"Mr. MobilCom": Vom Maurersohn zum Milliardär

Hamburg. Hart, risikobereit, hemdsärmelig: Gerhard Schmid, der sich sein Betriebswirtschaftsstudium als Eishockeytrainer finanzierte, hat sich vom Sohn eines oberfränkischen Maurers zum milliardenschweren Unternehmer hochgearbeitet. Finanziell muss sich der 50 Jahre alte Gründer der MobilCom AG keine Sorgen machen. Das "manager magazin" taxierte sein Privatvermögen noch Anfang des Jahres auf 1,4 Milliarden Euro. Das reicht immerhin für Platz 68 auf der Liste der 100 reichsten Deutschen. Jetzt steht Schmid vor einem Scherbenhaufen. Dabei hat alles so gut begonnen. Rückblick, 1990. Schmid arbeitet als Vertriebs- und Marketingvorstand für den Mietwagenanbieter Sixt. Die Firma im bayerischen Pullach ist bekannt für ihre Pionierarbeit beim Ausstatten großer Limousinen mit Autotelefonen. Als rechte Hand von Firmenchef Erich Sixt kommt Schmid in Kontakt mit Managern der noch jungen Mobilfunkbranche. So erfährt der damals 38-Jährige, dass die Netzbetreiber - zu dieser Zeit gab es nur D1 und D2 - auf der Suche nach unabhängigen Vertriebspartnern waren. Schmid erkennt die Chance seines Lebens. Er verlässt seinen sicheren Vorstandsposten und zieht nach Schleswig-Holstein, an die Ostsee nach Damp. Die Gegend ist ihm nicht unbekannt. Ende der 80er-Jahre war er hier Geschäftsführer des Ostseebads. Jetzt gründet er seine Telefonfirmen. Und Schmid hat den richtigen Riecher. 1991 - ein Jahr bevor die modernen GSM-Handynetze von Telekom (D1) und Mannesmann (D2) an den Start gehen - bündelt er seine Unternehmen in der MobilCom GmbH. Schnell gelingt es ihm, sich ins Gespräch zu bringen. Er vermarktet die Netze von D1 und D2, gewinnt rasch Kunden. Schon ein Jahr später überspringt der Betriebswirt die 100-Millionen-Mark-Umsatzgrenze. Ende 2001 setzt er mit jeweils fünf Millionen Handy- und Festnetzkunden insgesamt 2,6 Milliarden Euro um. Schmids wichtigste Trümpfe im permanenten Kampf um die Kunden: Er lernt die Tricks der Branche schnell und riskiert viel. Der ganz große Sprung gelingt ihm 1997. Wieder erkennt Schmid die Zeichen der Zeit, als er MobilCom als erstes Unternehmen in das neue Wachstumssegment der Börse einbringt - den Neuen Markt. Das Telefonunternehmen wird zum Vorboten eines beispiellosen Aktienbooms. Die Analysten jubeln. Einer hält sogar mehrere Tausend Mark pro Aktie für angemessen. Zweimal wird das Papier im Laufe der folgenden Börsenhysterie gesplittet. Dadurch sieht der Kurs günstiger aus - und ist attraktiver für Kleinaktionäre. Auf dem Höhepunkt im März 2000 notieren die Aktien schließlich bei umgerechnet 200 Euro. Und Schmid, der damals wie heute knapp 40 Prozent der Anteile hält (seine Frau Sybille hält weitere zehn Prozent), ist Milliardär. Auch die Mitarbeiter profitieren vom Aufstieg an der Börse. Vom einfachen Angestellten bis zum Vorstandsmitglied - alle bekommen einen Dienstwagen. Im Firmenhauptquartier - seit 1998 im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf - dreht Schmid derweil wieder an der Marketingschraube. Er schaltet ganzseitige Anzeigen, die in Schriftbild und Farbgestaltung bis ins Detail der Werbung der Telekom gleichen. Die Botschaft an die Bürger: Sie sollen ihren Festnetzanschluss dauerhaft auf die Vorwahl 01019 umstellen, die Nummer der MobilCom. Schmid macht sich damit zum "Minuten-Aldi" der Republik. Denn eine Minute Ferngespräch kostet nur 19 Pfennig - deutlich weniger als bei der großen Konkurrenz. Wieder stellt Schmid, der privat Rennpferde besitzt, seine Vorreiterrolle unter Beweis. Nur beim milliardenschweren Thema UMTS - da machen jetzt womöglich andere das Rennen.