Wer viel misst, misst Mist

Laut Glücksatlas der Post leben in Schleswig-Holstein die zufriedensten Deutschen, in Brandenburg die unglücklichsten

Glück ist ein schwer zu fassendes Phänomen, ein verwirrendes Zusammenspiel aus Hormonen, Neurotransmittern, sozialen Interaktionen und persönlichen Einstellungen. Immerhin hat das Streben danach in den USA Verfassungsrang. Thomas Jefferson hat dafür gesorgt, dass das „Pursuit of Happiness“ in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten verankert wurde. Nähere Erklärungen gab er keine. Da hielt er es wohl mit seinem Zeitgenossen Napoleon, der befand, dass eine Verfassung kurz und unklar sein sollte.

Und so sind bis heute die Menschen uneins, worin denn nun ihr persönliches Glück bestehen könnte – und vor allem, wie man es erlangen kann. Manche halten es mit Diogenes, der mit den Elementarbedürfnissen Essen, Trinken, Kleidung, Behausung und Geschlechtsverkehr zufrieden war. Immerhin mehr, als mancher hat. Andere brauchen unbedingt Haus, Auto, Boot, Pferd und mindestens eine Freundin.

Die Deutsche Post versucht trotz dieser komplizierten Ausgangslage im Verbund mit renommierten Soziologen das Glück zu messen und präsentiert die Ergebnisse in einem Atlas. Es geht wohlgemerkt nicht um das Glück pünktlicher und korrekter Zustellung, sondern so ganz allgemein um den emotionalen Haushalt der Deutschen. Das Ergebnis besagt, dass die Menschen in Norddeutschland am glücklichsten, die Ostdeutschen am unzufriedensten sind. Besonders happy sind die Schleswig-Holsteiner mit einem Glücksindex von 7,30, gefolgt von den Hamburgern mit 7,18. Den letzten Platz belegt Brandenburg mit 6,60. Und das 25 Jahre nach dem Mauerfall!

Kollektiv aber ist Glück allenfalls im Moment eines Fußball-WM-Finales. Ansonsten ist es eine ausgesprochen individuelle Angelegenheit, die sich nur schwer in sozioökonomische Statistikschablonen pressen lässt.

Eine Ingenieursweisheit besagt: „Wer viel misst, misst Mist.“ Da wird ein Ergebnis schnell zur Glückssache.