RATGEBER: "PLAYBOY"-AUTOR GIBT TIPPS

So werden Sie der perfekte Verführer

Hundert Frauen in drei Tagen ansprechen, dominant sein, das Bier nicht vor der Brust halten - "Playboy"-Reporter und Buchautor Oliver Kuhn weiß anscheinend, wie Frauen erobert werden wollen. In "Der perfekte Verführer" gibt er seinen Artgenossen wertvolle Tipps. Abendblatt-Mitarbeiter Marcus Scholz hat das Buch gelesen und auf seine Anwendbarkeit überprüft.

Romantik? Wer braucht das schon! Sagt zumindest Oliver Kuhn in seinem Flirtratgeber "Der perfekte Verführer". Kuhn ist allerdings auch "Playboy"-Reporter, also praktisch ständig umgeben von schönen, makellosen Frauen. Und trotzdem versucht er, mir Otto Normalo das Liebesleben zu versüßen, indem er Anweisungen und Tipps gibt, wie Mann jede Frau betören kann.

Na gut, sollte es helfen, warum dann nicht das Buch lesen? Immer wieder werde ich in seinen Studien mit Menschen konfrontiert, die kein wirklich aufregendes Leben führen. Der Buchhaltertyp, der Internetfreak, den es nahezu nie aus seinem dunklen Keller vor dem Computer herlockt. Und der eigentlich immer unattraktive Typ. Und bei allen klappt es nach den entsprechenden Seminaren. Zum Beispiel mit diesem 253 Seiten umfassenden Werk, das mich geradewegs auf eine Stufe mit den größten Verführern der Welt heben soll. "Dieses Buch wird Ihr Leben verändern", heißt es in der Einleitung. In vielen Gesprächsszenarien und verschiedensten Situationen zwischen Mann und Frau versucht Kuhn herauszukitzeln, was der richtige Weg sein könnte, eine Frau zu verführen.

"Nicht chauvinistisch" wird versprochen. Aber gleichzeitig heißt es, ich bräuchte keine Frau, um glücklich zu sein. Vielmehr brauche die Frau aber gerade mich, um endlich glücklich zu sein. Klingt zwar irgendwie ganz gut. Aber zumindest Sandra, meine Ex-Freundin, scheint diese Weltanschauung nicht zu teilen. Im Gegenteil: "Alle wissen doch, dass der Mann die Frau für all die Dinge braucht, die er nicht kann." Meint sie jetzt etwa Kinder kriegen? Denke ich mir und merke, dass ich Kuhns Ratschlag, stets die dominante Haltung im Gespräch mit einer Frau einzunehmen, missachte. Ich schweige eine Sekunde zu lang. Und folglich werde ich, und das hat Kuhn richtig vorausgesagt, verbal von meiner Ex abgeschossen: "Schließlich kann sie Geld verdienen", sagt sie, "und Auto fahren und tanken können wir Frauen auch. Aber welcher Mann kommt mit der Waschmaschine klar?" Ich nicht. Das gebe ich zu.

Plötzlich hat sich meine Meinung verändert. Sandra, die schon früher immer alles zu wissen glaubte, hat meinen Kampfgeist geweckt. Plötzlich finde ich Kuhns Strategien, die ich vorher als chauvinistisch und emotional martialisch empfand, gar nicht mehr so falsch. Besteht zwischen Frau und Mann tatsächlich ein Kampf, wenn es ums Balzen geht? Und verleiht mir das Buch am Ende vielleicht nur die Mittel, dem ewigen Kampf nicht hoffnungslos unterlegen zu begegnen?

"Wie Sie garantiert jede Frau erobern", lautet Kuhns Untertitel. Na dann, mal sehen, ob das stimmt. Hundert Frauen ansprechen in drei Tagen, verschiedene Flirt-Strukturen lernen und verinnerlichen, den 24-Punkte-Plan bis zum Herzen einer Frau auswendig lernen und anwenden - auf mich kommt eine Menge zu in den nächsten Wochen. Zu Beginn lerne ich, was ich anzuziehen habe und was für tolle Flirtgurus es auf der Welt gibt.

Fast scheint es so, als wäre der Sinn des Lebens die Suche nach dem perfekten Flirt. Oder wer sonst lernt Tanzen, Karate, macht Yoga, nimmt Schauspielunterricht, besucht indische Gurus und Hunderte von Seminaren, um der Frau beim ersten Kontakt "perfekt" zu begegnen, ihr zu imponieren? Ich jedenfalls nicht. Ich habe früher sogar meinen Tanzunterricht entgegen eindringlichster Warnungen meiner Eltern ausfallen lassen, stattdessen lieber Tennis mit Freunden gespielt. Trotzdem gebe ich mir Mühe, nicht voreingenommen zu sein. Vielleicht profitiere ich ja vom Wissen meines literarischen "Gurus" und werde so zum Frauenschwarm schlechthin.

Ich soll dominant sein, bestimmen, wohin das Gespräch geht. Okay! Das kriege ich bestimmt hin. Der Frau durch Necken, Komplimente oder auch beides begegnen, durch geteilte Geheimnisse eine Vertrauensbasis herstellen und so emotionale Nähe erzeugen. Auch das scheint nicht unmöglich. Aber maximal sieben Stunden vom ersten Kontakt bis zum Beischlaf? Auch, wenn das für mich in dem Zusammenhang etwas arg mechanisch klingt. Beim Verhaltensschema auf Seite 104 angekommen, merke ich dann: Es ist gewollt! Alles ist mechanisch. Mann und Frau funktionieren so. Es gibt offenbar Verhaltensmuster, die es einzuhalten gilt. Zumindest, wenn man "Erfolg" bei Frauen haben will. Zum Beispiel soll ich nicht mehr die Bierflasche vor der Brust halten, das wäre was für Loser. Okay! Mach ich nicht mehr. Ist mir allerdings auch nie wichtig gewesen. Ich wollte mein Bier bislang immer trinken. Das Halten war mir schnuppe. In einigen Mustern finde ich mich aber tatsächlich wieder. Und das, obwohl ich sicherlich nicht zu denjenigen gehöre, die permanent fremde Frauen ansprechen. Sei's drum, jetzt wird es interessant. Kuhn zeigt rhetorische Feinheiten auf, die nahezu jeder Mensch in irgendeiner Form erlebt hat. Der Unterschied ist: Der Autor studiert die Aktionen und Reaktionen und bastelt sich den "perfekten Flirtwegweiser" zurecht. Und obwohl mir nicht alles einleuchtet, werden in diesem Buch dann doch etliche interessante Beobachtungen geschildert.

Dass es für Kuhn am Ende dann doch nur darum geht, die Frau ins Bett zu bekommen - er sagt, ich würde meinen Abend nur dann perfekt planen, wenn ich ein Date auf den frühen und eins auf den späten Abend legte, schließlich seien so locker 200 sexuelle Kontakte im Jahr drin - nehme ich ihm nicht übel. Vielleicht darf er als "Playboy"-Reporter ja nicht romantisch sein.

Und mal ehrlich, da spreche ich sicher nicht nur für mich, sondern für etliche Männer: Wer wäre nicht gern mal Reporter für den "Playboy"? Immer nur fehlerfreie, bildhübsche, perfekt gebaute Frauen um sich herum. Dafür würde ich Romantik auch mal einfach Romantik sein lassen! Zumindest für kurze Zeit.

Zum Weiterlesen: Oliver Kuhn: "Der perfekte Verführer", Knaur-Verlag, München. 255 S., 7,95 Euro.

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