Hunkes Pläne für Hamburg 1

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Melanie Wassink

MEDIEN Nach der Kirch-Krise: Mehr Hamburg-Nachrichten im Fernsehen?

Hamburg Jürgen Hunke (58), der Hamburg 1 aus der Krise helfen will, hatte 1999 eigentlich beschlossen, nie mehr arbeiten zu wollen. Das dazu wünschenswerte Vermögen von etlichen Millionen hatte er mit seiner Versicherungsvermittlungsgesellschaft Zeus bereits angehäuft. Genug erreicht hatte er als ehemaliger HSV-Präsident, Vorsitzender der STATT-Partei, Verleger und Versicherungsunternehmer ebenfalls. Fortan wollte er reisen, lesen, schreiben. Wie etwa das Buch "Wohlfühlen - Der Megatrend", das nicht nur seiner Feder entstammt, sondern auch auf 160 Seiten sein Lebensmotto beschreibt. "Sie müssen einfach das tun, was Ihnen Spaß macht", sagt Hunke lächelnd und beugt sich aus seinem Sessel hinab zu Maxi, der schwanzwedelnd über die schwarz-weißen polierten Granitplatten hergetapst kommt. "Ja, ja, ich bin dein Lebensretter", raunt er dem ebenfalls schwarz-weißen Hund zu, den er in einer aufwändigen Aktion mit Hilfe eines Tierarztes von der thailändischen Trauminsel Koh Samui, auf der Hunke fünf Monate gelebt hat, über Bangkok und Frankfurt in die Hansestadt gebracht hat. Hier führt der Strandhund nun ein Großstadtleben - wohnt mit seinem Herrchen in Harvestehude, läuft häufig um die Alster und darf gelegentlich im schwarzen Bentley Platz nehmen (Autofahren mag Maxi aber noch nicht so gern, sagt Hunke). Retten, das will Hunke jetzt auch bei Hamburg 1. Der defizitär arbeitende Fernsehsender gehört zur angeschlagenen Kirch-Gruppe und braucht nun vermutlich einen neuen Geldgeber, um zu überleben. Hamburg 1 habe sich jetzt an ihn gewandt, da er sich vor Jahren bereits vergeblich um eine Minderheitsbeteiligung an dem Anbieter bemüht hatte. "Ich stehe als Gesellschafter und Ideengeber bereit", sagte Hunke gegenüber dem Abendblatt. Grund für sein Engagement sei sein fester Wille, dass Hamburg einen Lokalsender behalten müsse. "Und zwar einen Sender, der umfangreich über die Stadt berichtet, der hier gemacht wird. Von Menschen aus der Stadt, mit denen wir uns identifizieren können", sagt Hunke mit Blick auf die Vergangenheit. Denn die bisherige Praxis der Kirch-Gruppe sei es gewesen, einen Großteil der Hamburg-1-Geschäfte von München aus zentral zu führen. Genauso sähe es wahrscheinlich in der Zukunft aus, wenn der baden-württembergische Regionalsender B.TV, der ebenfalls sein Interesse an Hamburg 1 angemeldet hatte, die Geschicke des Lokalsenders bestimmen würde. Hätte hingegen Hunke bei Hamburg 1 ein Wörtchen mitzureden, würde er den Schwerpunkt des Programms noch mehr als bisher auf die lokalen Ereignisse legen, sagt er. Premieren im Theater, Berichte über oder Hinweise auf Veranstaltungen oder regional bedeutende Sportarten, Diskussionen über städtebauliche Entwicklungen wie die City Nord oder die Europa-Passage, "diese Themen will ich ausbauen". Streitgespräche zwischen Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft sollten stattfinden, um den Bürgern Standpunkte nahe zu bringen - denn das Wichtigste, glaubt Hunke, ist die Transparenz: "Wir müssen alles gläsern machen, das ist die Antwort auf moderne Demokratie", sagt der Selfmade-Politiker, in dessen Auftrag kurz vor der Bürgerschaftswahl 2001 das Buch "Das Machtkartell" erschien, ein Werk, in dem sich die Autoren auf 300 Seiten über den angeblichen Filz der SPD in Hamburg auslassen. "Verhandlungen in Hinterzimmern, Geheimsitzungen, das passt nicht mehr in unsere Zeit, das sieht man an all den Skandalen", sagt Hunke und ist davon überzeugt, dass er in Sachen Durchschaubarkeit für die Bürger "mit dem Sender viel bewegen" kann. Wie er das Programm zudem wirtschaftlich gestalten kann, auch darüber hat sich Hunke bereits Gedanken gemacht - auch wenn er betont, nicht unbedingt daran interessiert zu sein, mit dem Sender Geld zu verdienen: "Ich kann für eine gewisse Zeit auch Verluste verkraften." Um dennoch kostengünstig zu arbeiten, sollte Hamburg 1 täglich zwei Stunden Nachrichten produzieren, die sechsmal wiederholt werden könnten. Das spare und gebe jedem die Chance, unabhängig von Seh-Gewohnheiten, die Hamburger Regionalnachrichten zu schauen. Zudem könnten mehr Sendungen als bisher von Hamburger Unternehmen gesponsert werden, schlägt der charismatische Vollblutkaufmann vor. Grundsätzlich sei der Werbemarkt in Hamburg groß genug, einen Regionalsender über Wasser zu halten. Mit dieser Meinung ist Hunke nicht allein: Er ist derzeit nicht der Einzige, der in den Sender investieren will. Außer dem genannten südwestdeutschen TV-Anbieter B.TV können sich auch der Medienunternehmer und Kieler SPD-Politiker Klaus-Dieter Müller und die Düsseldorfer Fernsehnachrichtenagentur (DFA) einen Einstieg bei Hamburg 1 mit seinen insgesamt 45 Mitarbeitern vorstellen. Auch wenn sich diese potenziellen Geldgeber bei Hamburg 1 gegen Hunke durchsetzen sollten, Langeweile kommt bei dem Privatier nicht auf: "Ich muss ja noch das Theater fertig bauen (Hunke ist Pächter der Kammerspiele), und dann werde ich für den New Yorker Marathon Anfang November trainieren." - Und Maxi?

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