Boykott: Drei Tage Lieferungsstopp

Keine Engpässe bei der Milchversorgung

| Lesedauer: 2 Minuten

Frankfurt/Hamburg. Verbrauchern drohen wegen des Lieferboykotts der Milchbauern nach Ansicht von Handel und Molkereien fürs Erste keine negativen Folgen. "Derzeit gibt es genügend Milch auf dem internationalen Markt", sagte der Geschäftsführer des Milchindustrie Verbands (MIV), Michael Brandl. Dagegen rechnet der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) spätestens ab heute bundesweit mit Lücken in den Supermarktregalen.

Die Milchindustrie räumte ein, dass es wegen des Boykotts bei den Milchlieferungen ein Nord-Süd-Gefälle gebe. Während im Norden Deutschlands kein Rückgang in größerem Umfang festzustellen sei, gebe es im Süden teils erhebliche Rückgänge, sagte MIV-Geschäftsführer Brandl.

Derzeit sei genügend Milch auf dem internationalen Markt, deswegen sei der Preis dafür auch so niedrig. Nur wenn alle europäischen Bauern ihre Milchproduktion einstellten, "hätten wir schnell ein Problem", so Brandl. Seiner Meinung nach gibt es für die Bauern nur zwei Wege zu höheren langfristigen Milchpreisen: Entweder werde das Angebot reduziert oder die Nachfrage erhöht.

"Der Boykott zeigt natürlich Wirkung", sagte hingegen der Vorsitzende des Milchviehhalterverbandes, Romuald Schaber. Erste Molkereien im Süden des Landes hätten die Produktion bereits gestoppt. Der Protest sei zu einer europaweiten Bewegung angewachsen. Daher sei die Erklärung der Molkereien, Lieferausfälle in Deutschland durch Zukäufe im Ausland ausgleichen zu können, eine oberflächliche Argumentation.

Nach Angaben des Genossenschaftsverbands Norddeutschland beteiligten sich bei den Meierei- und Molkereigenossenschaften in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg rund elf Prozent der Erzeuger an dem bundesweiten Boykott.

Bei der Molkerei Nordmilch haben die Milcherzeuger ebenfalls am Lieferstreik teilgenommen. Je nach Region würden bei dem Unternehmen zwischen drei und 20 Prozent weniger Milch angeliefert. Die Produktion sei im begrenzten Umfang beeinträchtigt, sagte eine Unternehmenssprecherin dem Abendblatt. Wie sich die Situation in den nächsten Tagen entwickelt, sei schwer einzuschätzen. Das Unternehmen nehme die Forderungen der Bauern ernst und verstehe die Forderung nach einem einkömmlichen Milchpreis. "Wir stehen jedem zielführendem Dialog offen gegenüber", sagte Unternehmenssprecher Hermann Cordes.

Im Süden des Landes beteiligten sich hingegen deutlich mehr Bauern an dem Boykott. In Fürth stellte so die Molkerei Bayernland in ihrer Emmentaler-Käserei am Donnerstag die Produktion ein. In Upahl in Nordwestmecklenburg blockierten gestern Bauern die Zufahrt zu einer der größten Molkereien Norddeutschlands mit etwa 50 Traktoren.

( AP, sla )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft