Monarchin

Queen Elizabeth würde das Jahr 2019 gerne vergessen

Queen Elizabeth II nach der Aufzeichnung der traditionellen Weihnachtsansprache. Sie sieht wahrlich nicht glücklich aus.

Queen Elizabeth II nach der Aufzeichnung der traditionellen Weihnachtsansprache. Sie sieht wahrlich nicht glücklich aus.

Foto: Steve Parsons / Reuters

Autounfall, Prinz Andrew und Prinz Harry: Die britische Monarchin war dieses Jahr permanent im Krisenmodus.

London. Diesmal wurde die Queen ungewohnt privat. In ihrer Weihnachtsansprache sprach Elisabeth II. von einem „holprigen“ Weg der Briten in den vergangenen zwölf Monaten. Aber „kleine Schritte im Glauben und in der Hoffnung“ könnten bedeutend sein und „langanhaltende Differenzen“ beilegen, sagte sie. Natürlich meint die Königin damit das Brexit-Chaos im Vereinigten Königreich. Aber mindestens genauso, da sind sich britische Kommentatoren sicher, meint die 93-Jährige damit das Jahr in ihrer eigenen Familie.

2019 startete für die Queen mit einem Autounfall, den ihr hochbetagter Ehemann Prinz Philip verursachte, woraufhin der 98-Jährige seinen Führerschein abgab. Weiter ging es nicht weniger turbulent: Da sind die hässlichen Gerüchte um Herzogin Meghan, die bei Palastdienern angeblich als zickige Diva verschrien ist. Außerdem die wachsende Distanz zwischen den einst unzertrennlichen Enkeln William und Harry. Und da ist nicht zuletzt das ewige Hin und Her um den Brexit.

Am Schlimmsten aber dürfte es Königin Elizabeth II. getroffen haben, dass ihr angeblicher Lieblingssohn seinen Ruf innerhalb weniger Wochen ruiniert hat. Hat Prinz Andrew minderjährige Mädchen missbraucht? Nun steht das Weihnachtsfest bevor – und die Gräben in der königlichen Familie treten so offen hervor wie selten.

Normalerweise läuft es an den Feiertagen so: Die königliche Familie kommt auf ihrem privaten Landsitz Sandringham zusammen, einem Schlosskomplex an der englischen Ostküste, und verbringt dort gemeinsam die Feiertage. In diesen Wochen aber befindet sich die Familie im Krisenmodus.

Die Queen hat ihren Lieblingssohn kalt gestellt

Ein Sprecher des Königshauses weist zwar britische Medienberichte zurück, wonach Andrew (59) vom traditionellen Gottesdienstbesuch am Weihnachtsmorgen ausgeladen worden sei: „Der Herzog von York ist immer noch Teil der Königsfamilie und man kann davon ausgehen, ihn bei Familienanlässen zu sehen.“ Es wird sein erster öffentlicher Auftritt seit dem Skandalinterview mit der BBC im November, in dem Andrew seine Unschuld beteuert, sich aber zugleich um Kopf und Kragen geredet hatte und keinerlei Reue zeigte.

Doch das ändert nichts daran, dass Andrew kalt gestellt worden ist. Dass er den Rückhalt seiner Familie verloren hat.

Die Queen (93) hat ihren Sohn von allen „königlichen Pflichten“ entbunden – im Prinzip hat sie ihn gefeuert. Zuletzt zitierten ihn sowohl sein Vater Prinz Philip (98) als auch Andrews älterer Bruder, Thronfolger Charles (71), zu sich, um ihm die Leviten zu lesen, wie der „Telegraph“ berichtete. Philip glaube, dass Andrews Verhalten die Königsfamilie in Gefahr bringe.

Prinz Andrews und der Epstein-Skandal

Mittlerweile dürfte der Falkland-Kriegsveteran seinen verunglückten Versuch bereuen, durch das BBC-Gespräch aus dem Defensivmodus zu kommen. Nur sechs Prozent der Zuschauer glauben Umfragen zufolge seinen Beteuerungen, nichts von den Taten seines Freundes Jeffrey Epstein gewusst zu haben – jenes US-Multimillionärs und verurteilten Sexualstraftäters, der sich im August in einem New Yorker Gefängnis mutmaßlich das Leben nahm, nachdem er erneut wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht gebracht werden sollte.

Es deutet viel darauf hin, dass Epstein der Drahtzieher eines Missbrauchsrings war, der mächtige und reiche Männer in New York, London und auf einer Privatinsel in der Karibik gezielt mit minderjährigen Frauen in Kontakt brachte. Und dass auch Andrew Sex mit einer damals 17-Jährigen hatte.

Man muss klar sagen: Für Andrew hat die Unschuldsvermutung zu gelten. Bislang wirft keine der zuständigen US-Behörden dem Prinzen offiziell ein Fehlverhalten vor. In der Anklageschrift gegen Epstein taucht sein Name nicht auf. Die New Yorker Staatsanwälte haben aber wiederholt angekündigt, dass die Ermittlungen weitergingen. Nicht ausgeschlossen, dass neue Anklagen entstehen. Der Druck auf Andrew steigt.

Ein „Christmas horribilis“ für die Queen

Bisher bezeichnete die Queen 1992 als ihr „Annus horribilis“, die für sie persönlich schrecklichste Zeit. Damals gingen die Ehen von drei ihrer vier Kinder in die Brüche – darunter die von Andrew und Sarah Ferguson (60) – und Schloss Windsor ging in Flammen auf.

Jetzt muss sie einen neuen Riss durch die Familie miterleben. Harry und Meghan weigern sich, nach Sandringham zu kommen – sie feiern lieber in Kanada, mit Andrew und den anderen Royals wollen sie wenig zu tun haben.

Für die Königin bedeutet das: „Christmas horribilis“ statt harmonischer Weihnachten. Immerhin konnte Prinz Philip an Heiligabend aus dem Krankenhaus entlassen werden: Der 98-Jährige kann Weihnachten also mit der Familie auf Sandringham verbringen.