Lokführer-Streik: Neues Angebot

Geheimtreffen: Heute Wende im Bahnstreit?

Erste Annäherung in ARD-Talkshow von Anne Will. "Zehn bis 15 Prozent mehr wären akzeptabel . . ."

Hamburg. Nach tagelangen Streiks und mehrmonatigem Verhandlungsstillstand kommt endlich wieder Bewegung in den Tarifstreit bei der Deutschen Bahn. Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, treffen sich heute zu einem Spitzengespräch an einem geheimen Ort, um über einen Ausweg zu beraten. Schon gestern hatten beide auf Einladung von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erste Gespräche geführt. Tiefensee äußerte sich danach optimistisch. Mehdorn habe zugesagt, "einen Schritt auf die Lokführer zuzugehen und ein neues Angebot vorzulegen".

Ob dieses den Forderungen der Gewerkschaft genügt, ist noch unklar. Schell hatte am Vortag in der ARD-Sendung "Anne Will" deutlich gemacht, dass der Lohnabschluss "zweistellig" ausfallen müsse: "Zehn bis 15 Prozent mehr Lohn wären akzeptabel." Gleichzeitig beharrt die Gewerkschaft auf einem eigenständigen Tarifvertrag. In der Sendung hatte Personalvorstand Margret Suckale Schell zu einem Treffen eingeladen, das er nach der Sendung zusagte.

Trotz einer Warnung vor zu hohen Erwartungen an das Spitzentreffen sagte Schell voraus: "Weihnachten werden wir nicht mehr im Streik erleben." Bei einer vernünftigen Offerte könnten schon morgen Tarifverhandlungen beginnen.

Weitere Streiks sind damit zumindest für heute vom Tisch. Sollten die Gespräche ins Leere laufen, könnte die GDL jedoch schnell über weitere Streiks entscheiden, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert dem Abendblatt. Bahn-Aufsichtsrat Georg Brunnhuber zeigte sich optimistisch: "In den nächsten acht Tagen liegt eine Lösung auf dem Tisch."

Allerdings könnten dann neue Probleme auftauchen. Sollte die GDL mehr als 4,5 Prozent durchsetzen, verlangte der Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, einen Lohnnachschlag: "Je mehr durchgesetzt wird, umso höher wird auch unsere Forderung für die übrigen Beschäftigten sein."