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Jan Josef Liefers: Neues Video sorgt für Querdenker-Vorwürfe

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Jan Josef Liefers.

Jan Josef Liefers.

Foto: dpa

Schauspieler Jan Josef Liefers diskutiert in einem Video der Kampagne #allesaufdentisch. Seine Wortwahl sorgt erneut für Diskussionen.

Berlin. 
  • Schauspieler Jan Josef Liefers sorgte vor ein paar Monaten mit seiner Kritik an der Corona-Politik für Aufsehen
  • Die Kritik löste einen großen medialen Aufschrei auf - viele unterstellten ihm eine Nähe zur Querdenker-Szene
  • Nun tauchte ein neues Video auf, das erneut für Ärger sorgt

Es ist nicht das erste Mal, dass Jan Josef Liefers mit seinen Äußerungen im Kontext der Corona-Pandemie für Diskussionen sorgt. Hatte er sich vor wenigen Wochen auf einer Intensivstation zumindest davon überzeugt, dass das Coronavirus eine schwere Erkrankung hervorrufen kann, so hat der Schauspieler nun das nächste Thema gefunden, was kritisch beleuchten möchte.

In einem neuen Video widmet er sich der Berichterstattung in der Pandemie und was dabei seiner Meinung nach falsch läuft. Daran wäre nichts auszusetzen oder gar zu diskutieren – wenn Liefers in dem Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Stefan Ruß-Mohl nicht Sprachmuster der Querdenker übernehmen würde.

Jan Josef Liefers sorgte bereits mit #allesdichtmachen für Aufsehen

In den mittlerweile über eineinhalb Jahren, die die Pandemie andauert, hat sich der Schauspieler mehrfach zu den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung geäußert. Zunächst gehörte er zu den Initiatoren der umstrittenen #allesdichtmachen-Kampagne, später meldete er sich in verschiedenen Talkshows zu Wort. Nun hat Liefers einen Beitrag für die ebenfalls viel diskutierte #allesdichtmachen-Nachfolgekampagne #allesaufdentisch aufgenommen.

Kampagne #allesaufdentisch: Youtube löschte Videos

Die Kampagne war zuerst dadurch aufgefallen, dass vor allem Schauspieler mit verschiedenen Gesprächspartnern, darunter viele selbsternannte Corona-Experten, die den Querdenkern zuzuordnen sind, in aufgezeichneten Gesprächen fragwürdige bis krude Thesen rund um die Pandemie teilten.

Das ging selbst den Community-Managern bei Youtube zu weit: Kurzzeitig wurden mehrere Videos von #allesaufdentisch gelöscht. Da in den Videos Desinformationen verbreitet worden wären, liege ein Verstoß gegen die eigenen Richtlinien vor, entschied die Plattform. Doch das Landgericht Köln entschied, dass die Löschung der Videos unrechtmäßig war, seither sind die Clips wieder sichtbar. Vor Liefers sprachen auch schon Volker Bruch und Wotan Wilke-Möhring in Videos der Kampagne.

Neues Video: Liefers äußert Medienkritik

Der 57-jährige Liefers, bekannt unter anderem durch seine Rolle im Münsteraner Tatort, spricht in insgesamt zwei Aufnahmen mit dem Medienforscher Stephan Ruß-Mohl. Der emeritierte Professor für Journalismus und Medienmanagement hat sich in den vergangenen Monaten häufig sehr kritisch zur medialen Berichterstattung über die Corona-Pandemie geäußert. In Interviews, unter anderem mit dem Deutschlandfunk, warf er der Presse Einseitigkeit und Übertreibung vor.

Ruß-Mohl selbst ist Teil des zu Beginn dieses Jahres gegründeten Netzwerks „Wissenschaftsfreiheit“. Dieser Zusammenschluss von mittlerweile knapp 600 Wissenschaftlern will sich gegen angebliche Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit einsetzen. Im Gespräch mit Liefers schien es vor allem darum zu gehen, zu zeigen, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland bedroht sei.

Schauspieler Jan Josef Liefers bedient Querdenker-Motive

Liefers spricht viel über seine Kindheit in der DDR: „Es gab ein paar Zeitungen, aber im Grunde stand überall dasselbe drin.“ Wer kontroverse Meinungen geteilt habe, hätte Probleme bekommen, so der Schauspieler. Ähnliche Entwicklungen beobachte er in Deutschland seit Beginn der Pandemie, erklärt Liefers. Er bedient damit eines der häufigsten Sprachbilder der Querdenker: Deutschland sei eine Art „Corona-Diktatur“, Bürger würden entmündigt wie in der DDR.

Die Medien würden hierbei eine große Rolle spielen: Denn sie würden ihrer Aufgaben in der Demokratie nicht mehr hinterherkommen. Liefers ist der Überzeugung, dass die Presse derzeit keine „Checks-and-Balances-Funktion gegenüber der Regierung“ hat. Ruß-Mohl bemängelt hingegen eher das Ausmaß der Corona-Berichterstattung in der Anfangsphase. Die Medien hätten durch ihre umfangreiche, alarmistische Berichterstattung den Druck auf die Politik so erhöht, dass diese sich gezwungen gesehen habe, zu handeln. Liefers erklärt, dass er das genau umgekehrt wahrgenommen habe: „Ich hatte den Verdacht, da will die Regierung etwas, und die Medien helfen ihr dabei“, meint er in dem Gespräch.

Diktaturvergleich kommt im Gespräch immer wieder auf

Liefers geht in dem Gespräch weiter auf die persönliche Dimension seiner kontroversen Behauptungen ein: „Wenn man hier nicht Gefolgschaft leistet in dieser Zeit, wenn man nicht macht, was gesagt wird, dann ist man automatisch ein Außenseiter, ein 'Querdenker', ein unsolidarischer Bürger“, beklagt er seine Lage.

Das habe man vor allem an den Reaktionen auf die #allesdichtmachen-Kampagne gesehen: „Dort gab es sehr schnell rabiate Gegenwehr aus den Medien“, so Liefers. Wieder bemüht er den Vergleich mit der DDR-Diktatur: „Der Applaus von der falschen Seite - ich kenne es aus der DDR - ist das große Schreckgespenst. Das wird einem immer als Totschlagargument vorgehalten“, ärgert er sich.

Einsichtig – aber trotzdem undurchsichtig gibt sich Liefers zumindest beim Thema Quellen. Er sei sich durchaus bewusst, dass die sogenannten alternativen Medien Gefahren mit sich brächten. Es sei für viele schwierig, einen „Blogger mit einer Meinung“ von einem Journalisten zu unterscheiden. Doch wo er sich selbst informiert, lässt Liefers offen.

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