Personalabbau: Nur 15 Arbeitsplätze bleiben in Hamburg

Tipp24 entlässt 139 Mitarbeiter

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Sophie Laufer

Online-Lottovermittlung per Gesetz in Deutschland verboten. Unternehmen setzt nun auf das Ausland.

Hamburg. Er war ehrgeizig, hatte große Pläne für seine Internet-Lottovermittlungsfirma Tipp24. Und die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre gab Jens Schumann auch recht. Immer wieder verkündigte der smarte Geschäftsmann neue Rekordergebnisse und baute das Unternehmen stetig aus. Als Tipp24 vor dreieinhalb Jahren an die Börse ging, erlöste Schumann 4,4 Millionen Euro, genau wie sein damaliger Kompagnon. Heute gehören ihm noch elf Prozent des Unternehmens, das derzeit rund 80 Millionen Euro wert ist.

Doch dann kam der sogenannte Glückspielstaatsvertrag mit seinem Verbot für die Online-Lottovermittlung, der dem Hamburger Unternehmen spätestens mit dem Inkrafttreten des Gesetzes Anfang Januar seine Geschäftsgrundlage endgültig nahm. Es begann ein zähes Ringen um die Rechtmäßigkeit des Erlasses und die Zukunft von Tipp24.

Am Freitag nun musste Schumann sich vorerst geschlagen geben und einen bereits befürchteten Schritt verkünden: Tipp24 wird sein Geschäft in Deutschland weitgehend aufgeben und 139 von 154 Mitarbeitern bereits Ende März entlassen. Nur 15 Kollegen werden in der Hansestadt weiter für das Unternehmen tätig sein. "Ein Großteil der Arbeitsplätze wird wahrscheinlich im Ausland neu entstehen", versucht der Firmengründer zu erklären. Der Lottovermittler arbeitet mit dem gleichen Geschäftsmodell schon jetzt in England, Spanien und Italien mit 40 fest angestellten Mitarbeitern.

Dennoch merkt man Schumann die Bestürzung über diesen Schritt an. "Das ist ein Bruch in der Identität der Firma", sagt er. "Ich empfinde dieses Gesetz und die damit verbundenen Folgen als sinnlos." Zumal die Entlassungen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt kämen. "Wir befinden uns mitten in einer der größten Wirtschaftskrisen und der Staat hat nichts anderes zu tun, als die Umsetzung eines solchen Gesetzes einzufordern", so Schumann. "Während an anderer Stelle mit Milliardenbeträgen um die Rettung von Arbeitsplätzen gekämpft wird, vernichtet er hier die Arbeitsplätze eines gesunden und vor allem profitablen Unternehmens."

Schumann hat Tipp24 vor knapp zehn Jahren mit seinem Studienfreund Marc Peters gegründet. Unter dem Namen Tipp24 wollten Schumann und sein Partner Lottoscheine im Internet vertreiben. Damals waren viele staatliche Lottogesellschaften noch nicht so weit. Die Firma überlebte das Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends. 2002 schrieb Tipp24 bereits schwarze Zahlen. "Was die großen Krisen nicht geschafft haben, besorgt jetzt die Politik", sagt Gründer Schumann. 2007 schied Peters dann aus dem Hamburger Unternehmen aus.

Schumann blieb weiter aktiv, baute Tipp24 aus. Im vergangenen Frühjahr übernahm der Unternehmer die Enter.TV. Das Unternehmen bietet sogenannte Skill Based Games an, Geschicklichkeitsspiele die gegen Geld im Internet gespielt werden können. "Wir gingen damals noch davon aus, die Lottovermittlung weiterbetreiben zu können, und haben nach Zusatzgeschäften gesucht", sagt Schumann.

Zum Team von Enter.TV. gehören Entwickler der legendären Moorhuhnjagd. Die ersten Spiele sind im Herbst 2008 online gegangen. Zusammen mit dem Spielegeschäft setzt Schumann jetzt alle Hoffnungen auf das Ausland. "Es wird für Tipp24 weitergehen, das ist klar. Aber hier in Hamburg gibt es für uns erst einmal keine Möglichkeit."

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