Berlin. In Jahrtausende alten Gräbern in Italien wurden Schweine und andere Tiere gefunden. Forscher rätseln, was hinter dem Ritual steckt.

„Der Hund ist der beste Freund des Menschen“. Diesem Spruch würden vermutlich viele Leute zustimmen. Der Vorschlag, sich deswegen mit seinem vierbeinigen Freund auch begraben zu lassen, würde aber wohl nicht auf so viel Zustimmung treffen. Und dennoch haben Archäologen gerade Gräber aus der Späten Eisenzeit entdeckt, in denen Menschen zusammen mit Haustieren bestattet wurden.

Die Menschen aus dem heutigen Norden Italiens waren bei der Wahl ihrer ewigen Begleiter durchaus kreativ. Neben Hunden haben die Forscher auch Pferde, Kühe, Hühner oder Schweine in den Gräbern entdeckt. Gerade die drei letztgenannten Tierarten wurden auch damals schon gegessen. Laut dem Forscherteam aus Italien und der Schweiz könnte es sich demnach um Speiseopfer für die Toten handeln.

Das erklärt allerdings nicht die Funde von Pferden und Hunden. Deshalb hat sich die Forschungsgruppe alle 161 Gräber in der archäologischen Stätte bei Verona genauer angesehen. Darin entdeckten sie die Überreste von 16 Menschen, die mit Tieren oder Teilen davon beerdigt worden waren. Da die Personen nicht näher verwandt waren, lässt sich eine Familientradition ausschließen. Generell waren die Begrabenen zu unterschiedlich, dass die Archäologen kaum auf ein schlüssiges Muster kommen konnten.

Archäologische Entdeckung: Wurden die Tiere aus religiösen Gründen beigesetzt?

Ein Baby und ein mittelalter Mann wurden jeweils mit einem kompletten Hund beerdigt, während eine Frau mit einem ganzen Pferd und weiteren Pferdeteilen bestattet wurde. Ein jüngerer Mann sogar nur mit Teilen von Tieren. Es gibt also kein richtiges Prinzip, nach dem die Menschen vor 2000 Jahren mit oder ohne tierischen Begleiter in ihre Gräber gelegt wurden.

Laut dem Forscherteam könnten die Menschen zwei Beweggründe gehabt haben. Einerseits religiöse Bräuche: Neben den Speiseopfer-Tieren könnten Hunde und Pferde für den Glauben der Toten geopfert worden sein. Beide Tiere hätten in antiken Kulturen oft eine gewisse spirituelle Symbolik gehabt. Es sei aber auch möglich, dass die jeweiligen Personen im Leben besonders enge Beziehungen mit den Tieren hatten, so die Archäologen. Der Hund war also möglicherweise bereits vor 2000 Jahren der beste Freund des Menschen.

dos/dpa

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