Frauengold-Kolumne

Meine sieben Wahrheiten über das Homeoffice

Gut essen im Homeoffice: Fünf Tipps für die Ernährung

Kontaktsperren und Heimarbeit bedeuten Stress. Umso wichtiger ist gute Ernährung. Wir geben im Video Tipps für gutes Essen in der Corona-Krise.

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Du sitzt im Homeoffice, die Kollegen dröhnen in der Video-Konferenz-Endlosschleife, es ist heiß, du brauchst eine Pediküre. So geht’s!

Berlin. Zunächst mal: Ich habe mir jahrzehntelang Homeoffice gewünscht. Doch immer wieder, wenn ich versucht habe, angesichts meiner angespannten Familiensituation mit drei kleinen Kindern von zu Hause arbeiten zu können, war das Chaos perfekt. Die Kinder wollten ihre Mama, die Redaktion die Texte, mir schlug vor lauter Druck das Herz bis zum Hals.

Ich schrieb im Wartezimmer von Arztpraxen, ich führte Telefoninterviews im Auto vor dem Kindergarten und checkte heimlich beim Elternabend unter dem Tisch exklusive Papiere auf ihre Nachrichtentauglichkeit.

Deshalb die Wahrheit Nummer 1: Homeoffice ist nur etwas für Leute, die keine kleinen Kinder in der Wohnung haben. Am besten wohnen Homeoffice-Beschäftigte ganz allein. Dann können sie den Esstisch mit Blick auf Balkon, Garten oder wenigstens in die Weite des Wohnzimmers in Beschlag nehmen, und wenn sie fertig sind und mal raus müssen, können sie einen Spaziergang zum Italiener um die Ecke machen, statt Bürokram aufzuräumen und Spaghetti in den Topf zu werfen.

Von der Video-Konferenz lässt sich die Schwiegermutter nicht abschrecken

Wahrheit Nummer 2: Wer zu Hause arbeitet, ist immer auch im Privat-Modus. Schwiegermütter haben da wenig Hemmungen anzurufen, und selbst der Spruch: „Muss mich jetzt ins Meeting schalten“, ruft nur wenig Respekt hervor. Hilfreich ist dann, sich vom Privat-Handy auf dem Diensthandy anrufen zu lassen und ins Festnetz zu säuseln: Du, sorry, aber da ruft gerade meine Chefin an.

Wahrheit Nummer 3: Homeoffice macht dick, und das trifft vor allem uns Boomer. Die Runde durch den Stadtpark am frühen Morgen reicht einfach nicht mehr aus, wenn sich die Laufrouten des Arbeitstages auf den Gang zum Kühlschrank und ins Bad beschränken, wenn S-Bahn-Treppen ausfallen und Kollegen nur per Telefon und Chat erreichbar sind. Die einzige 50+-Home-Office-Diät, die wirkt: bis 17 Uhr fasten, den Kaffee schwarz trinken und sich am Abend ein Mineralwasser mit Sprudel gönnen.

Ratgeber: So klappt's mit dem Home Office in Corona-Zeiten
Ratgeber- So klappt s mit dem Home Office in Corona-Zeiten

Im Homeoffice klappt die Technik nicht? Prima Ausrede...

Wahrheit Nummer 4: Das Homeoffice kann ganz schön Spaß machen, vor allem, wenn auf die Technik nicht immer Verlass ist. Beispiel Videokonferenz. Vergessen wir doch mal das Wort Video und bleiben, nachdem wir uns kurz gezeigt haben, unsichtbar, indem wir die Kamera wegdrücken. Könnte ja sein, dass sonst unser Mikro streikt oder so.

Das ist geschenkte Zeit: für die perfekte Pediküre zum Beispiel. Oder die ausgeräumte Spülmaschine. Und warum soll ich dabei nicht schon mal anfangen, den Wäscheberg mit dem Bügeleisen zu bekämpfen? Sollte ein Beitrag von mir gefragt sein, genügt ein Sprung auf den Stuhl vor den Bildschirm, ein Klick und schon bin ich wieder da. Ist fast so wie bügeln mit Netflix.

Abgesehen von der Zeitersparnis hilft Hausarbeit auch gegen die Wahrheit Nummer 3.

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Homeoffice ist, wenn die Chefin im Gespräch bleiben will

Auch schön istWahrheit Nummer 5: Homeoffice macht gesellig. Denn die Einsamkeit am heimischen Schreibtisch zwingt tatsächlich dazu, mit den Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. Selbst Chefinnen verabreden sich mit ihren Mitarbeitern zum Mittagessen, um den Kontakt nicht zu verlieren.

Das Telefon hat eine neue Bedeutung, denn Chats, Kurznachrichten und Whatsapp ersetzen nicht das Gespräch.

Wahrheit Nummer 6: Die wenigen verbliebenen Bürokollegen genießen Kultstatus. Sie verstehen sich als Schutzmacht der Firma, die die Fahne hochhält im Kampf gegen den Feind, das Virus, dem sie mit Maske, Abstand und Unerschrockenheit trotzen.

Die paar Leute im Büro machen sich in Chefzimmern breit

In diesem Bewusstsein genießen sie die Weite des Großraumbüros und machen sich in Chefzimmern breit. So cool ist es im Homeoffice tatsächlich nicht, auch wenn der Blick auf die blühenden Dahlien und reifen Tomaten auf dem Balkon ja ganz nett ist. Aber die Spätsommer-Sonne knallt erbarmungslos in die Wohnküche, ständig piepst etwas, das sich nach Hausarbeit anhört (Trockner, Spülmaschine).

Der Rücken schmerzt vom harten Designerstuhl. Die Videoschalte stürzt ab. Früher hat der Wäscheservice gebügelt und die Fußpflege-Praxis meine Pediküre übernommen. Früher hatte die Familie Respekt vor meiner Abwesenheit, jetzt erreichen mich Handwerker und Musikschullehrer per Telefon und Postboten an der Wohnungstür. Das hatte ich doch hinter mir?

Mit Homeoffice wird alles gut? So ein Unsinn!

Deshalb gilt Wahrheit Nummer 7, und das wusste ich schon immer: Das mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Unsinn. Da lässt sich nichts vereinbaren. Familie ist Familie, Beruf ist Beruf. Und die Geschichte von den glücklichen Kindern mit der erwerbstätigen Mutter am Küchentisch ist ohnehin eine Legende.

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