EU-STREIT: DEUTSCHE WINZER BESTEHEN AUF ZUCKER IM WEIN

Wenn die EU einschenkt . . .

Die deutschen Winzer sind in Sorge um ein Zuckerverbot im Wein. Durch die Anreicherung kann der Alkoholgehalt erhöht werden.

Hamburg. Die EU-Kommission will mit ihrer umstrittenen Weinmarktreform nun die Zuckeranreicherung ganz verbieten. Bei deutschen Winzern stößt dies auf Protest, weil sie mangels Sonne auf Saccharose setzen, um die Gärung zu beschleunigen.

Bis gestern Abend zeichnete sich in dem Konflikt keine Einigung ab. Nach einem portugiesischen Vorschlag soll die Anreicherung auch künftig dort möglich sein "wo sie schon jetzt erlaubt ist". Deutsche Winzer müssten aber Zuckerzusätze auf der Flasche kennzeichnen. Dies sei "diskriminierend", hieß es in der deutschen Delegation.

US-Winzer könnten Wein auch ohne eine solche Kennzeichnung auf den europäischen Markt bringen. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) und sein französischer Kollege Michel Barnier forderten daher Nachbesserungen bei dem Kompromissvorschlag der portugiesischen EU-Präsidentschaft. Danach soll die Anreicherung von Wein mit Zucker wie von Deutschland gefordert auch künftig möglich sein. Allerdings sei der Vorschlag "nicht ausreichend", hieß es in deutschen Delegationskreisen.

Zudem müssten deutsche Winzer danach schrittweise auf Süßstoff verzichten. "Das würde den deutschen Wein um fünf bis zehn Prozent verteuern", sagte Norbert Schindler, Präsident des Winzerverbandes von Rheinland- Pfalz dem Abendblatt.

Laut der Vorlage der Portugiesen könnten ab demWeinbaujahr 2008/09 nur noch maximal drei Prozent des Alkoholvolumens durch Zucker im Most erzeugt werden statt bisher 3,5 Prozent. Ab 2009/10 würde dieser Anteil dann weiter auf 2,5 Prozent sinken. Nur bei "ungewöhnlichen Klimabedingungen" sollen die Mitgliedsstaaten beantragen können, diese Obergrenze um einen Prozentpunkt heraufzusetzen. Außer in Deutschland ist die Anreicherung mit Zucker in Österreich, Luxemburg, Slowenien und Tschechien üblich. Auch in einigen Regionen Frankreichs wie dem Burgund und dem Beaujolais wird die Methode angewandt.