Datenweitergabe

Handelskette famila stellt Zahlungssystem nach Klage um

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb / picture-alliance / dpa/dpaweb/dpa

Kunden können jetzt an der Kasse mit der PIN-Nummer ihrer EC-Karte bezahlen. Verbraucherschützer hatten gegen das alte System geklagt.

Kiel. Nach einer Klage gegen den Umgang mit Kundendaten hat die Handelskette famila ihr Zahlungssystem mit sofortiger Wirkung umgestellt. Bei dem kritisierten Zahlungsverfahren müssen Kunden, die an der Kasse per Unterschrift mit EC-Karte zahlen, zugleich in die Weitergabe der Kontodaten einwilligen. Dagegen hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen beim Kieler Landgericht Klage eingereicht. Auch Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert ermittelt deswegen seit Monaten in einem Datenschutzkontrollverfahren gegen familia.

„Wir möchten nicht, dass ein Musterprozess gegen uns geführt wird und wir möchten unsere Kunden nicht verunsichern,“ sagte die Sprecherin von familia Nordost, Bärbel Hammer, in Kiel. „Wir haben heute in allen Filialen auf PIN umgestellt.“ Das Unternehmen betreibt 80 Häuser in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die ebenfalls kritisierte Rewe-Gruppe, zu der auch die Handelskette Penny gehört, sieht dagegen „keinen Handlungsbedarf“. Sie will das System beibehalten, sagte Sprecher Andreas Krämer. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZB) hält dennoch an seiner Klage gegen famila fest. Das fragliche System könne jederzeit wieder eingeführt werden, und das müsse verhindert werden, sagte Rechtsexpertin Helke Heidemann-Peuser. Der Datenschutzbeauftragte Weichert begrüßte die Entscheidung familas zur Umstellung: „Das ist eine sehr kluge unternehmerische Reaktion.“

Weichert hält die Einwilligung der Kunden zur Datenweitergabe für unwirksam: Sie erhielten nicht genug Informationen und müssten in einer „Drucksituation“ zustimmen, sagte er. Deswegen sei es unzulässig, die Daten an Dienstleistungsunternehmen wie telecash oder easycash weiterzugeben. Das PIN-Verfahren mit Geheimzahl sei eine sichere Alternative. „Da kann sich jeder schützen, indem er das Auslesen der Daten dadurch verhindert, dass er die Zahleneingabe verdeckt.“ Rewe dagegen verwies darauf, dass die Zahlung per EC-Lastschrift mit Unterschrift für den Kunden schnell, bequem und auch im Hinblick auf den Datenschutz sicher sei. Bezahle ein Kunde in einem der Märkte der Rewe Group mit EC-Karte, genehmige er mit seiner Unterschrift „lediglich die Weitergabe von kaufbezogenen Daten an den Dienstleister Easycash“. Das seien die Bankleitzahl, die Kontonummer, die Bonsumme, der Markt und das Kaufdatum. Personenbezogene Daten wie Vorname oder Name würden nicht weitergeben. Sie seien nicht auf der EC-Karte gespeichert.

Der Dienstleister übernehme dann die Abwicklung mit der Bank des Kunden. „Eine anderweitige Weitergabe oder Nutzung der Daten durch diesen Dienstleister ist vertraglich ausgeschlossen“, erklärte Rewe. Außerdem seien die Kassenbontexte mit Datenschützern abgestimmt. Dem widersprach Weichert. Im schlechtesten Fall persönliche Daten in Sperrdatei

Die Verbraucherschützer kritisieren, Unternehmen wie telecash dürften die Daten aus der EC-Karte für Abrechnungszwecke speichern und für künftige Zahlungsverfahren nutzen. Außerdem dürften sie es auch speichern, wenn eine Lastschrift nicht erfolgreich sei, weil das Konto etwa nicht gedeckt sei. „Im schlechtesten Fall kann man in einer Sperrdatei landen und seine EC-Karte auch in anderen Geschäften nicht mehr einsetzen“, sagte die Rechtsexpertin Heidemann-Peuser. Die Verbraucherzentrale hat das Dienstleistungsunternehmen Telecash bereits vor zwei Tagen abgemahnt.

( (dpa/abendblatt.de) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft