IG Metall macht Druck

Über 8000 Metaller im Warnstreik

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie ist die erste Warnstreik-Welle angelaufen. Nach dem Ende der Friedenspflicht um Mitternacht beteiligten sich der IG Metall in Frankfurt zufolge am Sonnabend mehr als 8000 Beschäftigte an den Warnstreiks.

Frankfurt/Main. Schwerpunkt der Aktionen war Bayern. Die Gewerkschaft fordert acht Prozent höhere Einkommen und hat das Angebot der Arbeitgeber von 2,1 Prozent und einer Einmalzahlung von 0,8 Prozent als Minusgeschäft für die Beschäftigten zurückgewiesen. In der Branche sind bundesweit 3,6 Millionen Menschen tätig.

Für die kommende Woche kündigte die IG Metall Warnstreiks im gesamten Bundesgebiet an. "Die Wucht der Warnstreiks wird massiv sein", sagte der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer bei einer nächtlichen Kundgebung.

Der baden-württembergische Bezirksleiter Jörg Hofmann sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", das Angebot der Arbeitgeber sei ein "schlechter Witz". "Die Kollegen haben die Schnauze voll, dass sie mit einem Angebot konfrontiert werden, das nicht einmal die Reallöhne garantiert. Das treibt viele Kollegen nicht nur auf die Palme, sondern auf die Straße." Von der Finanzkrise erwartet Hofmann keinen öffentlichen Gegenwind. "Die Stimmung ist auf unserer Seite: Die Menschen haben eine extreme Wut auf diejenigen, die Milliarden verzockt und sich eine goldene Nase verdient haben", sagte Hofmann der Zeitung.

Die Arbeitgeber nannten die Forderung der Gewerkschaft "absurd" und "bizarr". Sie verweisen vor allem darauf, dass sich die konjunkturelle Lage der Branche in den vergangenen Tagen und Wochen dramatisch verschlechtert habe. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM), Bertram Brossardt, bezeichnete das Angebot der Arbeitgeber als "angesichts des Konjunkturabschwungs fairen Lösungsvorschlag". Es gebe keinen Grund, darauf mit Warnstreiks zu reagieren.

Allein in Ingolstadt legten nach Gewerkschaftsangaben am Sonnabend rund 4000 Beschäftigte beim Autobauer Audi für zwei Stunden die Arbeit nieder. Mit Fackeln formierten sie sich zu einer Acht, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Auch in zahlreichen anderen Städten beteiligten sich Beschäftigte der Nachtschichten, etwa in Neckarsulm, Offenbach, Neuwied, Paderborn, Itzehoe, Berlin, Hannover und Augsburg.

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, kritisierte das Angebot der Arbeitgeber. "Dieses Minus-Angebot ist eine Beleidigung." Es erkenne weder die Leistung der Menschen an, noch gleiche es die Preissteigerung aus. "Auf dieser Basis ist eine schnelle Einigung nicht möglich." IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine warf bei einer Kundgebung in Hannover den Arbeitgebern Hinhaltetaktik vor. Mit mehr Geld in der Tasche könnten die Beschäftigten auch den Konsum im Inland beleben.

Am Freitag waren die Verhandlungen in mehreren Bezirken vertagt worden. Verhandelt wurde für die mehr als zwei Millionen Beschäftigten der Branche in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und in den Bezirken Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) und Küste.

Trotz der verhärteten Fronten setzen beide Seiten nach wie vor auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Eine Einigung wird auch vom Ergebnis der weiteren Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg abhängen. Falls es bis zum 10. November nicht zu einem Abschluss kommt, will der Vorstand der IG Metall dann entscheiden, ob er seine Mitglieder zu einer Urabstimmung über Streikmaßnahmen aufruft.