Japan sucht die Supersoldaten

Ein Traumpaar muss her: Internet-Wettbewerb um „Mr. und Mrs. JMSDF“ soll das Image der Marine aufpolieren

Das japanische Militär und Bielefeld haben ähnlich gravierende Probleme. Die Existenz von Bielefeld ist recht gut belegt, dennoch hat die „Bielefeldverschwörung“ noch immer zahlreiche Anhänger, die fest davon überzeugt sind, dass es die Stadt gar nicht gibt.

Die Existenz von Japans Armee hingegen ist unstrittig, dennoch dürfte es sie gar nicht geben, weil Artikel 9 der japanischen Verfassung den Unterhalt von Streitkräften verbietet. Das Imageproblem der „Japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte“ (JSDF) geht schon im Namen weiter, denn es wäre ja wünschenswert, dass die Armee sich nicht nur selbst verteidigt, sondern möglichst ganz Japan. Im Land der aufgehenden Sonne, das derzeit stärker strahlt als ihm lieb ist, erwärmen sich jüngst wieder mehr Menschen für das eigene Militär; das liegt daran, dass das militärisch muskulöse China sich anschickt, die ganze pazifische Region unter seine Fittiche zu nehmen.

Die japanische Marine, unter dem Kürzel JMSDF firmierend, was wie eine Nervenkrankheit klingt, nutzt nun sauschlau den Rückenwind zur Eigenwerbung. Sie hat einen Wettbewerb um „Mr. & Mrs. JMSDF“ ins Leben gerufen. Sechs Kandidaten sind im Finale und ringen um die Gunst der Japaner; sie sind Pilotin oder Kommandosoldat und optisch ansprechend. Mehr als 100.000 Stimmen sind bereits im Internet abgegeben worden; über 10.000-mal ist eine Marine-App mit schicken Videoprofilen der Kandidaten heruntergeladen worden. Es führen derzeit ein U-Boot-Rettungstaucher und eine Steuerfrau. Die Sieger werden später auf der Marine-Website und in den sozialen Medien vorgestellt. Japans Marine, die es gar nicht geben dürfte, soll durch den Contest populärer werden – eigentlich auch eine gute Idee für Bielefeld.

Und vielleicht wird man auch endlich mit dem bösen Vorurteil aufräumen, dass die Marine am liebsten Nichtschwimmer nimmt. Weil die viel leidenschaftlicher ihr Schiff verteidigen.