Bahn vor großem Streik - Schauspieler mit Lokführern solidarisch

HAMBURG. Der Deutschen Bahn drohen ab morgen wieder massive Streiks. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will heute entscheiden, wann die Arbeit niedergelegt werden soll. Denkbar sind Streiks sowohl im Personen- und Güterverkehr. Zuvor gab die Gewerkschaft dem Konzern bis Mitternacht Zeit, ein verbessertes Angebot vorzulegen. Doch die Bahn will mit der GDL nur über ihr altes Angebot reden. Dieses bietet 4,5 Prozent mehr Lohn, eine Einmalzahlung von 600 Euro für den Ausgleich von Überstunden sowie Zusatzverdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit.

Gestern warnte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee vor den Folgen gleichzeitiger Streiks im Personen- und Güterverkehr. "Man kann sich das gar nicht schlimm genug ausmalen", sagte der SPD-Politiker. Er forderte die Kontrahenten im Tarifkonflikt auf, miteinander zu verhandeln. Angesichts der Schäden eines Streiks wächst die Kritik an Bahnchef Hartmut Mehdorn. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Dirk Fischer, forderte Mehdorn auf, die Verhandlungen mit den Lokführern zur Chefsache zu machen. Für die Zuspitzung des Konflikts sei der Bahnchef selbst verantwortlich. Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, Rainer Brüderle, kritisierte Mehdorns Politik im Tarifstreit sowie in der Privatisierungs-Debatte als "kaum nachvollziehbar".

Unterdessen bekommen die Streikenden auch prominente Fürsprecher. In einem Aufruf, (www.bahnstreik-soli.de) haben sich mehrere Betriebsräte aus großen deutschen Unternehmen mit den Bahnstreikenden solidarisch erklärt. In ihrem Appell, der auch von dem Hamburger Schauspieler Rolf Becker sowie Betriebsratsmitgliedern von Daimler, Porsche, BMW und Bombardier unterzeichnet wurde, werden die Forderungen der GDL als "berechtigt" bezeichnet.

"Durch neue Schichtpläne haben die Lokführer in den vergangenen Jahren deutliche Reallohnverluste hinnehmen müssen, während sich die Bezüge des Managements versechsfacht haben", sagte Rolf Becker dem Abendblatt: "Die GDL hat eine lange Tradition und neben den großen Gewerkschaften ihre Existenzberechtigung. Wer den Zusammenschluss will, muss sie unterstützen und nicht bekämpfen. Wir sollten nicht vergessen, dass wir den gleichen Gegner haben." Um den Tarifkonflikt zu lösen, forderte Becker: "Mehdorn muss sich jetzt bewegen."