,3 Prozent auf 288.000 Hektoliter. Die Exporte nach Japan sanken sogar um 15,4 Prozent. Auch die Briten, nach Menge die wichtigsten Abnehmer, tranken 5,4 Prozent weniger deutschen Wein.

Ein deutlicher Zuwachs in anderen Ländern konnte diese Entwicklung aber mehr als kompensieren. So wuchs der Absatz der deutschen Weinwirtschaft in Russland zwischen Oktober 2007 und September 2008 um 27,6 Prozent auf 192.000 Hektoliter. In den Niederlanden, China und Schweden gab es ebenfalls zweistellige Zuwachsraten. In der Summe wuchsen die Exporte nach Menge um 7,5 Prozent und nach Wert um 5,8 Prozent.

Der deutsche Markt entwickelte sich ebenfalls geteilt. Wie DWI-Sprecher Ernst Büscher berichtet, legte das Inlandsgeschäft im ersten Halbjahr noch deutlich zu. So konnten die deutschen Winzer ihren Umsatz in den ersten sechs Monaten nochmals um 7,1 Prozent steigern. Der Gesamtmarkt aber entwickelte sich deutlich schwächer.

So hätten die deutschen Haushalte von Januar bis September 2,5 Prozent weniger Wein eingekauft, allerdings für die einzelne Flasche mehr ausgegeben. Der Umsatz kletterte immerhin um 2,8 Prozent. Diese Entwicklung sei zu Lasten von Importweinen gegangen. Vor allem italienische Weine hätten Marktanteile verloren.

Die deutschen Sektkellereien konnten ihren Absatz im laufenden Jahr nochmals deutlich steigern. Wie der Geschäftsführer des Sektverbands, Ralf Peter Müller, in Wiesbaden berichtete, kletterte der Absatz zwischen Januar und Oktober 2008 um 6,8 Prozent.

Damit hat sich das Wachstum der Sektbranche gegenüber 2007 nochmals beschleunigt. "Sekt ist immer auch ein Konjunkturbarometer", sagte Müller. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Krise die Deutschen gefühlsmäßig noch nicht erreicht hat.