Delfinarium des Tiergarten Nürnberg

Tierschützer kritisieren Nürnberger Delfinlagune

Die sieben dort lebenden Delfine würden mit Psychopharmaka behandelt. 38 Tier sind in den vergangenen 40 Jahren dort gestorben.

Nürnberg. Das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hat die Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten erneut scharf kritisiert. Die Akteneinsicht habe ergeben, dass jeder der sieben dort lebenden Delfine mit Psychopharmaka behandelt werde, teilte das WDSF am Mittwoch mit. „Die Unterlagen des Delfinariums lesen sich wie der Bericht einer Intensivstation“, erklärte WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller. Die Medikamentenliste sei lang und weise über 20 Medikamente aus.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte die Stadt Nürnberg verurteilt, die Akten offen zu legen, nachdem Tierschützer dies jahrelang vergeblich gefordert hatten. Die Delfinakten würden eine regelmäßige Verabreichung von Diazepam ausweisen, einem verschreibungspflichtigen Psychomarmaka gegen Angst- und Spannungszustände, das nur in geringer Einzeldosis und wegen seines Suchtpotentials nicht fortlaufend verabreicht werden dürfe, so das WDSF. Innerhalb von vier Monaten seien beispielsweise dem nierenkranken Delfin Jenny 145 mg Diazepam verabreicht worden. Der Delfin Anke erhielt bei einem Transfer von Holland nach Nürnberg im Frühjahr eine Höchstdosis von 30 mg Diazepam und Antibiotika. Anke muss sich bei diesem Transport stark stark verletzt haben. In dem Tiergarten-Bericht heißt es: „Anke hat sich beim Fangen hinter Blasloch, kaudal an der Finne (blutet am meisten), am rechten Flipper und an der Fluke aufgeschlagen.“

Die vom WDSF eingeschaltete Staatsanwaltschaft würde nun zu prüfen haben, ob das Delfinarium geschlossen werden muss, um eine fachkompetente Oberaufsicht für die Delfinbehandlung zu gewährleisten. „Hier scheinen alle Entscheidungsträger vom Tiergartendirektor bis hin zur zuständigen Tierärztin versagt zu haben“, sagt Ortmüller. Das WDSF lässt jetzt prüfen, ob die Antibiotika-Behandlung zum mehrfachen Tod von Delfinen in Nürnberg geführt hat. Ortmüller: „Wir haben einen Hinweis eines Biologen von der Ruhr-Universität Bochum vorliegen, dass die Antibiotika-Behandlung der Delfine zur sogenannten „Herxheimer Reaktion“ führen kann, die mit Todesfällen verbunden ist, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird.“38 Nürnberger Delfine hätten seit Bestehen des Delfinariums im Jahr 1971 den Tod gefunden.

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