Karasek

Roman Polanskis lebenslanger Albtraum

Es wirkt wie eine endlose, nie endende Höllengeschichte, die sich gerade in Krakau für den 81-jährigen Roman Polanski zu wiederholen droht. Der große polnisch-jüdische Filmemacher stellt sich in seiner polnischen Heimat dem Auslieferungsverfahren, das die US-Justiz gegen ihn aufrechterhält, und vor dem er sich in seiner Wahlheimat und gleichzeitig seinem Zwangsexil, Frankreich, sicher fühlen darf.

1977 hatte Polanski die damals 13-jährige Samantha Gailey zu einem Fotoshooting besucht, er soll sie durch Champagner und Schlafdrogen wehrlos gemacht und dann sexuell missbraucht haben. Fast 40 Jahre ist das her, und Polanski hatte sich der drohenden Gefängnisstrafe durch die Flucht entzogen. Das Opfer, heute über 50 Jahre alt, hat seit Langem auf eine Strafverfolgung verzichtet. Gras schien über die Angelegenheit gewachsen zu sein, als der große Filmemacher, zum Festival-Direktor des Schweizer Filmfestes gewählt, bei seiner Einreise in Zürich 2009 verhaftet, zwei Monate ins Gefängnis gebracht wurde und acht Monate unter Hausarrest in seinem Schweizer Chalet verbrachte, bevor die eidgenössische Regierung seine Auslieferung in die USA verweigerte. Jetzt also droht ihm wieder die Auslieferung. Und das von seiner polnischen Heimat, wo er gerade die Dreharbeiten zu seinem Dreyfus-Film vorbereitet.

Ich erinnere mich, wie ich 1974 stundenlang in einer New Yorker Kinoschlange stand, um seinen inzwischen längst legendären Film „Chinatown“ zu sehen, sicher eines der größten Filmereignisse meines Lebens, und auch die Geschichte einer Kinderschändung.

Ich erinnere mich auch an den schrecklichen Mord an seiner hochschwangeren Frau Sharon Tate 1969 in Hollywood durch die Manson-Familie – ein Albtraum, dem der Regisseur von „Rosemary's Baby“ 1968 ein satanisches Echo vorausgeschickt hatte.

Polanski, einer der ganz Großen des Kinos, hat mit dem „Pianisten“ (2002) einen Film geschaffen, der seine schreckliche Kindheit im Nazi-besetzten Polen reflektierte – neben „Schindlers Liste“ das wichtigste Filmwerk über diese Zeit.

Nun also stellt er sich seiner Vergangenheit noch einmal vor der polnischen Justiz – ausgerechnet vor einem Film über die Dreyfus-Affäre, dem größten antisemitischen Skandal der Französischen Republik im Jahre 1894.