Mehdorn greift Bahnbehörde an

Gut fünf Wochen nach dem Beinaheunglück eines ICE in Köln spitzt sich das Verhältnis zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Eisenbahnbundesamt...

Berlin. Gut fünf Wochen nach dem Beinaheunglück eines ICE in Köln spitzt sich das Verhältnis zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Eisenbahnbundesamt (EBA) zu. Mehdorn beschwerte sich in einem am Wochenende bekannt gewordenen Brief an Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) über vermeintlich überzogene Anordnungen der Kontrollbehörde.

Mehdorn klagte, das EBA belaste nicht erst seit der glimpflich verlaufenen Entgleisung eines ICE-3 infolge Achsbruchs im Kölner Hauptbahnhof die Atmosphäre mit unverhältnismäßigen Forderungen. Obwohl die Ursache noch nicht geklärt sei, habe das EBA mehrfach gefordert, Wartungsintervalle für bestimmte Achsen zu erhöhen, schrieb Mehdorn laut "Spiegel" und "Focus". Die Bahn legte Widerspruch ein. Sie fühle sich von dem EBA drangsaliert.

In einer frostig wirkenden Erklärung erklärte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums am Wochenende, dass der Brief bisher nicht eingegangen sei: "Für uns ist das EBA ein verlässlicher Partner bei der Kontrolle des Schienenverkehrs", sagte sie. In den Händen der Behörde liege die Sicherheit des Schienenverkehrs: "EBA-Anordnungen ist Folge zu leisten." Das sieht Mehdorn offensichtlich anders: "Bedauerlicherweise müssen wir seit etwa einem Jahr feststellen, dass sich das Eisenbahnbundesamt in Eisenbahnsicherheitsfragen dem bis dahin weitgehend sachlichen und ausgewogenen kritischen Dialog mit der Deutschen Bahn immer häufiger verschließt und stattdessen Schlagzeilen in der Öffentlichkeit produziert", schrieb er. Das Amt arbeite mit überzogenen Sicherheitsanforderungen bis hin zur Androhung von "faktischen Flottenstilllegungen".

Die Behörde hatte nach dem Achsbruch vom 9. Juli verfügt, dass die sogenannten Radsatzwellen an den ICE-3-Zügen alle 120 000 statt wie bisher alle 300 000 Kilometer mit Ultraschall auf Risse untersucht werden müssten. Das Bundesamt für Materialforschung stellte bisher "Focus" zufolge lediglich fest, dass die angetriebene zwölfte Achse des Zuges direkt am hoch belasteten Radansatz brach. Sollte sich ein Materialfehler bestätigen, müsste die Bahn für 54 ICE-3-Züge 864 neue Antriebsachsen aus anderen Werkstoffen entwickeln lassen.

Die Bahn hatte darauf verwiesen, dass infolge des Achsbruchs vom 9. Juli alle Radsatzwellen der betreffenden Bauart zusätzlichen Ultraschallüberprüfungen unterzogen wurden. "Alle Untersuchungen waren ohne Befund hinsichtlich eventueller Rissbildungen. Hier handelt es sich also um einen Einzelfall, der noch abschließend geklärt werden muss", so die Bahn. Allerdings meldete das Unternehmen an das EBA, für bestimmte Laufradachsen an 17 ICE-3-Zügen sei die Dauerfestigkeit nicht nachgewiesen.