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Samuel Koch: „Das Leben kann ziemlich brutal sein“

Samuel Koch: So hat er sich auf seine erste Kino-Hauptrolle vorbereitet

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Samuel Koch: So hat er sich auf seine erste Kino-Hauptrolle vorbereitet

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Samuel Koch spielt seine erste Hauptrolle in dem neuen Kinofilm „Draußen in meinem Kopf“. Bei der Vorbereitung begegnete er dem Tod.

Berlin.  Samuel Koch weiß noch genau, wie das war, als er im Krankenhaus lag, am Kopf festgeschraubt, mit einem Gerät, das „Halofixateur“ heißt. „Ich lag da so drei Monate lang und da fiel die Sonne durch das Oberlicht in das Krankenzimmer und ich konnte jedes einzelne Staubkorn erkennen, wie es durch die Luft wirbelte und sich langsam auf mich senkte.“

Er wollte das nicht, dass sich die Staubteile auf ihm niederlassen, auf den Augen oder dem Arm. „Aber ich konnte nichts dagegen tun.“

Samuel Koch hat das beschrieben in seinem Buch „Zwei Leben“, und es kommt jetzt auch im Film „Draußen in meinem Kopf“ vor, der seit Donnerstag im Kino läuft. Es ist die erste große Rolle für den 30 Jahre alten Schauspieler.

Seit 2010 vom Hals abwärts querschnittsgelähmt

Er wurde bekannt, weil er 2010 bei der Fernsehshow „Wetten dass..?“ vor einem Millionenpublikum verunglückte und seitdem vom Hals abwärts querschnittsgelähmt ist. Im Film spielt er den unheilbar kranken Sven, der ebenfalls gelähmt ist, mit dem Mund Computerspiele spielt, sich oft langweilt. Aber bei Sven ist noch etwas anders: Er hat eine Muskelkrankheit, die unweigerlich zum Tod führen wird.

Für Samuel Koch war das eine Herausforderung, obwohl er seine Krankenhauserfahrungen mit einfließen ließ. Er nennt es etwas belustigt die „physische Kernkompetenz“, die er mit der Hauptfigur Sven teile. „Ich fand es schon gut, dass einige meiner Erfahrungen dann in das Drehbuch mit eingeflossen sind, aber gleichzeitig ist Sven jemand ganz anderes.“

„Ich musste jemanden spielen, mit dem es ständig bergab geht“

Koch ist weder als Vollwaise aufgewachsen, noch hatte er jene Todessehnsucht Svens, die sich durch den Film hindurchzieht. „Ich musste jemanden spielen, bei dem es gerade ständig bergab geht, bei dem es wirklich bald zu Ende ist.“

Mit Samuel Koch aber geht es seit Jahren bergauf. Freunde, die ihn lange nicht gesehen haben, freuen sich, dass er seine Hände viel besser bewegen könne als früher. Er sagt, er fühle seinen Fuß wieder und einige Finger.

Koch beendete seine Schauspielschule und hat ein Engagement am Staatstheater Darmstadt. Dort spielte er in verschiedenen Stücken schon Hauptrollen. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht an sich und seinem Körper arbeitet. Er ist seit zwei Jahren mit der Schauspielkollegin Sarah Elena Timpe verheiratet und bezeichnet sich noch immer als „verliebt“.

Geschichte des Films beruht auf wahrer Begebenheit

Überhaupt wirkt Koch gut gelaunt in diesen Tagen und hat nicht viel gemein mit dem grummeligen Sven aus dem Kinofilm, der fast Freude daran hat, seinen Pfleger Christoph zu quälen. „Ich fand aber interessant“, sagt Koch, „dass er eben nicht nur ein Opfer seiner Situation ist, sondern fast schon zu einem Täter wird.“

Koch meint die Gewalt, die er auf seine Mitmenschen ausübe, obwohl diese eher eine psychische, eine manipulative sei. „Ich fand es interessant zu sehen, wie weit man als Mensch geht, wenn man im Grunde nichts mehr zu verlieren hat.“

Die Geschichte des Films beruht auf einer wahren Begebenheit, von einer sehr engen Beziehung zwischen einem Pfleger und einem Kranken. Der Film hat auch viel damit zu tun, was man vom Leben erwartet und wann man sich aufgibt. Und doch fallen ihm jetzt, wenn er von den Dreharbeiten erzählen soll, fast nur lustige Szenen ein.

Geholfen haben ihm die vielen Besuche in Hospizen

Und so passt es, dass Koch am Ende lächelnd von seinen Freunden im Hospiz erzählt. Die Erlebnisse dort haben ihn sehr geprägt. „Das ist einer der lebensfreudigsten und besten Orte, die man sich vorstellen kann.“ Er meine das wörtlich, er sei gern an diesen Orten. „Es ist eben nicht alles happy-pappy“, sagt er, „das Leben kann ziemlich brutal sein, aber gerade deshalb ist eine Begegnung manchmal so schön.“

Er habe sich im Hospiz mit Menschen angefreundet, einige von ihnen sind jetzt tot. Aber das gehört an solchen Orten dazu. „Aber gerade da, wo gestorben wird“, sagt er, „versucht man eben, so intensiv zu leben wie sonst nirgends.“