Mit dem Handy im Flugzeug telefonieren

Innovation: Airbus prescht vor. Erste Jets werden noch in diesem Jahr umgerüstet. Kooperation mit Siemens. Gespräche sollen etwa zwei Euro pro Minute kosten.

Hamburg. Im Flugzeug mit dem eigenen Handy telefonieren oder SMS-Botschaften verschicken - das ist bislang aus Sicherheitsgründen streng verboten. Und ohnehin in 10 000 Meter Höhe schon aus technischen Gründen gar nicht möglich. Doch das soll sich jetzt ändern. Die Flugzeugbauer Airbus und Boeing arbeiten zusammen mit ihren jeweiligen Technikpartnern Siemens und Ericsson derzeit fieberhaft an Lösungen, damit die Fluggesellschaften ihren Passagieren künftig noch mehr Service bieten können. Schon in diesem Jahr sollen die ersten Angebote auf den Markt kommen. Etwa zwei Euro wird eine Gesprächsminute mit dem Handy kosten, erfuhr das Abendblatt aus Branchenkreisen.

Zu den Pionieren gehören TAP Air Portugal und British Midland. Beide Fluggesellschaften haben bereits Verträge mit Airbus geschlossen. Möglicherweise schon im Herbst heben die ersten von Airbus in Hamburg mit Siemens-Technik aufgerüsteten Flugzeuge ab.

Auch Air France setzt auf die neue Technik, wie gestern auf der Fachmesse Aircraft Interiors Expo in Hamburg bekannt wurde. Airbus wird danach einen neuen, mit Mobilfunktechnik ausgerüsteten A318 nach Frankreich liefern. Von März bis September 2007 wird der Jet dann im Linienbetrieb in Europa und Nordafrika im Einsatz sein, teilte Air France mit. Die Passagiere sollen den Service bewerten. Fällt der Test positiv aus, könnte die Fluggesellschaft grünes Licht für den Ausbau weiterer Maschinen in der Air-France-Flotte geben.

"Die Nachfrage nach der neuen Technik ist groß", sagt Airbus-Sprecher Tore Prang dem Abendblatt. Im Wettbewerb mit dem US-Hersteller Boeing habe man dabei die Nase vorn: "Wir denken, daß wir die ersten sein werden, die an den Start gehen. Unser Konzept ist außerdem besser, und wir haben das zuverlässigere System", sagt Prang. Ein Sprecher von Boeing konnte dem Abendblatt gestern keinen Starttermin nennen, verwies aber auf erfolgreiche Testflüge in Europa im vergangenen Herbst. Die Passagiere an Bord der Boeing 737-400 hätten im Internet gesurft, vier TV-Kanäle empfangen und problemlos mit ihrem Handy telefoniert. Die Sprachqualität soll "beindruckend" gewesen sein.

Wie die neue Technik funktioniert, erklärt der Mobilfunkspezialist Josef Kolbinger vom IT-Hersteller Siemens dem Abendblatt. Danach müssen die Techniker zwei Schuhkarton große High-Tech-Boxen unter dem Cockpit installieren. "Die kleine Basisstation fängt die Signale der Handys auf und leitet sie an einen Satelliten weiter. Von dort geht es runter auf die Erde in die Mobilfunknetze", sagt Kolbinger. Auf dem Handydisplay erscheint das Logo des Mobilfunkanbieters und Airbus-Kooperationspartners OnAir. Abgerechnet wird wie beim Roaming im Urlaub über den eigenen Mobilfunkanbieter. Eine Gefahr für die empfindliche Bordelektronik bestehe dabei dank ausgeklügelter Schutzvorkehrungen nicht, betonen alle Beteiligten. Die Besatzung habe zudem die Möglichkeit, das Senden und Empfangen von Gesprächen nach Bedarf zu unterbinden, etwa bei Nachtflügen, um die Ruhe an Bord zu gewährleisten.

In den kommenden Monaten rechnen die Experten mit Freigaben für die Technik durch die Behörden. Die Erwartungen sind groß, denn schon 2008 rechnet man in der Branche mit einem Umsatz von acht Milliarden Euro. Die Lufthansa zeigt sich derweil noch unbeeindruckt. Man "beobachte" die Entwicklung, sagte ein Sprecher. Zunächst sei man dabei, die komplette Langstreckenflotte mit Internet auszurüsten.