Neuer Hauptsponsor für den Marathon

Hanno Wiedenhaus (Abendblatt): Man hat in Hamburg das Gefühl, es sei beim Sport nicht alles koordiniert. Es gibt so viele einzelne Aktivitäten. Und kein Gesamtkonzept.

Hariolf Wenzler (Hamburg Marketing): Deshalb haben wir die Kompetenz im WM-Team gebündelt, in dem die Mitarbeiter von Marketing und Sportamt zusammen an einem Ort arbeiten. Klares Ziel ist für uns die WM 2006. Das sollen alle als großes Fest erleben. Und dafür gibt es bisher nirgends soviel Engagement wie in Hamburg.

Karl-Joachim Dreyer (Handelskammer): Die Handelskammer ist mit dem Konzept zur Sportstadt Hamburg sehr zufrieden. Sport ist ein großes Thema. Deshalb haben wir auch eine Stiftung gegründet, aus der 300 000 bis 400 000 Euro jährlich an den Leistungssport ausgezahlt werden. Und wir haben eine Sportlerbörse aufgebaut, bei der wir Leistungssportler an Firmen vermitteln. Außerdem haben wir eine Aktion ins Leben gerufen, bei der sportbegeisterte und talentierte Auszubildende zu besonderen Konditionen eingestellt werden.

Marc Schwieger (Scholz & Friends): Eigentlich funktioniert das mit dem Sport in Hamburg schon gut. Es fehlt aber noch die Klammer, die alles zusammenhält. Wir müssen das, was wir machen, mehr zeigen. Es ist eine Frage, wie man seine Ideen nach außen kommuniziert.

Andreas Mattner (Hamburg-Freezers): Die Blue Goals, die wir in Hamburg aufstellen werden, sind eine tolle Idee. Selbst die Fifa wirbt mit den blauen Toren. Hamburg hat sich in Sachen Sport toll entwickelt. Vor fünf Jahren hat man sich noch gewundert, daß Hamburg sich um Olympia bewirbt, heute wundert sich keiner mehr. Aber das Engagement muß auch nachhaltig sein.

Wenzler : Wir müssen mehr dafür sorgen, daß Inhalte und Marketing zusammenhängen. Und es macht Sinn, den Leuten immer wieder die Sportstadt Hamburg ins Gedächtnis zu rufen.

Hans-Jürgen Cramer (HEW): Es gibt für die Sportstadt Hamburg viele gute Ansätze. Ich sehe aber noch keine deutliche Handschrift. So ist das Verhältnis von Spitzen- und Breitensport ungeklärt, oder das von bekannten und unbekannten Sportarten. Es gibt noch keine stabile Trägerschaft. Es fehlt die tragende, übergeordnete Idee. Meine Sorge ist außerdem, daß sich alles auf die WM 2006 konzentriert. Denn auch andere Städte werden sich da engagieren. Warum sollten also gerade wir mehr Aufmerksamkeit bekommen? Deshalb denke ich, daß wir die Persönlichkeit der Stadt Hamburg mehr herausstellen sollten. Was ist das Besondere?

Wenzler : Das Schärfen des Profils ist eine ständige Aufgabe. Im Marketing müssen wir uns sicher auf typische Hamburger Sportarten fokussieren und auch das Thema Wasser deutlicher einbinden. Aber auch da gibt es noch Schwierigkeiten. Denn gerade im Bereich Alster haben wir viele veraltete Vorschriften. Außerdem müssen wir uns auf den Riecher von Hamburg verlassen, Trendsportarten zu erkennen. So sind aus Hamburg Beach-Volleyball und Triathlon gekommen. Hamburg hat zudem eine besondere Kompetenz in der Verbindung von Breiten- und Spitzensport. Das sollten wir nutzen und inhaltlich unterstreichen. Und wir wollen Dinge unterstützen, die Hamburg nach außen erkennbar machen. Für mich ist dabei die Internationalität besonders wichtig.

Klaus-Michael Braumann (Sportmedizin): Ich bin der Meinung, daß wir den Leistungssport zuwenig fördern. Das Sportsponsoring wird zu gering bewertet, ganz im Gegensatz zum Kultursponsoring.

Wenzler : Der Senat hat jüngst beschlossen, den Olympiastützpunkt massiv auszubauen, den Volkspark zum Sportpark auszubauen, es gibt moderne Arenen - es wird viel getan.

Rainer Funke (Stadtentwässerung): Wir sehen am Triathlon, daß man Trends in Hamburg schnell in Gang setzen kann. Beim Thema Sport steht die Stadt noch nicht selbst dahinter. Die Unternehmen tragen es und deren Mitarbeiter tragen es, aber nicht die mehr als 40 000 Mitarbeiter der Stadt. Warum unterstützen die nicht Großveranstaltungen wie den Triathlon? Dennoch bin ich sicher, daß mein Unternehmen den Triathlon weiter finanziell unterstützen wird.

Wiedenhaus : Wie soll der Triathlon künftig heißen?

Funke : Wenn es nach mir geht, Hamburg-Triathlon, damit die Veranstaltung wegen des Sponsors nicht alle drei Jahre einen neuen Namen bekommt.

Jens-Uwe Claasen (Dresdner Bank): Kiel hat es geschafft, mit dem Slogan Sailing City der Stadt einen individuellen Stempel aufzudrücken. Kann man daraus nicht für Hamburg lernen?

Wenzler: Kiel hatte es mit dem Segeln leichter. Das ist die Hauptsportart der Stadt. Hamburg ist Ruderstadt, Hockeystadt, Tennisstadt, Reiterstadt, Fußballstadt und vieles mehr. Das ist unser Glück - aber auch unser Problem in der Fokussierung.

Wolfgang Müller (City-Management): Wir Einzelhändler wollen gern bei der WM helfen, um Hamburg als Shopping-City erkennbar zu machen. Wir würden uns aber gern noch mehr einbringen. Eine weitere Anregung: Kann man die Alster zur WM nicht besser nutzen? Denn die Alster ist doch unser Big Ben.

Wenzler : Ich freue mich sehr über das Engagement des City-Einzelhandels. In den Eventflächen für 2006 spielt die Alster deshalb eine zentrale Rolle.

Wiedenhaus : Herr Mackerodt, gibt es einen neuen Hauptsponsor für den Marathon?

Frank Mackerodt (Act GmbH): Ja, aber Namen nenne ich nicht.

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