Finanzexperten

Trotz Zinssenkungen hohe Zinsen für Anleger

Geschäfts- und Autobanken gewähren im Schnitt vier Prozent und mehr. Sparkassen- oder Genossenschaftsbanken zahlen hingegen bei zwölf Monaten Laufzeit im Schnitt nur 2,6 Prozent.

Anleger können trotz der starken Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Einschätzung von Finanzexperten nach wie vor gute Renditen für ihr Geld bekommen. So zahlten viele Privatbanken oder Autobanken ihren Kunden derzeit deutlich höhere Zinsen als etwa Sparkassen- oder Genossenschaftsbanken, sagte der Chef der Frankfurter Finanzberatung FMH, Max Herbst. Während die regionalen Anbieter für Festgeld bei zwölf Monaten Laufzeit im Schnitt 2,6 Prozent Zinsen zahlten, gewährten Geschäfts- und Autobanken nach wie vor vier Prozent und mehr. Wegen der Unterschiede sei ein "Zinsvergleich derzeit erste Verbraucherpflicht", sagte Finanzexperte Marcus Preu vom unabhängigen Verbraucherportal biallo.de.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken hätten ihre Zinsen nach den Zinssenkungen der EZB seit Oktober besonders stark reduziert, sagte FMH-Chef Herbst. "Andere Institute wie etwa die Autobanken sind dagegen nach wie vor stark auf das Geld der Verbraucher angewiesen und zahlen deswegen auch die höchsten Zinsen."

Aus Kundensicht sei das Geld bei Privatbanken und den Banken der Autohersteller jedoch genauso sicher wie bei Genossenschaftsbanken oder Sparkassen, weil es durch die Einlagensicherung der Banken geschützt sei. Viele nähmen derzeit jedoch für eine "gefühlte höhere Sicherheit" bei den regionalen Geldhäusern niedrigere Zinsen als bei den Privatbanken in Kauf.

Hintergrund der Zinsunterschiede ist die Finanz- und Wirtschaftskrise. Trotz der Zinssenkungen der EZB können sich viele Banken nach wie vor nur zu relativ hohen Kosten Geld zur Finanzierung ihrer Geschäfte besorgen. Für die Autobanken etwa sind Kredite teuer, weil derzeit kaum absehbar ist, ob die Verkaufskrise der Autobranche noch schlimmer wird. Die großen US-Autokonzerne etwa standen zum Jahreswechsel bereits kurz vor dem Bankrott.

Für Privatbanken wiederum ist es derzeit teuer an Geld zu kommen, weil sie in der Vergangenheit stärker als Sparkassen und Genossenschaftsbanken auch risikoreiche Geschäfte auf den internationalen Finanzmärkten machten. Da Kredite für Auto- und Privatbanken bei anderen Banken derzeit teuer sind, zahlen sie Verbrauchern hohe Zinsen.

Kreditnehmer profitierten von den Zinssenkungen der EZB indes kaum, sagte Finanzexperte Preu. Ratenkredite zum Kauf von Konsumgütern verbilligten sich "nicht in gleichem Maße, wie die Geldanlagezinsen derzeit sinken".

Nach Angaben von FMH-Chef Herbst sanken die Zinsen für Ratenkredite und Dispokredite bei Girokonten seit Oktober nur um 0,2 Prozent. Gleichzeitig seien die Festgeldzinsen im Schnitt um 1,6 Prozent nach unten gegangen nahezu im Gleichschritt mit den EZB-Entscheidungen. Die EZB senkte den Leitzins für die Eurozone von Oktober bis Dezember um 1,75 Prozent.

"Aus Sicht der Kreditnehmer tut sich derzeit nicht viel", sagte FMH-Chef Herbst. Die Banken "stecken derzeit den Profit ein" den sie aus niedrigeren Zinsen für Anleger und gleichbleibenden Zinsen für Kreditnehmer machten. Finanzexperte Preu rechnete für die kommenden Monate aber dennoch mit sinkenden Zinsen sowohl für Anleger als auch für Kreditnehmer. "Die Bewegung bei Krediten und Geldanlagen geht eindeutig nach unten."