Karasek

Kohl hin, Birne her

Auch wenn es viele historische Beispiele gibt - über Namen sollten keine bösen Witze gemacht werden. Obwohl ...

Nein, Namenswitze macht man nicht, das ist gemein, kindisch, auch wenn jemand Dr. Dumm heißt oder wie der damalige Herausgeber des "Tagesspiegels" Walther Karsch und ihm böse APO-Buben auf dessen Namensschild in Berlin die Initialen zuklebten. Nein, das macht man nicht. Obwohl!! Es gibt historische Fälle. Nach dem Krieg, 1945, als die Deutschen aus dem Führerkult in die Reedukation fielen und einer zum Standesamt kam und sagte, er wolle sich umnennen lassen. Wie er denn heiße: Adolf Schweißfuß! Das könne er verstehen, sagte der Beamte, wie er denn seinen Namen ändern lassen wolle. In Paul Schweißfuß. Jüngere Leser, die nicht mehr wissen, dass Adolf Adolf hieß, werden das nicht verstehen.

Oder die Geschichte vom alten Bush. George Bush, ohne Doubleyou, eben senior. Dessen Konkurrent in den Vorwahlen hieß Gary Hart, und der stolperte über eine üppige, blonde, kurvenreiche Geliebte. Weg war er. Und als Bush zur Wahl stand, sagte besagte "Aufgeflogene", von Reportern befragt, wen sie wählen würde: "Well, my heart belongs to Bush, but my bush still belongs to Hart." Im Zeitalter des Metrosex und der sich daraus ergebenden Ganzkörperenthaarung auch schwer zu vermitteln.

Manche Namen kann man nur durch gigantische historische Leistungen kompensieren. Beispielsweise Kohl, das Lieblingsgemüse der Deutschen, weswegen sie in bösen Zeiten von den Angelsachsen "Krauts" genannt wurden. Nichts mehr haftet davon nach der Wiedervereinigung an Helmut dem Großen, Kohl hin, Birne her.

Im Niedergang oder Sturzflug der FDP dichtete Bayerns Ministerpräsident Seehofer über den lärmenden Westerwelle: Er habe als Tsunami gedroht und gelärmt, rausgekommen sei aber nur eine kleine Westerwelle. Nun kündigte am Sonnabend die "FAZ" an: "Wo steckt Brüderle?" - und fragt: "Was macht eigentlich die FDP?"

Und während ein Schäuble seinen Diminutiv durch übermenschliche Finanzanstrengungen leicht wegsteckt wie seine Krankheit, dachte ich auf einmal: Nein, Brüderle darf ein Wirtschaftsminister in Krisenzeiten nicht ungestraft heißen. Wenn er sich seinen Namenswitz durch Nichtstun und Wegducken hart erarbeitet. Kein großer Bruder mehr, eben nur ein schwächelndes Brüderle. "Wo steht Brüderle?" Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Abgetaucht in die Westerwelle, die alles, nur kein Tsunami war.