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„Solche Bilder hat diese Stadt nicht verdient“

Bestürzt, traurig und fassungslos hat der G20-Gipfel die Hamburger zurückgelassen. Sie fragen sich, wie man die Sicherheitslage vorher so falsch einschätzen konnte und fordern eine harte Verfolgung der Straftäter

Eva-Christiane Wetterer (62), Osdorf:
„,Hamburg unter Feuer‘ ist meine Quintessenz der letzten Tage. Die Bilder werden sich einbrennen, die Stadt ist traumatisiert. Bürgermeister Scholz hatte offenbar null Peilung, welches immense Risiko er den Hamburgern aufbürdete – obwohl er es hätte wissen können.“


Jürgen Henke (57), Neustadt:
„Es ist schlimm, was ein paar Hundert Chaoten meiner geliebten Wahlheimat angetan haben. Das hat nichts mit Politik und Inhalten zu tun, ist reiner Vandalismus, der hart und unnachgiebig verfolgt werden muss. Hier am Großneumarkt war es ruhig, fast wie immer. Wir lassen uns doch von denen nicht den Schneid abkaufen!“


Verena Pflughändler (26), Reinbek:

„Generell finde ich die Proteste gegen G20 vollkommen angebracht. Die Gewalt jedoch, die dabei von einer bestimmten Gruppe entstand, empfand ich als erschreckend und furchtbar. Hamburg als Gastgeberstadt ist grundsätzlich gut, allerdings wurde das Risiko nicht richtig eingeschätzt.“


Gisela Alberti (67), Ottensen:

„Sie sollen miteinander reden – auf einem Kreuzfahrtschiff. Anstatt unsere schöne Stadt lahmzulegen. Haben sie wirklich die dringendsten Probleme behandelt? Die enormen Gelder für diese Veranstaltung sollten besser direkt für Menschen eingesetzt werden. Und hoher Schaden ist auch vielen kleinen Leuten entstanden, nicht nur durch den idiotischen Vandalismus.“


Christian Schulz (55), Hasloh:

„Aufgrund der heutigen schwierigen Sicherheitslage in der ganzen Welt und die dafür nötigen Vorkehrungen einer Großstadt wie Hamburg, stehen für mich die Ergebnisse in keinem Verhältnis zum Aufwand. Häufig sind es dann leider nur Lippenbekenntnisse, die schon in der Abschlusserklärung wachsweich daherkommen. Sehr traurig ist, dass die Eskalation auf den Straßen ein Bild von Hamburg in die Welt getragen hat, wie es diese wunderschöne Stadt nicht verdient hat.“
Peter Weihermüller (56), Schnelsen:

„Im Vorfeld des Gipfels habe ich mich für meine Heimatstadt gefreut, dass sie sich weltoffen und fröhlich präsentieren könne. Doch wenn Geschäftsinhaber ihre Läden schließen müssen, Bürger Angst um ihr Hab und Gut haben müssen, an Elbchaussee und Max-Brauer-Alle Autos brennen und allerorts Scheiben eingeschlagen werden, frage ich mich, wie man die Sicherheitslage so falsch einschätzen kann.“


Klaus Plaumann (67), Ottensen:
„Ich war anfangs ein Fan des Gipfels – auch wegen der weltweiten Werbung für Hamburg. Schon Freitag hat sich meine Einstellung komplett gedreht. Als besonders schlimm erachte ich es, dass es so viele Personen gibt, die Gewalt billigend in Kauf nehmen und der Polizei die Schuld in die Schuhe schieben.“


Christopher Meyer (22), Bahrenfeld:

„Die Zerstörungswut der Chaoten hat den Begriff ,links‘ in den Schmutz gezogen. Gerade nach den unterschiedlichen Statements aus der Roten Flora müssen die Linken das, wofür sie stehen, neu und zeitgemäßer definieren. Das kann auch die Chance sein, genau festzulegen, wofür und wogegen sie eigentlich sind. Das wäre für meine Generation wichtig.“


Veit Golinski (59), Othmarschen:
„So traurig es ist: Die Gewaltexzesse waren zu erwarten. Während draußen das Chaos tobt, lauschen die Staatschefs in der Elbphilharmonie Beethovens Neunter. Wofür steht das? Die vielen Aktionen friedlicher G20-Kritiker für eine bessere Welt sind in der öffentlichen Darstellung leider zu kurz gekommen.“


Petra Brenner (75), Neustadt:

„Dass der Gipfel stattgefunden hat, ist wichtig und richtig. Nur als Standort sollte man keine Großstadt wählen. Die Polizei kann nicht jeden Stadtteil absichern. Hoffentlich überwiegt der Erfolg des Gipfels den Schaden, der angerichtet wurde.“


Astrid Hoyer (32), Klein Borstel:
„Meine Cousine wohnt im Schanzenviertel. Sie ist 17 Jahre alt. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend hatte sie in ihrer Wohnung Todesangst – und zwar vor Gewalttätern, die garantiert nicht aus dem Stadtteil kamen. Per Handy habe ich versucht, sie zu beruhigen. Vergebens. Solche Erlebnisse sind nicht in wenigen Tagen wegzuwischen. Traurig das Ganze.“


Corine Veithen (47), Neuenfelde:

„Wichtige Entscheidungen müssen im Rahmen der UNO und nicht im Rahmen von G20 gefällt werden. Ich habe am Sonnabend an einer friedlichen Demonstration teilgenommen. Dort gab es so viele kreative, bunte und inhaltlich sinnvolle Aktionen, die nicht gebührend gesehen wurden. Alles wurde überschattet von Krawallen, die in den Medien zu viel Beachtung fanden.“


Sandro Roschinek (41), Altona:

„Hamburgs Senat hat fahrlässig eine einmalige Chance vergeben, sich in der Welt als großartiger Gastgeber darzustellen. Die Fotos und Filme von vagabundierenden Profirandalierern auf der Elbchaussee waren schockierend. Wo um Himmels Willen blieb die Polizei?“


Sophie (17), Uhlenhorst:

„Es ist gut, dass Menschen für ihre Meinung auf die Straße gehen können. Ich selber war bei drei Demonstrationen dabei. Am Fischmarkt habe ich erlebt, wie die Polizei auch uns friedliche Demonstranten auseinandergetrieben hat. Andererseits haben die Vermummten die Beamten bewusst provoziert. Die Verwüstung durch die Autonomen hat mich erschreckt – und auch, dass diese Gewalt die berechtigte Kritik der G20-Gegner in den Hintergrund gerückt hat.“


Anne T. (56), Poppenbüttel:

„Die gewalttätigen Proteste hatten nichts mit G20 zu tun, sondern mit dem Frust der Linken. Ich fürchte, dass sie sich jederzeit wiederholen könnten, weil die Chaoten gesehen haben, wie viel Aufmerksamkeit und Medien-Präsenz sie bekommen.“


Natalie Eichhammer (28), Winterhude:

„Es macht mir Angst, dass Gewalt in diesem Ausmaß in Hamburg Realität geworden ist. Durch die Verwüstungen sind genau die Menschen geschädigt worden, die das am wenigsten verdienen. Dass Hamburg jetzt in schlechtem Licht dasteht, haben Angela Merkel und Olaf Scholz zu verantworten. Sie hätten die Risiken richtig einschätzen müssen.“


Sigrid I. (80), Rotherbaum:

„Die Äußerlichkeiten wie der nächtliche Hubschrauberlärm und der Widerschein des Feuers waren unangenehm. Dass die 20 wichtigsten Staatenlenker in wenigen Tagen ihre Probleme lösen, durfte man nicht erwarten.“


Anja Lindenberg (52), Uhlenhorst:

„Ich finde es gut, dass die Welt hier zu Gast war und habe mich während der letzten drei Tage hier immer sicher gefühlt. Insgesamt ist das Sicherheitskonzept für Hamburg aber gescheitert. Olaf Scholz und Andy Grote müssten für ihre lockere Einschätzung die Verantwortung übernehmen und zurücktreten.“


Christina Schulze (26), Barmbek:

„Ich war verreist und wollte eigentlich am Samstag wieder zurück nach Hamburg. Aber als ich durch die Nachrichten von der aktuellen Lage erfahren habe, bin ich doch noch einen Tag länger weggeblieben. Die Bilder und Videos im Internet haben mich schwer schockiert. Olaf Scholz ist blauäugig an die Sache rangegangen.“
Bettina P. (47), Harburg:

„Ich habe den Sinn des Gipfels vorher nicht wirklich verstanden und mit den Protestierenden sympathisiert. Aber die Gewaltexzesse verurteile ich. Ich würde mich selbst als linksliberal bezeichnen, fand es aber verstörend, wie viele Leute – auch in meinem Umfeld – der Polizei die Schuld geben. Ich fand es fürchterlich, wie viele Menschen die Polizei als Feindbild stilisieren. Das hat mein Weltbild ein bisschen erschüttert.“


Michael Rebien (59), Stellingen:

„Ich hätte nicht gedacht, dass das so endet. Zum Teil sehr gruselig, wie es gelaufen ist. Ich habe meinen Laden an der Osterstraße sicherheitshalber zugemacht. Meine Frau war mit dem Auto unterwegs, und als nichts mehr ging, musste sie es irgendwo abstellen. Solche Veranstaltungen sollten nicht in einer Stadt wie Hamburg stattfinden. Ich hatte schon vorher nicht die beste Meinung von Scholz, aber jetzt erwarte ich, dass er zurücktritt.“


Michael Golgert (72), Ottensen:

„Der Gipfel war wichtig, weil es viel zu besprechen gab. Ob auch der Standort Hamburg richtig war, wage ich zu bezweifeln: Unsere Stadt wurde zweieinhalb Tage lahmgelegt. Ich habe selbst eine gepflegte Demonstrations-Vergangenheit, weiß aber nicht, was Vandalismus und Plünderungen mit berechtigtem Protest zu tun haben.“


Mathias Schnoor (28), St. Pauli:

„Ich habe mir während der Proteste selbst ein Bild von der Lage verschafft. Die Gewalt gegen Polizisten verurteile ich aufs Schärfste. Es war naiv, einen solchen Gipfel in eine Stadt mit so vielen links Eingestellten zu holen. Olaf Scholz wollte sich nur selbst darstellen – eine Art PR-Aktion. Damit hat er sich aber nur geschadet. Den Gipfel mit dem Hafengeburtstag zu vergleichen, war einfach nur dumm.“


Elisabeth Haß (82), Hamm:

„Ich habe mich am Sonnabend in die Stadt getraut, um mich ein wenig umzusehen. Die Lage war aber so angespannt, dass ich schnell wieder heim bin. Dass die Proteste so ausarten, habe ich nicht erwartet. Mit einem Hafengeburtstag kann man das sicher nicht vergleichen. Ich hätte so einen Gipfel außerhalb abgehalten, aber die Politiker meinen ja, das geht nicht. Meiner Meinung nach hätte man die hohen Herren auch auf dem Land unterbringen können.“


Mathias Sick (38), Wandsbek:
„Bei meinem Laden auf der Schanze wurden die Scheiben eingeschlagen. Die Leute haben das Recht zu demonstrieren, aber Vandalismus geht gar nicht. Ich finde es traurig, wenn Leuten die Autos angezündet werden, die dafür jahrelang gespart haben. Man hätte ahnen können, dass so etwas passiert. Dieser Gipfel ist voll nach hinten losgegangen. Ich bin aber nicht wütend auf die Politiker, sondern enttäuscht von den Randalierern.“