MobilCom - der Rauswurf des Chefs

ENTSCHEIDUNG: Gerhard Schmid aus seinem Haus gejagt. France Télécom hat jetzt die Macht. Hamburg

Bis zum letzten Tag wehrte sich Gerhard Schmid (50). Als er spürte, dass er diesen Kampf gegen den mächtigen Gegner, der einst als Freund und Partner ins Haus kam, nicht mehr gewinnen konnte, packte er seine Sachen. Unter dem Arm einen Riesenstoß Akten und in der Hand eine prall gefüllte rote MobilCom-Tüte - so verließ Gerhard Schmid am Freitag seine Firmenzentrale. Noch bevor der Aufsichtsrat ihm den Stuhl vor die Tür setzte, räumte der MobilCom-Gründer seinen Schreibtisch in Büdelsdorf bei Rendsburg. Der Abgang des einstigen Börsenstars - nach einer Schlammschlacht um die Macht im Unternehmen. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende von MobilCom wurde gefeuert. Der Aufsichtsrat des Mobilfunkunternehmens hat Schmid am Freitagabend auf Drängen des französischen Großaktionärs France Telecom aus der eigenen Firma entlassen. Gerhard Schmid hält zusammen mit seiner Frau Sybille 49,9 Prozent an MobilCom, die Franzosen dagegen nur 28,5 Prozent. Aber ohne die Hilfe von France Telecom wäre das norddeutsche Unternehmen in die Insolvenz geschlittert. France Telecom hatte kurz vor der Entmachtung Schmids eine Kompromisslösung für die Schulden von MobilCom bekannt gegeben, die den Büdelsdorfer Partner zwar vor der Pleite rettet - im Gegenzug erhalten die MobilCom-Banken für einen 4,7 Milliarden Euro schweren Kredit aber Anteile an dem Pariser Konzern. Der Aufsichtsrat der MobilCom wertete dies als "positives Zeichen für die Zukunft des Unternehmens". Der Streit zwischen Schmid und France Telecom hatte sich unter anderem an der milliardenschweren Finanzierung eines UMTS-Mobilfunknetzes in Deutschland sowie an dubiosen Finanztransaktionen zu Gunsten von Schmids Ehefrau entzündet. Beide Seiten waren sich nicht mehr grün. Schmid wollte, obwohl das Geld knapp und die Schulden hoch waren, einen schnellen Ausbau des UMTS-Netzes. Die Franzosen, mit mehr als 60 Milliarden in der Kreide, wollten nur das Nötigste. Sie gerieten sich in die Haare. Wer sorgte denn zuletzt während eines Deutschlandspiels bei der Fußball-WM, als fast niemand Börsenkurse im Sinn hatte, durch massive Aktienverkäufe dafür, dass der Kurs stürzte? France Telecom wurde dahinter vermutet - denn wenn die Pariser Schmid auszahlen müssten, würde dies um etliche Millionen Euro günstiger. Jeder Euro pro Aktie weniger hieße 33 Millionen Euro weniger für Schmid. France Telecom hatte bereits seit Monaten auf den Rauswurf Schmids gedrungen - jetzt gelang das Golden Goal. Schmid ist raus aus dem Millionenspiel. Zu welchem Preis seine Aktien abgekauft werden, wird später entschieden. Sind es 300 Millionen Euro? Oder 500 Millionen? Erste Konsequenz: Als Nachfolger auf dem Chefsessel hat der Aufsichtsrat den bisherigen MobilCom-Finanzvorstand Thorsten Grenz eingesetzt. Der Kurs der MobilCom-Aktie stieg unmittelbar nach Schmids Rauswurf um 18 Prozent auf 10,83 Euro.