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ESC 2022: Der polnische Beitrag "River" von Krystian Ochman

| Lesedauer: 4 Minuten
Johanna Ewald
Eurovision Song Contest 2022: Alle Infos zum Musik-Event

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Nach dem Sieg der italienischen Band “Måneskin” beim letzten ESC findet der Wettbewerb in diesem Jahr in Turin statt. Mitte Mai ist es soweit. Auch der Kandidat von Deutschland steht schon fest.

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Mit Dämonen, Wasser und opernhaftem Gesang will Polen beim „ESC“ überzeugen. Eine große Aufgabe für The-Voice-Gewinner Krystian Ochman.

Turin. 
  • Beim ESC 2022 geht Krystian Ochman für Polen ins Rennen
  • Nach überschaubaren Erfolgen in den vergangenen Jahren könnte er weit vorne Landen
  • Wer ist der Mann, der Polen beim Eurovision Song Contest vertritt?

Noch ein „The Voice“-Kandidat beim Eurovision Song Contest 2022 (ESC). Krystian Ochman soll am 12. Mai Polen mit seinem Song „River“ für das große Finale qualifizieren. Eine ehrgeizige Aufgabe. Zwar vergleichen viele die Nummer mit dem Gewinnersong aus dem Jahr 2019, „Arcade“ von Duncan Laurence, doch fehlt dem polnischen Beitrag eine entscheidende Zutat: das Gefühl.

Krystian Ochman ist ein wirklich beeindruckender Sänger. Dass er eine klassische Gesangsausbildung genossen hat, kann er nicht leugnen. Dafür verantwortlich war unter anderem sein Großvater, der Opernsänger ist. Jedoch geht bei all den perfekt intonierten Tönen und den geschickt phrasierten Zeilen das Zerbrechliche gänzlich verloren.

Dabei ist es genau das, was eine gute Pop-Ballade ausmacht: Eine mal wegbrechende Stimme und die Emotionen, die dadurch getragen werden, fehlen. Stattdessen sitzt die Stimme sehr weit vorn, immer mit Druck. Sie lässt einem kaum Platz, mal den Worten zuzuhören, die der 22-Jährige singt.

Eurovision Song Contest: Der polnische „ESC“-Beitrag ist zu perfekt

Zugegeben, der Text variiert auch nicht wirklich. „Who‘d wanna be a king, pulling too many strings? All that I‘ve done, oh Lord, I‘m done” hört man immer wieder die deprimierenden Worte, begleitet von pathetischen Streichern und einem Piano.

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In Kombination mit der Inszenierung – dem Sänger im schwarzen Anzug und in weißes Licht getaucht, umgeben von Dunkelheit, plätscherndem Wasser (ja, richtig gelesen!) und schwarz gekleideten Tänzerinnen und Tänzern, die die Dämonen in seinem Kopf darstellen sollen – wirkt das alles zu perfekt abgestimmt. Der erhoffte große Erfolg von Polen scheint damit eher unrealistisch, ein Finaleinzug aber wahrscheinlich.

Geschrieben hat Ochman den Song "River" zusammen mit Ashley Hicklin, Mikolaj Trybulec und Adam Wiśniewski. Hicklin hat bereits einen großen ESC-Erfahrungsschatz: Mit „Me and my Guitar“ von Tom Dice hatte er 2010 in Oslo großen Erfolg (Platz 6 für Belgien), zudem hat er an „Mother“ (Belgien ESC 2014), „Run with the Lions“ (Litauen ESC 2019), „Universo“ (Spanien ESC 2020) sowie „Amen“ (Österreich ESC 2021) mitgewirkt.

Nach dem Sieg bei „The Voice“ zum „ESC“

Erst vor zwei Jahren bewarb Ochman sich bei "The Voice of Poland", kam in das Team des polnischen ESC-Teilnehmers Michał Szpak und gewann das Finale. Seine Debütsingle „Światłocienie“ sammelte innerhalb der ersten Woche nach Veröffentlichung über 300.000 Streams auf Spotify und erreichte damit Goldstatus. Im November 2021 Ochman er sein erstes Album, das auf Platz 5 der polnischen Albumcharts einstieg. Kurze Zeit später siegte er beim ESC-Vorentscheid.


Dabei sollte es den eigentlich gar nicht geben. Ursprünglich wollte der Sender TVP eine interne Wahl treffen und diese am 2. Januar verkünden. Kurzfristig wurde die Veröffentlichung um zwei Wochen verschoben – bis dann stattdessen ein Vorentscheid ins Leben gerufen wurde.

Polen: Eines der weniger erfolgreichen „ESC“-Länder

Blickt man auf die vergangenen Jahre der Teilnahme Polens beim ESC zurück, fällt auf: So besonders erfolgreich war das Land nicht: Insgesamt landeten vier von 22 Beiträgen in der linken Tabellenhälfte unter den Top 13. 2011 wurde Polen Letzter, erreichte aber bei seinem Wettbewerbsdebüt 1994 Platz 2. Mit nur zwei weiteren Platzierungen unter den besten Zehn sowie acht verpassten Finaleinzügen gehört Polen also zu den weniger erfolgreichen Ländern im Wettbewerb.

Dieser Artikel ist zuerst bei morgenpost.de erschienen.

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