Bahn: Aufsichtsrat räumt Vorstand für Verhandlungen mehr Flexibilität ein

Neue Bewegung im Tarifkonflikt

Heute Geheimtreffen zwischen Mehdorn und Schell. Konzern will neues Tarifangebot vorlegen. Transnet und GDBA bieten GDL Vetorecht an.

Hamburg. Manchmal funktioniert der kurze Draht doch noch. Selbst bei zwei ausgemachten Sturköpfen. Gestern morgen telefonierten Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, und verabredeten sich kurzfristig für heute für ein Spitzengespräch. Über Inhalt, Ort und Zeit des Treffens vereinbarten die Herren jedoch absolutes Stillschweigen.

Der Bereitschaft für das Treffen war eine Einladung von Bahnpersonalvorstand Margret Suckale vorausgegangen, die Schell am Vortag in der Talkshow "Anne Will" öffentlich zu weiteren Gesprächen eingeladen hatte. "Da hab' ich gesagt: Jo!", erläuterte Schell gestern seine Zusage, die aber erst nach der Sendung erfolgte, und sprach zu sich: "Wenn ganz Deutschland weiß, dass du zu einem Gespräch geladen wirst, dann mach jetzt hier nicht auf Hardliner - komm!"

Und das Treffen, an dem auch die beiden GDL-Vize-Vorstände Claus Weselsky und Günther Kinscher teilnehmen wollen, macht echte Hoffnung auf neue Bewegung in dem seit Monaten festgefahrenen Tarifstreit. Denn die Bahn will den Gewerkschaftern ein neues Angebot vorlegen, kündigte Bundesverkehrsminister Tiefensee gestern an.

Angeblich soll darin ein eigenständiger Tarifvertrag angeboten werden, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung" mit Verweis auf Bahnkreise. Das Angebot soll sich auf Basis des Moderatorenergebnisses bewegen, das unter Mithilfe der früheren CDU-Politiker Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler bereits Ende August ausgehandelt wurde. Die Höhe der Tariferhöhung sei noch offen.

Der Bahn-Aufsichtsrat hat dem Vorstand "einen gewissen Spielraum" eingeräumt, "ruhig etwas großzügiger" und "flexibler" in den Verhandlungen zu sein, sagte Aufsichtsratsmitglied Georg Brunnhuber. Am Ende dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Verhandlungen wegen einem Prozent scheitern.

In Gewerkschaftskreisen erwartet man nach Abendblatt-Informationen von dem Treffen nicht automatisch einen Durchbruch. "Die Bahn hat in den letzten Wochen schon so viele Nebelkerzen geworfen. Warten wir erst mal ab", heißt es. Das neue Angebot müsse zunächst geprüft werden. Möglicherweise müsse in einigen Punkten nachgebessert werden, damit das Angebot Basis neuer Verhandlungen werden könne. Die GDL fordert in jedem Fall Lohnsteigerungen im "zweistelligen Bereich". Zehn bis 15 Prozent wären akzeptabel, sagte Schell. Zu Beginn des Tarifkonflikts standen bis zu 31 Prozent Lohnforderungen im Raum.

Unterdessen mischten sich auch die beiden Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA in den Konflikt ein, die mit der Bahn bereits im Juli einen Tarifvertrag für die Beschäftigten in Höhe von 4,5 Prozent plus 600 Euro Einmalzahlung vereinbart hatten. In einem Brief an Mehdorn und Schell regten sie ein Tarifverhandlungsmoratorium bis zum 29. Februar an.

Darin schlagen Transnet-Chef Norbert Hansen sowie GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel der GDL vor, zunächst die von ihnen ausgehandelten Einkommenserhöhung zu akzeptieren. Nach der Unterzeichnung sollten dann umgehend Verhandlungen aller drei Gewerkschaften mit der Bahn zur Verbesserung der Entgeltstruktur geführt werden. "Das Ziel der gemeinsamen Verhandlungen ist, in maximal drei Stufen eine deutliche, zweistellige Einkommensverbesserung durchzusetzen", hieß es. Zudem soll die GDL für die Entgelt- und Arbeitszeitbedingungen der Lokführer ein uneingeschränktes Vetorecht erhalten. Die Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA werde sich zugleich verpflichten, keinem Abschluss für Lokführerangelegenheiten gegen das Veto der GDL zuzustimmen.