Einkaufen ist weiblich

Berlin. Immer mehr Frauen entscheiden alleine über Anschaffungen und Investitionen - mit eigenem Geld oder dem des Partners. Doch diese Marktmacht der Frauen werde von Unternehmen und Händlern bisher weitgehend vernachlässigt, kritisiert die Unternehmensberaterin Diana Jaffe in ihrem Buch "Der Kunde ist weiblich". Ursache dafür sei, daß in den Chefetagen großer Unternehmen immer noch überwiegend Männer säßen. In deren Köpfe würden noch immer Klischees über die Frau als "altruistische Hausfrau, Mutter und Partnerin" vorherrschen. Ein Fehler meint die Autorin, die als Chefin der Berliner Marketingagentur Bluestone die unterschiedlichen Bedürfnisse von weiblichen und männlichen Verbrauchern untersucht: Denn 90 Prozent aller Produkte des täglichen Bedarfs würden heute von Frauen gekauft.

Die verschiedenen Interessen von männlichen und weiblichen Verbrauchern erklärt Jaffe mit evolutionären Unterschieden. Männer seien noch immer Jäger, die im Geschäft mit "möglichst geringem Aufwand eine maximale Beute" erzielten wollten.

Umgekehrt sei bei Frauen das Verhalten von Sammlerinnen zu beobachten. "Shopping ist eine weibliche Erfindung. Viele Frauen entspannen sich großartig, während sie unterwegs sind, um Neues zu entdecken. Für Männer ist Shopping dagegen geradezu gesundheitsschädlich, wie Untersuchungen gezeigt haben", versichert Jaffe.

Insgesamt würden Frauen hohe Ansprüche an Produkte stellen, die sie kaufen wollen. Sie sollen zuverlässig ihren Zweck erfüllen, das Leben erleichtern, sicher und umweltfreundlich sein, gut aussehen und auch noch Spaß machen.

Jaffes Fazit: Wenn sich die Wirtschaft an den Wünschen der Kundinnen orientieren würde, käme das im Ergebnis auch den Männern oder der wachsenden Zahl von Senioren zugute. Zudem würde die für die Unternehmen ohnehin unwirtschaftliche Aufschlüsselung der Zielgruppen nach Beruf, Alter oder Freizeitvorliebe überflüssig, ist sich die Marketingfrau sicher.

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