Berlin/Köln. Die Uniklinik schließt Menschen aus Berlin und einigen ostdeutschen Landkreisen von der Blutspende aus. Grund ist ein neues Virus.

Menschen, die sich länger als 48 Stunden in Berlin aufgehalten haben, dürfen aktuell an der Uniklinik Köln kein Blut spenden. Eine Meldung des „Tagesspiegel“, die aufhorchen lässt – und die fast ein wenig an die Vorboten der Corona-Pandemie in Deutschland erinnert, als Anfang 2020 vielerorts Menschen ausgeschlossen wurden, die kurz zuvor im Großraum Wuhan in China gewesen waren. Auch dieses Mal ist tatsächlich wieder ein Virus der Grund dafür, dass die Uniklinik sich so genau für die letzten Aufenthaltsorte ihrer Spender interessiert.

Die Uniklinik Köln lehnt derzeit Blutspenden von Menschen aus dem Verbreitungsgebiet des West-Nil-Virus ab.
Die Uniklinik Köln lehnt derzeit Blutspenden von Menschen aus dem Verbreitungsgebiet des West-Nil-Virus ab. © dpa | Rolf Vennenbernd

Konkret geht es um das West-Nil-Virus – als risikoreicher Herkunftsort von Blutspendern gilt in dem Kölner Krankenhaus dabei nicht nur Berlin, sondern auch die ostdeutschen Landkreise Sömmerda, Salzlandkreis, Anhalt-Bitterfeld, Meißen und Wittenberg. Außerdem sind zahlreiche Gebiete aus anderen afrikanischen und europäischen Ländern betroffen, unter anderem einzelne Orte aus Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien oder Österreich. Bahnt sich da etwa schon die nächste Pandemie an?

West-Nil-Virus wird von Mücken auf den Menschen übertragen

Erstmal nicht, denn nach aktuellem Wissensstand ist das West-Nil-Virus längst nicht so ansteckend und übertragbar wie das Coronavirus. Klassischerweise sind vor allem Vögel betroffen, als Überträger gelten Mücken. Wenn eine Mücke das Virus in sich trägt, kann es andere Lebewesen durch Stiche anstecken. Vor allem durch den Klimawandel, also durch konstant höhere Temperaturen, können die Mücken und mit ihnen das Virus derzeit so gut in Mittel- und Osteropa überwintern.

Virologe Dr. Christian Drosten informierte darüber schon im Frühling des vergangenen Jahres im Interview mit dieser Redaktion: „Die Zahl der Stechmücken, die das Virus mit sich tragen, scheint aktuell zu steigen. Sie kommen inzwischen in Berlin und in einem großen Teil von Ostdeutschland vor. In den vergangenen Jahren gab es bereits erste Krankheitsfälle in Berlin.“

West-Nil-Virus: Schwere Krankheitsverläufe sind enorm selten

Schwerere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem West-Nil-Virus kommen sehr selten vor, die meisten Infizierten bemerken überhaupt keine oder nur leichte Symptome. Nur in den allerschlimmsten Fällen kann das Virus zu einer Gehirnentzündung und bleibenden Behinderungen führen, wie Drosten im Interview mit dieser Redaktion erklärte.

Das Virus und das Krankheitsbild sind also schon seit mehreren Jahren bekannt, und die meisten Menschen merken nichts von einer Infektion. Warum nun also die Einschränkungen beim Blutspenden an der Uniklinik Köln – zudem in einer Zeit, in der Blutspenden besonders dringend benötigt werden?

Das Paul-Ehrlich-Institut regelte schon 2020 den Umgang mit Blutspenden und dem West-Nil-Virus

Patienten, die eine Blutspende benötigen, verfügen über ein geschwächtes Immunsystem. Wenn dann das gespendete Blut einen Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus in sich trägt, besteht für den Empfänger das Risiko, schwer zu erkranken. Deshalb schrieb das Paul-Ehrlich-Institut schon im März 2020 vor, dass Menschen, die sich zwischen dem 1. Juni und dem 30. November länger als 48 Stunden in einem Verbreitungsgebiet des West-Nil-Virus aufgehalten haben, für vier Wochen nicht als Blutspender infrage kommen.

Die Uniklinik Köln geht nun offenbar besonders vorsichtig mit dem Virus um: Auf Nachfrage des „Tagesspiegel“ gab das Krankenhaus an, eine EU-Richtlinie von 2004 zu befolgen, die generell empfiehlt, mit Blutspenden von Menschen aus Verbreitungsgebieten des West-Nil-Virus 28 Tage zu warten. Die Klinik machte auch auf Nachfrage keine Angabe darüber, warum sie nicht die aktualisierte Handreichung des Paul-Ehrlich-Instituts befolgt.

Wer in Berlin oder anderen ostdeutschen Gebieten lebt und aktuell auf eine Blutspende angewiesen ist, muss sich aber nicht davor fürchten, dass Spenden aus der eigenen Region das West-Nil-Virus enthalten. Zum einen wurden außerhalb der vom Paul-Ehrlich-Institut definierten Saison in Deutschland noch keine Infektionen festgestellt, zum anderen können Blutspenden jederzeit auf das West-Nil-Virus überprüft werden. Also können auch alle interessierten Menschen in Berlin und Ostdeutschland jederzeit bedenkenlos die dringend benötigten Blutspenden abgeben.