Klage gegen teure Flugausfälle

Airlines fordern Schadenersatz von den Behörden infolge der isländischen Aschewolke

London/Frankfurt. Der britische Billigflieger EasyJet will zusammen mit anderen Anbietern - auch außerhalb des Niedrigpreissegments - wegen der Vulkanascheflugverbote gegen die europäischen Flugaufsichtsbehörden klagen. "Das wird eine Klage aller Fluglinien", sagte Firmenchef Andy Harrison der "Wirtschaftswoche". Mit der Sammelklage wolle man Ausgleichszahlungen für die Verluste einfordern.

Harrison verwies auf die hohen Belastungen durch die von den Behörden verordneten mehrtägigen Luftraumsperrungen nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull Mitte April. "Das hat uns zwischen 50 und 75 Millionen Euro gekostet, davon bis zu 45 Millionen für Übernachtungen und die Verpflegung gestrandeter Passagiere", sagte Harrison. Es gebe keinen Grund, warum die Folgen einer Naturkatastrophe "ausschließlich von den Fluglinien getragen werden sollten - besonders wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Schließung in der Größenordnung nicht nötig war". Wegen der Aschewolke hatte EasyJet zuletzt auch die Gewinnprognose zusammengestrichen. Der internationale Branchenverband IATA bezifferte die Schäden für die Fluggesellschaften auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro.

Bei der Lufthansa wollte man sich am Wochenende zu den Plänen von EasyJet nicht äußern. Konzernchef Wolfgang Mayrhuber erneuerte seine Forderung nach Erstattung der entstandenen Verluste. "Wir konnten nichts selber tun, um diese Kosten zu verhindern oder zu verringern. Die Lufthansa und andere Airlines haben ihre Kunden trotzdem bedient und fordern deshalb eine Kompensation", sagte Mayrhuber der "Welt am Sonntag".

Die Flugverbote hätten bei der Lufthansa konzernweit einen Schaden von fast 200 Millionen Euro verursacht. Mayrhuber hatte die Luftraumsperrung zuvor bereits scharf kritisiert. Die Risiken seien von den Behörden "völlig überschätzt" worden.

Der Lufthansa-Chef bot der EU-Kommission mit Blick auf die Regressforderungen nun einen Kompromiss an. Ein "eleganter Weg" der Erstattung wäre es nach seiner Ansicht, die von 2012 an geplante Einbeziehung des Luftverkehrs in den EU-weiten Handel mit Emissionsrechten zu verschieben. "Das kostet den Fiskus keinen Euro und würde uns in dieser immer noch schwierigen wirtschaftlichen Lage sehr weiterhelfen", sagte er.

Vom 15. bis 21. April fielen mehr als 100 000 Flüge in Europa aus. Wie das Magazin "Focus" unter Berufung auf die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) berichtet, fertigten die 23 internationalen Airports in Deutschland im April nur 12,4 Millionen Passagiere ab. Das waren 2,5 Millionen oder 16,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Von Januar bis März hatte es noch ein Plus von vier Prozent gegeben.