Vier gegen Coca-Cola

Braune Brause: Während der Branchenprimus schwächelt, mischen junge Unternehmer aus Hamburg den Markt auf.

Hamburg. Für die meisten ist Cola nur ein Getränk. Für Uwe Lübbermann (28) ist Cola eine Philosophie. Vorausgesetzt, es geht um Premium-Cola. So heißt der Koffeinkick, den der Hamburger seit Dezember 2001 in einer fränkischen Brauerei abfüllen läßt. 22 000 Flaschen seiner braunen Brause verkauft Lübbermann jeden Monat. Die meisten davon in Hamburg. Denn hier sprudelt es richtig: Lübbermann ist nur einer von vier Hamburger Jungunternehmern, die mit jeweils einer eigenen Cola-Variante den Softdrinkmarkt aufmischen.

Premium-Cola und Fritz-Kola, Hausmarke und Peace Cola sind die hanseatische Antwort auf die US-Giganten Pepsi und Coca-Cola. Und die Chancen der Herausforderer stehen nicht schlecht, denn das Geschäft des Marktführers Coca-Cola schwächelt: Im ersten Quartal 2005 hat das Unternehmen aus Atlanta einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Während Coca-Cola weltweit mehr umsetzte, litt das deutsche Geschäft unter der Pfandgesetzgebung. Der Absatz sank um zwölf Prozent. Die junge Konkurrenz aus Hamburg kennt man in der Berliner Coca-Cola Zentrale bereits. "Wir sehen Wettbewerb grundsätzlich sportlich und beobachten natürlich auch den Hamburger Markt genau", so ein Sprecher der Zentrale zum Abendblatt.

Die vier Jungunternehmer verbindet vor allem, was sie nicht haben: Keiner der vier Cola-Macher hat Erfahrung, keiner eine eigene Produktionsstätte, keiner einen Geldgeber. Dafür handeln alle aus Überzeugung. Nur könnte die unterschiedlicher nicht sein. "Premium-Cola soll eine ehrliche, kumpelhafte Marke sein", sagt Lübbermann. "Profit ist uns egal." Und so darf nicht jeder Premium-Cola verkaufen. Nur wer seine Mitarbeiter gut behandelt und auf Atmosphäre statt auf schönen Schein setzt, ist der Cola würdig. In Hamburg genügen 38 Kneipen diesen Ansprüchen. "Hippe Szeneläden haben keine Chance", sagt Lübbermann.

Und noch etwas ist anders bei Premium: Alle Entscheidungen trifft das Kollektiv - eine Gemeinschaft von mehr als 40 Premium-Cola-Idealisten. Sie alle waren einst begeisterte Afri-Cola-Trinker. Bis die Mineralbrunnen AG 1999 die Kölner Afri-Cola GmbH aufkaufte, den Koffeingehalt eindampfte und das Getränk in handelsüblichen Mineralwasserflaschen abfüllte. Ein Skandal für Lübbermann und seine Freunde.

Mit einer Delegation fuhren sie nach Köln, verhandelten mit Mineralbrunnen und überfielen den Chef mit Wasserpistolen. Nichts half. So ließ Lübbermann nach gut zweijähriger Revolte Premium-Cola brauen - nach Afri-Originalrezept mit dem erlaubten Koffeinhöchstwert von 250 Milligramm pro Liter. "Ganz zufällig und ungewollt wurde eine neue Marke geboren", erinnert sich Lübbermann.

Premium gibt es mittlerweile in 16 deutschen Städten. Im vergangenen Dezember hat Lübbermann, der damals 10 000 Mark Eigenkapital in die Produktion seines Softdrinks investierte, erstmals 1400 Euro Gewinn gemacht. Den wollte er mit den Mitgliedern des Kollektivs teilen, doch für die ist der Dienst im Namen der guten Cola-Sache selbstverständlich: Sie wollten keinen Cent annehmen.

Ehrgeizigere Ziele haben Lorenz Hampl (27) und Mirco Wolf Wiegert (29). Die beiden Studenten sind die Macher von Fritz-Kola, ihre Köpfe zieren sogar die Flaschenetiketten. Mit einem Kapital von 5000 Euro gestartet, verkaufen die beiden Freunde inzwischen monatlich zwischen 25 000 und 30 000 Flaschen. "Wir wollen auf jeden Fall das Dreifache schaffen", sagt Hampl. Seit dem Start im Februar 2003 haben Hampl und Wiegert ihr Getränkesortiment stetig erweitert: Außer Fritz-Kola gibt es mittlerweile auch Melonen- und Zitronenlimonade sowie Apfel- und Kirschschorle. Und zwar in mehr als 200 Hamburger Bars und in ausgewählten Spar-Supermärkten. Die kooperierenden Großhändler beliefern außerdem Läden in zahlreichen deutschen Studentenstädten.

"Trinken für den Weltfrieden", das ist das Konzept von Jens Marsau (40). Von jeder verkauften Flasche seiner Peace Cola sollen drei Cent Organisationen wie Amnesty International oder Ärzte ohne Grenzen zugute kommen. "Wohltätigkeit und Kommerz müssen sich nicht zwingend ausschließen", sagt Marsau. Gemeinsam mit Holger J. Nootbaar, einem Experten aus der Getränkebranche, hat er einen Business-Plan ausgearbeitet. "Wir würden sofort die Gewinnzone erreichen", sagt Marsau. Die Testcharge von 10 000 Flaschen habe sich binnen weniger Wochen verkauft. Seine 30 000 Euro Eigenkapital sind nun aber aufgebraucht, er braucht einen Geldgeber für die Friedenslimo. "Es kann nicht sein, daß eine kreative Idee an der restriktiven Politik der Banken scheitert", klagt Marsau. "Die Logistik steht, wir könnten sofort eine Million Flaschen produzieren." Der Hamburger hat sich die Markenrechte für Peace Cola in Deutschland und Europa gesichert. Denn gerade erobert ein Cola-Getränk aus Malaysia unter gleichem Namen und mit ähnlichem Konzept den asiatischen Markt. "Mit einem Geldgeber könnten wir in Europa ähnlich erfolgreich sein", sagt er.

Das jüngste Mitglied der Hamburger Cola-Connection ist Hannes Rose (20). In seiner Heimatstadt Brakel bei Paderborn hat er seit März 2004 etwa 10 000 Flaschen der Hausmarke, einer Cola mit Kaffeegeschmack, verkauft. Neben der maximalen Koffeinmenge hat Rose seine Cola-Kreation mit dem pflanzlichen Koffein Guarana versetzt. Jetzt will Rose, der seit Oktober an der Universität Hamburg Maschinenbau studiert, mit seinem Gebräu auch in Norddeutschland Cola-Trinker begeistern. Nach jedem Heimatbesuch bringt er Kisten mit dem Auto gen Norden. Doch Rose weiß, daß der Einstieg nicht leicht wird: "Ich habe es in Hamburg mit dem wahrscheinlich am härtesten umkämpften Cola-Markt der Welt zu tun."