Wie Schöninger Geschäftsleute auf die Corona-Krise blicken

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Jan Waldheim, Inhaber des Reisebüros Holiday Land und der Buchhandlung Baumert in Schöningen.

Jan Waldheim, Inhaber des Reisebüros Holiday Land und der Buchhandlung Baumert in Schöningen.

Foto: Markus Brich

„Vor dem Hintergrund der Pandemie sollten die Menschen ermutigt und nicht eingeschüchtert werden“, sagt der Schöninger Kaufmann Jan Waldheim.

Schöningen. Seit März hat sich das tägliche Leben durch Corona grundlegend verändert. Wie hat die Pandemie Schöninger Unternehmen getroffen, wie haben die Geschäftsleute darauf reagiert und wie blicken sie in die Zukunft? Um ein Stimmungsbild der Lage vor Ort zu zeichnen, fragt unsere Zeitung bei Geschäftsleuten vor Ort nach. Heute schildert Jan Waldheim, Inhaber des Reisebüros Holiday Land und der Buchhandlung Baumert in Schöningen, seine Sicht auf die lokale Wirtschaftslage.

Herr Waldheim, wie hat sich Corona bisher auf Ihren Betrieb ausgewirkt?

Es hat uns in der Touristik eiskalt erwischt. Von 100 auf fast null. Das kann man nicht in Worte fassen.

Welche Veränderungen mussten Sie seit März vornehmen bzw. hat es in ihrem Unternehmen gegeben?

Kurzarbeit auf der ganzen Linie. Egal ob in der Touristik oder in der Buchhandlung. Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich grundlegend geändert. Veränderte Öffnungszeiten.

Was waren bzw. sind dabei die größten Schwierigkeiten?

Die Kunden zum Shoppen oder Reisen zu bewegen.

Wie blicken Sie auf das nächste halbe Jahr?

Wenn wir uns die Covid-Zahlen anschauen, dann gehen wir weiterhin ganz schwierigem Zeiten entgegen. Das Schlimme daran ist, dass uns keiner sagen kann, wie lange wir diesen Zustand noch durchhalten müssen.

Wie beurteilen Sie die Unterstützungsleistungen des Staates?

Momentan kann ich nur positiv darüber berichten. Das zweite Konjunkturpaket läuft an und die Bundesregierung stellt einen weiteren Betrag zur Verfügung. Die Kurzarbeit wird hoffentlich verlängert auf zwei Jahre, das hilft dem einen oder anderen schon. Auch wenn es nur sehr wenig ist, aber besser als gar nichts. Aber was passiert danach? Bekommen wir die Aufforderung zu einer große Steuernachzahlung? Sollte das so sein, werden viele Betriebe später die Segel streichen und das macht einem Angst.

„Zweiter Shutdown hätte verheerende Folgen“

Was müsste an den Hilfen verbessert werden?

Die Bundesregierung muss weitere Pakete schnüren, um die Wirtschaft auch in Zukunft am Laufen zu halten. Das wird momentan leider vergessen. Wir benötigen alle viel mehr Hilfe. Ein zweiter Shutdown würde für die Wirtschaft verheerende Folgen haben.

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Wie wirkten sich die Regeln zum Schutz der Bevölkerung auf die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebes aus?

Das größte Problem, das wir haben, sind die Medien. Die Kunden werden so in Angst und Schrecken versetzt, dass Sie ihr Haus kaum verlassen, täglich nur das Negative wo auch immer sehen und hören, und nur das Nötigste einkaufen. Das Flanieren und Bummeln sowie das Shoppen gehen bleibt auf der Strecke. Die lachenden Dritten an der ganzen Misere sind die Internetportale.

Was müsste aus Ihrer Sicht verändert werden, um beiden Ansprüchen gerecht zu werden?

Den Bürgern müsste mal wieder Mut zugesprochen werden, sie sollten ermutigt und nicht nur eingeschüchtert werden. Der Mensch sollte wieder Spaß am Leben bekommen. Wenn zum Beispiel Zielgebiete in Europa aufgrund der Infektionszahlen geschlossen werden, dann wird darüber berichtet. Aber wenn die Zahlen wieder runter gehen in den Ländern und das Ziel wieder bereist werden kann, dann berichtet keiner darüber!