Teures Schlüssel-Erlebnis

Abzocke. Wer sich aussperrt, kann mit unseriösen Schlüsseldiensten eine böse Überraschung erleben. Wie man sich schützt.

Hamburg. Mehr als 420 Euro sollte die Hamburger Angestelle Regine M. an den Schlüsseldienst bezahlen. Ausgerechnet am Sonntagabend hatte sie sich ausgesperrt. Überhöhte Preise sind in dieser Branche kein Einzelfall, warnen Verbraucherschützer. Otto Dobbeck, Jurist vom Verein Pro Honore, berichtet sogar von einer alten Dame, die mehr als 1000 Euro bezahlt hat. "Der beste Weg, böse Überraschungen mit einem unseriösen Schlüsseldienst zu vermeiden, ist, sich auf diese Situation vorzubereiten", sagt Edda Castelló von der Verbraucher-Zentrale Hamburg. Hier die Tipps:

Ruhe bewahren

Wer in der Aufregung den erstbesten Schlüsseldienst aus dem Branchenbuch ruft, riskiere, an einen unseriösen Anbieter zu geraten, so Castello. "Große Anzeigen kosten viel Geld, das der Monteur entsprechend reinholen muss." Zudem würden sich einige Anbieter mit dem Vorschalten zahlreicher A-Buchstaben vor ihren Firmennamen an die erste Stelle im Alphabet schummeln - und nach oben im Telefonbuch. "Mit solchen Diensten hatten wir den meisten Ärger", sagt sie.

Kostenfalle Anfahrt

"Sinnvoll ist es, sich vorher schon in der Wohnumgebung nach einem seriösen Schlüsseldienst umzusehen", rät Castello. Das senkt die Anfahrtkosten und ein alteingesessenes Schlossergeschäft ist oft ein Zeichen für solides, faires Handwerk. Wer im Telefonbuch suchen muss, sollte darauf achten, dass die Adresse des Dienstes eindeutig genannt wird. Trotzdem stets nachfragen: Denn eine Rufnummer aus der Umgebung ist längst kein Garant mehr für eine kurze, günstige Anfahrt des Helfers, warnt Dobbeck: "Die Telefone werden weitergeschaltet und der Monteur kommt plötzlich von der anderen Seite der Stadt - ein gängiger Trick."

Festpreis am Telefon erfragen

Nicht nur die Länge der Anfahrt sollte am Telefon konkret erfragt werden, sondern auch der Preis: "Vorher auf einen Festpreis bestehen für das Türöffnen sowie die Anfahrt und dann auch nicht mehr zahlen", rät Castello. Reagiert der Schlüsseldienst auf diese Fragen ausweichend oder gereizt, sei dies oft ein Zeichen für unseriöse Praktiken. Beim Telefonieren und während der Arbeit des Monteurs möglichst einen Zeugen (Nachbar) dabei haben.

Teure Einbrechermethoden

Unseriöse Schlüsseldienste schicken meist nur schlecht geschulte Monteure, die "die Tür mit Einbrechermethoden öffnen und dabei absichtlich mehr kaputtmachen als nötig", so Otto Dobbeck. Die Ersatzteile werden den Kunden dann zu völlig überhöhten Preisen angedreht, etwa ein neuer Schließzylinder für mehr als 100 Euro statt 30 Euro im Baumarkt. "Aber fast jede Tür lässt sich von einem guten Experten öffnen, ohne das Schloss aufzubohren", sagt die Verbraucherschützerin. Dobbeck fügt an: "Da wird oft gelogen, das Schloss sei so alt, dass die Versicherung bei Einbruch nicht mehr zahle. Oder es wird von besonders vielen Einbrüchen in der Gegend erzählt, um Angst zu machen."

Urteile zu überhöhten Preisen

Rund 100 Euro für Anfahrt und Türöffnen gilt als maximal akzeptabler Preis, so Verbraucher-Zentrale und Pro Honore. Werden 100 Prozent mehr als der ortsübliche Durchschnittspreis gefordert, liegt nach Ansicht des Oberlandesgerichts Frankfurt (Az.: 6 W 218/01) Wucher vor. Ein angemessener Sonn- und Feiertagszuschlag ist zwar zulässig, nicht jedoch etwas wie "Spezialwerkzeugkosten", "Bereitstellungskosten" für Pkw oder ein "Sofortzuschlag", wenn in der Anzeige ohnehin mit 24-Stunden-Service geworben wird (Amtsgericht Frankfurt, Az.: 31 C 63/98-44).

Ihr gutes Recht: Nicht bar zahlen

"Am Telefon schon sagen, dass man nur per Rechnung zahlt", rät Castello. "Nie bar zahlen, auch wenn der Monteur darauf besteht. das ist die Masche der Unseriösen." Der Verbraucher habe ein Recht auf Zahlung per Rechnung. Schlägt der Monteur die geöffnete Tür verärgert wieder zu - wie öfter geschehen -, macht er sich strafbar. Das ist Nötigung.

Vorbeugen oder ins Hotel

"Jeder kann sich mal aussperren", sagt Otto Dobbeck. "Deshalb sollte man Ersatzschlüssel bei Nachbarn oder Freunden hinterlegen - notfalls in zugeklebten oder versiegelten Umschlägen." Aber ohne Namen und Adresse, falls dort eingebrochen wird! Manchmal ist auch eine Nacht im Hotel billiger als der hektische Anruf bei einem Schlüsseldienst nachts oder sonntags.

Hilfe für Geschädigte

Bei Ärger mit einem Schlüsseldienst hilft die Verbraucher-Zentrale, Kirchenallee 22, 20099 Hamburg, Tel.: 24 83 20.

Hilfe für Geschädigte