Musik

Lasst Blumen hören!

Das Royal Philharmonic Orchestra musiziert vor 100 Topfpflanzen - aus Wachstumsgründen.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, und er wird Ihnen bestätigen: Mozart ist die beste Medizin. Ob die therapeutische Wirkung seiner Musik auch das Wachstum etwa der nach ihm benannten Strauchrose "Mozart" begünstigt, von Stauden, Geranien oder der Engelstrompete? Die Werbeabteilung des britischen Einkaufsportals QVC tat so, als wollte sie das wirklich wissen. In der Cadogan Hall in London veranstaltete sie jüngst ein dreistündiges Konzert mit dem Royal Philharmonic Orchestra vor 100 Pflanzen. Am Ende der Veranstaltung, die auszugsweise in einem Filmchen auf der Website des Händlers dokumentiert ist, huscht ein Firmenvertreter im weißen Kittel aus dem bunt blühenden Grün, zeigt auf eine Pflanze und ruft: "Die hier ist ein klitzekleines bisschen gewachsen!"

Klar: Was hier wachsen soll, ist vor allem der Umsatz der Gartensparte von QVC. Seit 1973, als das grenzwissenschaftliche Buch "Das geheime Leben der Pflanzen" erschien, ist die Forschung hinsichtlich der seelisch-metaphysischen Eigenschaften der Flora nicht wirklich weitergekommen. Pflanzen haben weder Nervensystem noch Hirn, aber jeder mit grünem Daumen weiß, dass regelmäßiger Gebrauch der Gießkanne allein noch keinen prächtigen (Zimmer-)Garten macht. Ob Mozart, Musik von Stevie Wonders CD "The Secret Life of Plants" oder gutes Zureden: Das Grün saugt Klänge auf wie Regen und warmen Sonnenschein.

Nie habe man vor einem besser riechenden Auditorium musiziert, teilte der Dirigent Benjamin Pope maliziös mit. Es bedarf keiner blühenden Fantasie, sich auszumalen, was die Musiker mit ihrer Aktion dem Alltagspublikum durch die Blume noch mitteilen wollten. Etwa, dass Geranien nur hinter vorgehaltenem Blatt husten, Gerbera sich lautlos schnäuzen und der Eukalyptus als Auswickler von Hustenbonbons mitten im Adagio schon mal ganz ausscheidet. Aber ätsch, Musiker! Applaus habt ihr auch keinen gekriegt.