Brauchtum

Karneval während der Pandemie: So kann gefeiert werden

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Karneval, Fasching, Fasnacht: Fakten zur fünften Jahreszeit

Karneval, Fasching, Fasnacht: Fakten zur fünften Jahreszeit

Tausende Menschen machen sich gerne zum Narren, zumindest an Karneval ist das so. Aber wo heißt die fünfte Jahreszeit Fasching und wo sagen die Menschen Helau?

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Mal heißt es Karneval, mal Fasching oder Fastnacht - wir zeigen, woher der Brauch kommt und was sich im Pandemie-Jahr 2021 ändert.

Berlin. Wenn im Regionalexpress plötzlich Erdbeeren mit Prosecco anstoßen, Cowboys mit Indianern tanzen und Batman tagsüber durch die Straßen schwankt, ist normalerweise klar: Der Karneval ist in seiner heißen Phase.

Eigentlich erwarten die rheinischen Hochburgen um diese Zeit Hunderttausende kostümierte Narren, die gemeinsam die fünfte Jahreszeit feiern. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie sind große Menschenansammlungen in diesem Jahr allerdings verboten.

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Doch kommen Karneval-Fans 2021 etwa gar nicht in den Genuss, „Helau“ oder „Alaaf“ zu schreien? Und was steckt eigentlich hinter diesem Brauch? Wir beantworten wichtige Fragen zum Karneval 2021:

Was ist Weiberfastnacht?

Weiberfastnacht ist - in Jahren ohne Pandemie - der Start des Straßenkarnevals. Sie wird am Donnerstag vor Aschermittwoch gefeiert und auch als Altweiber, Altweiberfasching oder Altweiberfastnacht bezeichnet. Umzüge gibt es in der Regel nicht.

Die Karnevalisten feiern normalerweise kostümiert in Kneipen und auf den Straßen An diesem Tag ist es Brauch, dass die Frauen den Männern die Krawatten abschneiden. Außerdem stürmen eigentlich die sogenannten Möhnen die Rathäuser.

Pandemie: Gibt es 2021 kein Karnvals-Programm?

2021 findet Weiberfastnacht am 11. Februar statt und damit noch mitten im harten Lockdown, der am 10. Februar verlängert worden ist. Dementsprechend müssen die üblichen Zusammenkünfte mit kostümierten Freunden entfallen.

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Im eigenen Haushalt kann mit der Familie nach Lust und Laune dekoriert, in Kostümen getanzt und Musik gespielt werden. Seit November gibt es das Internetradio "Radio Alaaf", das bis Aschermittwoch rund um die Uhr beliebte Hits und Interviews sendet.

Auch mit dem richtigen Fernsehprogramm können sich Jecken an den Karnevalstagen trotz Corona in Stimmung bringen lassen. Die Initiative "Mer looße üch nit allein" ("Wir lassen Euch nicht allein") veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Telekom an Weiberfastnacht eine große Live-Show bis 17 Uhr, die über einen Livestream beim Sender #Dabei auf MagentaTV oder auf MagentaTv übertragen wird.

Ein Corona-konformes Event in der Kölner Lanxess Arena wird ebenfalls live übertragen. Bei der Veranstaltung treten Karnevalsstars wie Bläck Fööss, die Gruppe Höhner, Cat Ballou, Bernd Stelter und das Kölner Dreigestirn auf. Moderiert wird das Ganze von Komikerin Mirja Boes und Guido Cantz.

Gibt es 2021 Faschingsumzüge?

Am 15. Februar wird auf Deutschlands Bildschirmen trotz Corona ein Faschingsumzug zu sehen sein. Das Festkomitee Kölner Karneval veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Hänneschen-Theater einen Miniatur-Zug. Bei der Alternative zum "Zoch", bei dem üblicherweise rund 12.000 Menschen teilnehmen, kommen 177 Puppen auf 32 Metern zum Einsatz.

Alles, was auch sonst einen Rosenmontagszug ausmacht - darunter die Blauen Funken, Kapellen, Tanzgruppen, das Dreigestirn und liebevoll gestaltete Persiflagewagen, soll auch dieses Jahr zu sehen sein. Der Zug wird ab 14.00 Uhr vom WDR übertragen.

Wo und wann ist Karneval entstanden?

Der Ursprung der Tradition ist nicht gänzlich geklärt. Zwar feierten schon die alten Römer ein Fest zu Ehren des Gottes Saturnus, bei dem Herren und Sklaven die Rollen tauschten, gemeinsam aßen und tranken, doch trotz der Parallelen zum heutigen Karneval bezweifelt die Forschung, dass es sich dabei um eine Vorläufer handelte.

Einfluss germanischer oder keltischer Bräuche wird skeptisch gesehen. Bei Frühlingsfesten feierte man damals den Wechsel der Jahreszeiten, indem man sich als Geister, Kobolde oder andere Naturgestalten verkleidete.

Als wahrscheinlicher gilt ein Zusammenhang zum christlichen Glauben: 46 Tage vor Ostern beginnt die Fastenzeit, in der Gläubige bestimmte Formen der Askese und Buße praktizieren. Vor dieser eher kargen Zeit kann beim Karneval noch einmal ausgelassen das Leben genossen werden. Aschermittwoch markiert dann das Ende der Karnevalssession – und den Start der Fastenzeit.

Wieso beginnt der Karneval am 11.11. um 11.11 Uhr?

Auch diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Ursprünglich galt eigentlich der 6. Januar, also als Beginn der Karnevalszeit.

  • Das führt zu Erklärung Nummer eins für den 11.11.: Denn dem 6. Januar ging einst eine weitere Fastenzeit voraus, die am 11.11. begann.


  • Erklärung Nummer zwei: Der 11.11. war für die Bauern das Ende ihres Wirtschaftsjahres. Einerseits wurde die Pacht fällig, andererseits war die Ernte nun endgültig eingefahren, zum Teil schon weiterverarbeitet. Und der Wein war so weit gereift, dass man ihn trinken konnte.

  • Erklärung Nummer drei: Die Position der Zahl „11“ zwischen den im christlichen Glauben bedeutsamen Zahlen „10“ (Zahl der Gebote) und „12“ (Zahl der Apostel). Die „11“ steht profan in der Mitte, will sich sozusagen keiner der beiden Normen zuordnen lassen. Passend also für den närrischen Zweck.

Woher kommt der Begriff „Karneval“?

Wie sollte es auch anders sein: Sicher weiß man es nicht. Am geläufigsten ist aber die Ableitung vom Lateinischen „carne levare“, was so viel heißt wie „Fleisch wegnehmen“. Eher als Scherz ist die Übersetzung von „carne vale“ anzusehen – „Fleisch, lebe wohl!“.

Bis ins 20. Jahrhundert ging man noch davon aus, dass „Karneval“ auf den lateinischen Ausdruck „carrus navalis“ zurückgehe. Damit wurde ein Schiff auf Rädern bezeichnet – denn bereits die Römer feierten Umzüge durch die Straßen. Diese These gilt inzwischen aber als widerlegt.

Was ist der Unterschied zwischen Karneval, Fasching und Fastnacht?

Was gefeiert wird, hat vor allem mit der Region zu tun. Während der Karneval vor allem im Rheinland zelebriert wird, heißt es in Bayern, Sachsen und Österreich überwiegend Fasching. Fastnacht wiederum feiert man vor allem in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, in Baden, Württemberg und in Franken.

Was die Begriffe aber gemeinsam haben: Sie deuten alle darauf hin, dass die Fastenzeit bevorsteht. Und auch beim Feiern gibt es Parallelen.

So gibt es in jeder Region inzwischen große Umzüge – auch wenn sie im Süden Deutschlands noch keine ganz so lange Tradition haben. Der erste große Rosenmontagsumzug fand 1823 in Köln statt.

Während sich die Narren im Rheinland in Karnevalsvereinen organisieren, gibt es in Süddeutschland Narrenzünfte. Noch ein Unterschied: Beim Fasching und Karneval sieht man bunt gemischte Kostüme, bei der Fastnacht tragen viele Umzugsteilnehmer ein sogenanntes Häs, zu dem eine hölzerne Maske gehört.

Wo ruft man „Alaaf“ und wo „Helau“?

„Alaaf“ und „Helau“ sind die bekanntesten Narrenrufe – und trennen vor allem die Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf voneinander. „Alaaf“ soll auf den Ausdruck „all af“ zurückgehen, Kölsch für „alles ab“. In der Verbindung „Kölle Alaaf“ dann zu verstehen als „alles steht unter Köln“.

Eine andere Herleitung vermutet den Ursprung im alemannischen „a Laaf’n“, was „eine Maske“ bedeutet. Der Begriff könnte über Rheinschifffahrt seinen Weg bis Köln gefunden haben.

Gerufen wird „Alaaf“ aber längst nicht nur dort. Auch in Bonn, Leverkusen oder Aachen schmettern ihn die Jecken. Die Narren, die weiter rheinabwärts wohnen, etwa in Düsseldorf, Duisburg oder Krefeld, setzen seit Jahrhunderten auf „Helau“. Erklärungen seiner Herkunft reichen von einem früheren Hirtenruf über eine Ableitung des christlichen „Halleluja“ bis zu einem Konflikt – na klar – mit Köln.

Mainzer Kaufleute sollen im 13. Jahrhundert gegen die Pflicht protestiert haben, in Köln drei Tage lang mit ihrem Schiff Halt zu machen, um ihre Ware zum Festpreis anzubieten. Den Ruf „Alaaf“ – hier im Sinne von „alles ab(laden)“ gebraucht – setzte ein Kaufmann der Legende nach ein „Ik will he lau fahrn!“ entgegen – „Ich will hier langfahren!“.

Weitere Narrenrufe sind etwa „Awaaf“ in Bayreuth, das französisch angehauchte „Alleh hopp“ im Saarland oder „Ahoi“ in Norddeutschland.

Welche Karneval-Vokabeln muss ich kennen?

Das hängt natürlich von der Region ab. Im Rheinland sollte man sich unter anderem auf diese Begriffe gefasst machen:

  • Bützchen: ein Küsschen mit geschlossenen Lippen
  • Dreigestirn: besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau, den offiziellen Regenten des Narrenvolks
  • Hoppeditz: wird in Düsseldorf am 11.11. zum Leben erweckt und hält aus einem Senftopf heraus die Eröffnungsrede zur neuen Session, wird am Aschermittwoch eingeäschert
  • Kamelle: die Leckereien, die von den Umzugswagen herabregnen
  • Nubbel: die Kölner Antwort auf den Hoppeditz, wird am Karnevalsdienstag verbrannt, um die Jecken von ihren Sünden zu befreien
  • Strüßjer: kleine Blumensträuße, die beim Umzug geworfen werden – im Austausch für ein Bützchen
  • Zoch: gemeint ist natürlich der Rosenmontagsumzug

(day/cho/les)