An der Käsetheke SPD wählen

Die Sozialdemokraten wollen bei künftigen Wahlen auch Urnen in Supermärkten und Postämtern aufstellen

Eigentlich hatte man geglaubt, das Sommerloch sei schon längst mit intelligenzfreiem Bauschaum verfüllt, da kommt die SPD in letzter Minute noch mit einem Kracher um die Ecke. Wählen, finden die Sozis, könnte man doch auch in Supermärkten oder Postämtern. Eine „election to go“ sozusagen, vielleicht könnte man das Display der Kassen noch dahingehend verändern, dass sie am Ausgang das Ergebnis der jüngsten Prognose anzeigen. Was würden sich an den Käsetheken und Postschaltern der Republik für Szenen abspielen: „Hätten Sie Ihre Wahlunterlagen lieber im Stück oder in Scheiben? Darf’s auch etwas mehr sein?“ „Als Einschreiben, bitte!“

Laut Agenturmeldung fragen sich die Sozialdemokraten, ob es nicht einfacher wäre, wenn jeder Wähler seine Stimme da abgeben könne, wo er sich gerade aufhalte. Damit meinen sie: wo es ihm gerade gefällt. Geografische Beliebigkeit als Mittel gegen Wählerverdrossenheit. Aufwachen, SPD! Ausgangspunkt der Überlegungen sei die schockierend niedrige Wahlbeteiligung in Sachsen gewesen. Vielleicht hatten die Nichtwähler ja ihre Gründe, um von der Parteipolitik enttäuscht zu sein.

In Schweden habe man das Modell doch auch schon erfolgreich praktiziert, heißt es entschuldigend. Ja, in Schweden. Da haben sie aber auch noch einen König und essen Surströmming, eine faulig stinkende Fischspezialität. Eine SPD-Arbeitsgruppe soll jetzt Vorschläge zum Thema „Die Urne kommt zum Wähler“ machen. Das klingt wie ein Joint Venture mit Bestattungsunternehmen und als würde die Partei den Unwilligen mit Freund Hein drohen.

Macht das alles wirklich Sinn? „Wir wollen keine Wählerbeschimpfung, sondern wir wollen Hürden abbauen“, erklärte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Ach so. Aber dann empfiehlt sich für die Parteispitze vielleicht doch eher ein Praktikum im Olympiastadion oder in der Leichtathletik-Abteilung eines Vereins ihrer Wahl.