Aliens brauchen keine Millionen

Steuervermeider waren gestern. In der Schweiz werden jetzt außerirdische Besucher umworben

Die Schweiz übt eine große Anziehungskraft aus. Insbesondere auf Menschen, die nicht wissen, wohin mit all ihren Millionen. Für manchen Bayern zum Beispiel gibt es kaum einen kürzeren Weg zum Geldautomaten von Schweizer Gardemaß. Mit Lichtgeschwindigkeit sind wir also bei den von Eidgenossen umworbenen Außerirdischen. Denn Theo Schnider hat für Aliens eine intergalaktische Allerweltsidee. Der Direktor des Unesco-Biosphärenreservats Entlebuch im Kanton Luzern lud eine touristische Zielgruppe unbekannter Größe ein. Er ließ von Astronomen eine Botschaft für alle Lebewesen im All ausstrahlen, um für die Schönheit des Tals zu werben. In der Werbesendung pressen Bläser ihre Lippen an Alphörner, veredeln Jodler die Darbietung mit Rachengold. Tourismusexperten von Trans Universum International (TUI) sehen darin keine Abschreckung potenzieller Urlauber aus dem All.

In dem Werbespot ist vor den Alphörnern ein analoges Tonbandgerät zu sehen, das die sphärischen Klänge der Milchstraßenmusikanten aufnimmt. Der Absender geht davon aus, dass es digitale Technik nicht überall im All zu kaufen gibt, sondern nur bei Saturn. Doch ist anzunehmen, dass Lebewesen, die etwa im Andromedanebel zu Hause sind und deshalb eine schlechte Sicht auf die Erde haben, die Einladung nach Entlebuch auf „Galaxy“-Smartphones empfangen.

Ob jemand in 50 oder 500 oder erst in 500.000 Jahren vorbeischaut, ist den Schweizern egal. Außerirdische, die sich auf die Socken machen, um die Moorlandschaft zu bewundern, sollen aber wissen, dass der Ort dann immer noch so aussieht wie heute. Der Gemeindepräsident will jeden Gast mit „Grüezi, dich schickt der Himmel“ begrüßen. Die Hotels in Entlebuch bereiten sich auf eine Ufo-Invasion vor. Lichtgestalten, die extrem schnell unterwegs sind, müssen damit rechnen, dass die Zimmer nicht vor 14 Uhr verfügbar sind. Die Fernreise ins Naherholungsgebiet ist natürlich: all-inclusive.