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Gebet to go

Foto: kein credit / (Grafik) Twitter

Die evangelische Kirche setzt 140 Zeichen: Auf Twitter gibt's jetzt täglich eine Mittagsandacht.

Gepredigt wird es schon seit Jahrtausenden: Man soll Berge versetzen, aber die Kirche bitte im Dorf lassen. Warum auch nicht? Schließlich hat jetzt zumindest schon mal die Evangelische Landeskirche in Baden das "Gebet to go" ins vereinseigene Portfolio aufgenommen. Halleluja!

Täglich gegen 12 Uhr erhalten interessierte Jünger das "Twittagsgebet". Initiator Oliver Weidermann erklärt, man verbreite die frohe Botschaft über den Mikroblogging-Dienst Twitter, weil dieser einen "hoch konzentrierten Austausch" ermögliche. Das ist insofern richtig, als dass das erste Gebot lautet: Du darfst nicht mehr als 140 Zeichen absondern.

Nun fällt Verzicht schwer, und die Kirche wäre nicht die Kirche, fasste sie nicht Verbote mitunter nur als Empfehlungen auf. Kurz-Nachricht: Schon am ersten Tag setzte die Kirche zu viele Zeichen und sprengte die Beschränkung mit einem Doppel-Tweet. Gut, es gibt schlimmere Sünden.

Vorbild für die Verschickung der Mini-Andachten, die sich hoffentlich nicht versenden, soll übrigens Moses (nein, es geht keine Nummer kleiner) sein - er habe schließlich auch "Kundschafter voraus in das verheißene Land" geschickt. Und via Twitter verbreitet sich die schöne Kunde jetzt sogar in der ganzen (digitalen) Welt.

Übrigens ist natürlich nicht nur die evangelische Kirche on Line und auf Zack. Oder ist Papst Benedikt etwa noch nicht Ihr Facebook-Freund? Himmlisch ist auch Pope2you.net, die Internetseite des Vatikans für junge Gläubige. Da spricht der Papst zum Beispiel über die Fastenzeit. Aber nicht etwa in einer entschlackten Version, sondern fett angereichert mit Fotos, Videos und Grußkarten für Freunde.

Aber zurück zum "Twittagsgebet", das der Macher und die 20 Autoren als "Nachtisch für die Seele" verstanden wissen wollen. Gute Idee. Denn angesichts der angespannten Weltlage und der Meldungen aus Japan brauchen wir eigentlich sogar ein "All you can need"-Menü an Trost. Und das ist, anders als sonst an dieser Stelle, kein Witz.