10.000 Schritte sollst du tun

Im US-Wahlkampf vergleichen Abgeordnete mit Pedometern, wie weit sie gegangen sind

Wer am Tag 10.000 Schritte macht, hat sich ein Lob der Krankenkasse verdient. Aktiv Beitrag zahlen und fit bleiben bis zum Umfallen – die ideale Kassen-Kombi. Nur wer zählt die eigenen Schritte? Zum Beispiel der Republikaner Fred Upton. Im US-Wahlkampf will er seinem Kontrahenten, dem Demokraten Denis McDonough, immer einen Gang voraus sein. Kurz vor den Kongresswahlen am 4. November haben sich beide ein Pedometer ans Handgelenk gesteckt, einen Schrittzähler.

Seitdem weiß der Abgeordnete: Vom Arbeitsplatz zum Kapitol sind es 1000 Schritte. Nicht genug, um vorn zu bleiben. Deshalb dreht Upton selbst bei Mitarbeitermeetings im Büro seine Runden. Und staunt: 2000 Schritte kommen in 20 Minuten zusammen.

Der Chef des Ausschusses für Energie (!) und Handel hat Mitparlamentarier angesteckt. Wenn sie sich begegnen, vergleichen sie ihre Zählerstände. Das ist ergiebiger als ein Disput über politische Differenzen, bei dem man sich auch ohne Bewegung im Kreis drehen kann. Vorteil beim Schrittzahl-Vergleich: Das Ergebnis ist unbestechlich.

Elektronische Schrittzähler, hierzulande ab fünf Euro im Handel, bewirken vor allem eins: Ihre bloße Anwesenheit animiert zum „Beweg dich“. Wer outet sich schon gern mit dürftigen 3000 Schritten am Tag als fauler Büromensch? Reizvoller ist es, Uptons Tagesrekord von 18.000 Schritten zu knacken. Ohne Einkaufsbummel zwischendurch und Extra-Jogging ist das kaum möglich. Selbst Uptons Sprecherin ist Schrittzählerin. Aber erst, „als ich mitbekam, wie wichtig das Gerät für meinen Chef ist“, sagte sie der Agentur dpa.

Auf alle wartet im Internet die Schrittzähler-Gemeinde. Soziale Netzwerker reichern ihre Schrittbilanz mit individuellen Daten zu Gewicht, Kalorienaufnahme und Schlafrhythmus an.

Natürlich ohne Garantie. So wie der Gerätehersteller, der in der Betriebsanleitung vorsichtshalber klarstellt: „Die Firma ist nicht verantwortlich für Krankheiten oder Verletzungen, die bei der Benutzung des Schrittzählers auftreten.“