San Francisco/Kansas City. In Kansas City ist es bei der Parade der Chiefs zu einem Schusswaffenvorfall gekommen. 21 Menschen wurden verletzt, eine Frau starb.

Mehrere Menschen in Kansas City, USA, sind am Mittwochnachmittag (Ortszeit) niedergeschossen worden. Am sechsten Jahrestag des Schulmassakers von Parkland, Florida, eröffneten Unbekannte bei strahlend blauem Himmel während der Siegesparade der Kansas City Chiefs nach dem gewonnenen Super Bowl das Feuer auf Schaulustige. Die Polizei hat inzwischen drei Verdächtige in Gewahrsam. Außerdem ist eine Schusswaffe sichergestellt worden.

Einer der unmittelbar nach der Tat abgeführten Tatverdächtigen war ein weißer Mann, Mitte 20, mit Glatze und rotem Overall.

Polizeisprecherin Stacey Graves gab Details zu dem Schusswaffenvorfall bekannt. „Unmittelbar nach dem Ende der Parade wurden an der Westseite der Union Station Schüsse abgegeben“, sagte sie. Die Polizei habe sofort und in großer Zahl reagiert, Graves sprach von 800 Beamten.

Viele Kinder unter den Verletzten

Inzwischen ist klar: 21 Menschen wurden verletzt, einige davon sind in kritischem Zustand. Eine Frau starb. US-Medienberichten zufolge handelt es sich um die lokal bekannte Radio-DJane Lisa Lopez-Galvan. Der Sender habe ihren Tod bestätigt. Unter den Verletzten sind auch viele Kinder. Im Children‘s Mercy Kansas City Hospital seien insgesamt zwölf Patienten von der Parade behandelt worden, teilte das Krankenhaus mit, darunter elf Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren, neun von ihnen mit Schusswunden.

„Wir sammeln immer noch Informationen zu den Opfern zusammen“, sagte die Polizeichefin. Der Polizeieinsatz sei in vollem Gange. „Ich bin wütend über das, was hier heute passiert ist“, sagte Graves weiter. Zu einem möglichen Motiv konnte Graves keine Angaben machen.

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Bürgermeister Quinton Lucas sprach von einer „absoluten Tragödie“ für Kansas City. „Mir bricht das Herz, ich bin unglaublich wütend“, sagte Lucas. Das Weiße Haus habe bereits Unterstützung bei den Ermittlungen angeboten. Lucas dankte allen Einsatzkräften, ausdrücklich jenen, die mit gezogenen Waffen in Richtung der Schüsse geeilt waren.

Polizisten im Einsatz in Kansas City, wo Unbekannte während einer Parade das Feuer auf Schaulustige eröffnet haben.
Polizisten im Einsatz in Kansas City, wo Unbekannte während einer Parade das Feuer auf Schaulustige eröffnet haben. © IMAGO/USA TODAY Network | IMAGO/Kirby Lee

„Hunderttausende hatten sich auf diesen Tag gefreut, auf die Erinnerungen, die sie ein Leben lang begleiten.“ Jetzt müssten sie sich an Waffengewalt erinnern, klagte der Bürgermeister. „Wir müssen einen Weg finden, das zu stoppen“, sagte Lucas in einer späteren Pressekonferenz.

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr in Kansas City.
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr in Kansas City. © Getty Images via AFP | David Eulitt

Schüsse in Kansas City: „Plötzlich brach Panik aus“

Zeugen wollen zwischen 15 und 20 Schüsse gehört haben. Die Fans, die zu Zehntausenden vor Ort waren, hatten zunächst gedacht, bei den Schüssen handele es sich um „Feuerwerk“. Die Evakuierung sei rasch in Gang gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Unter den Evakuierten war demnach auch die Gouverneurin des Bundesstaates Missouri, Laura Kelly.

In Interviews mit lokalen Reportern des „Kansas City Star“ sagten Fans unter Tränen: „Plötzlich brach Panik aus, alle liefen wild umher. Es war fürchterlich.“ Eine Augenzeugin sagte dem Sender KMBC: „Plötzlich haben wir Menschen rennen sehen und Schüsse gehört, da sind wir auch losgerannt. Ich habe mich umgesehen, da lag jemand am Boden.“

Nach Schüssen bei Siegesparade in Kansas City: Verletzte werden behandelt.
Nach Schüssen bei Siegesparade in Kansas City: Verletzte werden behandelt. © IMAGO/USA TODAY Network | IMAGO/Kirby Lee

Tote nach Schusswaffenvorfall: Chiefs geschockt, Demokraten wütend

Clark Hunt, der Eigentümer der Chiefs, zeigte sich am Mittwoch in einer ersten Stellungnahme tief betroffen und wünschte den Opfern eine schnelle Genesung. Patrick Mahomes, Quarterback der Mannschaft, äußerte sich bei X zu dem Vorfall. „Ich bete für Kansas City“, schrieb er in der vormals als Twitter bekannten Plattform.

In Washington sagten Abgeordnete der Demokraten, der Vorfall zeige, dass „die Waffengesetze endlich verschärft werden müssten“.

Manuel Oliver, der Vater des vor sechs Jahren in Parkland erschossenen Joaquin Oliver, war beim Sender CNN live im Studio, als die Meldung über die Schüsse von Kansas City hereinkam. Der Vater, der sich seit dem Schulmassaker für schärfere Waffengesetze in den USA starkmacht, sagte: „Ich bin überhaupt nicht überrascht über das, was hier geschieht.“

Missouri hat sehr lockere Waffengesetze. So ist etwa das offene Tragen von Schusswaffen in dem Bundesstaat erlaubt.

Einsatzfahrzeuge der Polizei in Kansas City.
Einsatzfahrzeuge der Polizei in Kansas City. © IMAGO/USA TODAY Network | IMAGO/Kirby Lee

Videos vom Vorfall verbreiten sich

In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich direkt nach dem Vorfall Videos, auf denen zu sehen ist, wie Menschen schreiend aus dem Bahnhof rannten, während bewaffnete Polizisten in das Gebäude stürmten. In einem anderen Video ist zu sehen, wie Fans einen Flüchtenden niederrissen. Ob es sich dabei um einen der Täter handelt, ist unklar. Wieder andere Videos zeigen einen massiven Polizeieinsatz mit Dutzenden Fahrzeugen und Hunderten Beamten.

Mehr dazu lesen Sie hier: Schüsse bei Super-Bowl-Parade: Video zeigt Moment der Tat

Laut US-Medien waren für die Siegesparade rund eine Million Menschen erwartet worden. Wie die Attentäter trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen so nah an die Parade herankommen konnten, ist unklar. Normalerweise sind die Kontrollen bei derartigen Veranstaltungen sehr engmaschig.