Mode

Michael Michalsky: „Ich lebe Gleichberechtigung jeden Tag“

Lesedauer: 3 Minuten
Der Berliner Modedesigner
Michael Michalsky
zeigte in der Noho
Gallery seine Kollektion
für den Mode-Onlinehandel
About You. Das Besondere:
Sweatshirts und
Hosen sind Gender Fluid,
das heißt, dass sie für
Frauen wie für Männer
gleichermaßen tragbar
sind

Der Berliner Modedesigner Michael Michalsky zeigte in der Noho Gallery seine Kollektion für den Mode-Onlinehandel About You. Das Besondere: Sweatshirts und Hosen sind Gender Fluid, das heißt, dass sie für Frauen wie für Männer gleichermaßen tragbar sind

Foto: Andreas Laible / HA

Der Designer hat eine Kollektion für beide Geschlechter entworfen.

St. Pauli.  Man kennt Michael Michalsky (51) aus der ProSieben-Show „Germany’s Next Topmodel“. Der Berliner tritt dort als Juror auf und ist oft beleidigt, wenn eines seiner Models gehen muss. Michalsky ist aber sehr viel mehr als Nebendarsteller von Heidi Klum: Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Modedesigner. In dieser Funktion besuchte er am Mittwoch seine Heimat im Norden und präsentierte seinen jüngsten Wurf in der Noho Gallery am Nobistor: eine Kollektion für den Hamburger Mode-Onlinehandel About You. Für junge Leute, deren Lebensfreude sich aus Aktivitäten am Wochenende speist. Deshalb heißt sie abgekürzt TGIF (Thank God It’s Friday).

Hosen, Röcke und Pullover aus lässigem Baumwollstoff, T-Shirts, die man vorne knotet – alles zwischen 19,90 und 59,90 Euro. Mit dieser sportlichen Mode kehrt Michalsky zu seinen Wurzeln zurück. Seine Karriere begann der in Bad Oldesloe geborene und aufgewachsene Kreative beim Jeans-Hersteller Levi’s und bei Adidas. Doch nicht die Preise sind das Besondere, sondern das Gender Fluid (das neue Wort für Unisex): TGIF ist Mode für sie und ihn. Die Kampagnen-Models sehen weder besonders weiblich noch männlich aus in den Klamotten.

Michalsky wurde von einer emanzipierten Mutter erzogen

„Geschlechterspezifische Mode hat sich einfach überholt“, sagt Michalsky, der schon vor Jahren Frauen und Männer zusammen auf den Laufsteg schickte. „Ich glaube, dass es heute für junge Leute viel einfacher ist als noch zu meiner Jugendzeit, nicht in Geschlechterrollen zu denken.“ Er selbst sei von einer emanzipierten Mutter erzogen worden, „die mir beibrachte, Frauen und Männer gleichermaßen zu respektieren“. Dass seine Kollektion ausgerechnet am Internationalem Weltfrauentag in den Handel kommt, ist Zufall. „Für mich hat dieser Tag keine große Bedeutung, denn ich lebe Gleichberechtigung jeden Tag.“ In seiner Firma Michael Michalsky GmbH sind 95 Prozent der Mitarbeiter weiblich. „Es war schon immer so, dass ich am besten mit Frauen auskomme und sie anscheinend auch mit mir“, sagt der Designer lächelnd.

Mit einem Buch will der Designer die Welt verbessern

Mode zu entwerfen ist sein Kerngeschäft. Daneben arbeitet er als Kreativdirektor für die Handtaschen-Firma MCM. Zuletzt brachte der 51-Jährige eine Wohn- und Blumen-Kollektion sowie ein Gender-Fluid-Duschgel für Tetesept heraus. Dass diese Neuentwicklung eigentlich eine Rückbesinnung auf eine Zeit ist, in der Joghurts und Zahnbürsten noch nicht als typisch für Mädchen oder Jungs verkauft wurden – geschenkt. Das Produkt passt einfach wunderbar in den aktuellen Genderless-Trend.

Befragt zu seinem persönlichen Frauenbild sagt der Designer: „Für mich kommt Schönheit in ganz unterschiedlichen Facetten daher, unabhängig von Alter, Hautfarbe und Figur. Ich mache mich in meiner Arbeit unabhängig von gängigen Schönheitsidealen.“ So präsentierte er als erster Designer das Hamburger Senior-Model Eveline Hall. Und das zeigt sich auch in der Topmodel-Sendung, die immer wieder für ihr einseitiges Frauenbild (schlank, schön, jung) in der Kritik steht. „Mein Team steht für Diversität. Mir wurde von Zuschauern sogar schon vorgeworfen, dass meine Kandidatinnen gar nicht mehr wie Models aussehen.“

Sein neuester Coup ist ein Buch: „Lass uns über Style reden“ erscheint am 9. April und gibt Tipps, wie man sich und sein Leben schöner machen kann. Michalsky ist überzeugt: „Wenn wir uns alle etwas mehr um Stil kümmern würden, wäre die Welt eine bessere.“