Frauen studieren falsche Fächer

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Management: Neue Studie. Weibliche Chefs verdienen oft weniger und führen weniger Mitarbeiter als männliche Kollegen. Mehr als die Hälfte der Befragten hat Kinder.

Hamburg. Aufwärts wird die Luft immer dünner. Dennoch ist Karin Dorrepaal (45) oben angekommen. Die Medizinerin sitzt seit knapp zwei Jahren im Vorstand beim Pharmariesen Schering und verantwortet die Bereiche Diagnostische Bildgebung, Produktion, Logistik, Umwelt und Beschaffung. Im Reigen der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen übernimmt die 45jährige damit die Rolle einer Exotin: Dorrepaal ist die einzige Frau im Vorstand eines DAX-Unternehmens. Die übrigen rund 190 Vorstandsposten sind mit Männern besetzt.

Etwas besser stehen die Aufstiegschancen für Frauen im Mittelstand, zu dem 99 Prozent der Firmen in Deutschland zählen: Bei den 80 000 größten deutschen Unternehmen sind nach einer Erhebung von Hoppenstedt 10,43 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt - 1995 waren es nur 8,17 Prozent. Trotz dieses leichten Anstiegs sieht Sonja Bischoff (59), Betriebswirtschaftsprofessorin an der Universität Hamburg, eine paritätische Besetzung der Spitzenpositionen in weiter Ferne: "Auch in Zukunft werden die meisten Unternehmen von Männern geführt."

Ihre Prognose sieht die Forscherin durch ihre jüngste Studie "Männer und Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft in Deutschland" bestätigt, für die Bischoff seit 1986 bereits zum vierten Mal Führungskräfte im mittleren Management befragt und mehr als 300 Antworten ausgewertet hat. Das Kernproblem für das schnelle Vordringen von Frauen an die Spitze sieht Bischoff in der Ausbildung begründet. Zwar studierten immer mehr Frauen, was eine wichtige Karrierevoraussetzung darstelle, doch "leider" die falschen Fächer. "Der Anteil der Frauen in karriereorientierten Studiengängen ist mit 25 Prozent gering." Karriereorientierte Fächer sind für Bischoff die Wirtschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaften: "80 Prozent aller Nachwuchsführungspositionen werden aus diesen Bereichen besetzt."

Stimmt wiederum die fachliche Qualifikation, wird der berufliche Aufstieg vor allem durch "alte Vorurteile, die Frauen entgegengebracht werden" erschwert. "So werden Leistungen von Frauen weniger anerkannt, weil sie Frauen sind." Objektiv schlage sich diese Einschätzung in den Gehältern nieder. So verdienen Managerinnen in vergleichbaren Positionen deutlich weniger als Männer. Konkrete Zahlen gibt es nicht, nur soviel: Nur 20 Prozent der befragten Frauen verdienen mehr als 75 000 Euro, unter den Männern sind es 34 Prozent.

Zugleich steht Frauen in leitender Stellung oft weniger Personal zur Verfügung. "Dadurch sind Frauen als Führungskräfte für Unternehmen doppelt rentabel", faßt Bischoff mit ironischem Unterton zusammen: "Als Chefin erhalten sie weniger Gehalt und sparen durch ihren kleineren Mitarbeiterstamm zusätzlich Personalkosten." Interessant: Die Mitarbeiter in von Frauen geführten Abteilungen müssen sich ebenfalls mit vergleichsweise niedrigeren Gehältern zufriedengeben. Dieser Teufelskreis sei nur in den Unternehmen selbst durch eine "neue Kultur der Anerkennung von Leistungen" zu durchbrechen. Zugleich empfiehlt Bischoff allen Frauen, ihr Einstiegsgehalt so hoch wie möglich auszuhandeln. "Einkommensverzicht am Anfang der Karriere ist kaum aufholbar."

Frauen wie Männer sind sowohl in Industrie- wie Dienstleistungsunternehmen als Führungskräfte anzutreffen. Klassische Frauendomänen sind Finanzen, Rechnungswesen, Controlling und Personal. Allerdings sind Frauen oftmals nicht so aufstiegsorientiert und ehrgeizig wie Männer. Während 32 Prozent Frauen weiter aufsteigen wollen, sind es 44 Prozent der Männer. Je höher Frauen jedoch aufsteigen und je mehr sie verdienen, desto stärker wächst der Wunsch, noch weiter zu klettern. "Das Gehalt ist der zentrale Faktor für die Anerkennung von Leistung. Und die Erhöhung der Einkommen ist die beste Frauenfördermaßnahme", so Bischoff.

Kinder sind nach der Befragung kein grundsätzliches Hindernis für Karrieren. "Nur sechs Prozent der Frauen, die über Karrierehindernisse in der Einstiegsphase berichten, führen dies auf mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Kinder zurück", so Bischoff. Dennoch haben 59 Prozent der befragten Managerinnen Kinder, 1986 waren es nur 38 Prozent. Mit höherer Position nehme der Anteil der Frauen mit Kindern zu.

Während allerdings 37 Prozent der Manager eine Hausfrau als Partnerin haben, verfüge nur ein Prozent der Managerinnen über einen Hausmann an ihrer Seite. Durch diese Unterstützung sind deutlich mehr Manager Väter - und zwar 80 Prozent der befragten Männer. Bischoff: "Für die Karriere ist deshalb eine flächendeckende, ganztägige Kinderbetreuung am wichtigsten - und zwar vom Säuglingsalter an."

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