Wohnungskonzern GSW sagt den Börsengang ab

Investoren verlieren wegen der Unsicherheit am Kapitalmarkt das Interesse

Berlin/Frankfurt. Gerade hatte der Kapitalmarkt Hoffnung geschöpft: Nach zwei Jahren Flaute schien der Markt für Börsengänge wieder Schwung aufzunehmen. Mit Unternehmen wie Kabel Deutschland und dem Chemikalienhändler Brenntag wagten im März einige Börsenneulinge den Sprung aufs Parkett.

Doch nun scheint dem Markt in Deutschland angesichts großer Unsicherheiten an den Börsen - nicht zuletzt aus Sorge vor einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone - die Puste schon wieder auszugehen. Gestern zog das Berliner Wohnimmobilienunternehmen GSW seine Börsenpläne kurzfristig zurück. Eigentlich sollten Aktien der GSW an diesem Freitag zum ersten Mal an der Börse gehandelt werden. Doch das Management zog mit Hinweis auf die jüngste Schwankungsanfälligkeit und Unsicherheit an den Aktienmärkten die Notbremse. "Es besteht bei potenziellen Investoren derzeit ein große Unsicherheit über die Zinsentwicklung in Europa, und diese ist für Immobilienwerte sehr relevant", sagte ein GSW-Sprecher.

Es wäre bereits der fünfte größere Börsengang in diesem Jahr gewesen. Noch im vorigen Jahr gab es bedingt durch die Finanzkrise so gut wie keine derartigen Aktivitäten. Schon 2008 hatte beispielsweise die Bahn auch wegen des schwierigen Marktumfelds ihre umstrittenen Börsenpläne auf Eis gelegt. Experten sprechen von einem derzeit höchst fragilen Börsenumfeld, bei dem die Stimmung innerhalb kürzester Zeit komplett kippen kann. "GSW wäre bei einem besseren Umfeld locker durch den Börsengang gesegelt", sagte ein Fachmann. "Angesichts der massiven Wucht, mit der sich die Wolken am Börsenhimmel zugezogen haben, haben die Investoren ihr Interesse komplett verloren", beschreibt er die Lage.

Wie sich der Markt für Börsengänge in diesem Jahr entwickeln wird, ist noch ungewiss. Wichtige Kandidaten wie der Versicherer Talanx oder die HK Food, hinter der der Bäckereiunternehmer Heiner Kamps und der Milchmilliardär Theo Müller stehen, warten erst mal ab.

Die GSW wollte am Kapitalmarkt ein Volumen von knapp 500 Millionen Euro einspielen. Der größte Teil sollte an die Nocheigentümer Cerberus und die Goldman-Sachs-Tochter Whitehall gehen. Dem Wohnungsunternehmen selbst sollen rund 140 Millionen Euro zufließen, hauptsächlich um den hohen Schuldenberg weiter abzubauen. Die Mieter des einst größten landeseigenen Wohnungsunternehmens dürfte der abgesagte Börsengang zusätzlich verunsichern. Sie fürchten Mieterhöhungen und Luxussanierungen.