Jahreswechsel

Silvester-Feuerwerk: Umwelthilfe will Verbot in Innenstädten

Silvester-Feuerwerk: So böllert man richtig

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Immer mehr Städte denken über ein Böllerverbot an Silvester nach. Wo es schon greift, wo noch diskutiert wird und was dahinter steckt.

Berlin.  Viele deutsche Städte verbieten zu Silvester Feuerwerke. Raketen und Böller sind also nicht erlaubt.

Andere europäische Großsstädte wie Paris oder London gehen längst mit gutem Beispiel voran. Nicht ohne Grund: Durch die Knallerei an Silvester wird viel Feinstaub freigesetzt – zu viel für die sowieso schon durch die Abgase des Straßenverkehrs gebeutelten Städte.

Laut Bundesumweltamt verballern die Deutschen zum Jahreswechsel zwischen 100 und 150 Millionen Euro – und setzen dabei rund 4500 Tonnen Feinstaub frei. Das entspricht etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge.

Feuerwerks-Verbot in vielen Städten – ein Überblick

Dazu kommt der oft wenig verantwortungsvolle Umgang mit Feuerwerkskörpern, wenn Raketen und Böller auf Alkoholkonsum treffen. Regelmäßig werden an Silvester Menschen verletzt, auch Todesfälle kommen vor.

Im Netz und in einigen Städten regt sich nun Widerstand. Auf Facebook häufen sich Gruppen und Veranstaltungen wie „Silvester ohne Böller“, „Böllerfreies Silvester“ oder „Sauberes Silvester“.

Umwelthilfe fordert: Feuerwerke raus aus Innenstädten

Auch die Deutsche Umwelthilfe warnt vor einer hohen Feinstaubbelastung zu Silvester. „Wir möchten eine Verschiebung der Feuerwerksaktivitäten raus aus der Innenstadt“, sagte der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch, am Freitag laut einer Mitteilung.

„Entweder auf Flächen am Stadtrand, wo die Menschen ihre Feuerwerkskörper abfeuern können oder noch besser ein professionelles Feuerwerk außerhalb sensibler Zonen, an dem sich alle erfreuen können und welches kaum Feinstaub erzeugt.“

Anträge gegen Feuerwerk in Köln und München

In Köln beantragte vor kurzem ein Mann, Silvesterfeuerwerk wegen der hohen Feinstaubbelastung zu verbieten. Auch in München stellten Feuerwerksgegner auf Bürgerversammlungen immer wieder den Antrag, privates Zündeln zu untersagen.

Durchsetzen konnten sie sich in beiden Städten nicht. Das liegt auch daran, dass ein grundsätzliches Verbot nur einer aussprechen kann: der Bund. Indem er sein Sprengstoffgesetz ändert.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) kritisiert die zunehmenden Verbote von Silvesterfeuerwerken in großen Städten. Damit würden die falschen Adressaten getroffen, sagte Verbandsgeschäftsführer Klaus Gotzen am Donnerstag in Ratingen: „Man trifft nicht nur die, die über das Ziel hinausschießen, sondern auch alle, die friedlich feiern wollen.“

Spielraum für Verbote in Städte gibt es dennoch. Und der wird von einigen Kommunen schon genutzt. Ein Überblick, wo in Deutschland privates Feuerwerk nicht erlaubt ist:

In diesen Städten sind Feuerwerke und Böllerei an Silvester verboten:

Hannover:

Das Zünden von Raketen und Böllern ist in diesem Jahr erstmals in einem Teil der Innenstadt verboten. Auch das Mitbringen sei schon untersagt, sagte ein Stadtsprecher der Deutschen Presse-Agentur.

„Wunderkerzen und Knallerbsen können mitgebracht werden, dann ist Schluss“, sagt Ordnungsdezernent Axel von der Ohe. Sollten Feiernde sich nicht an die Regeln halten, würden sofort Platzverweise ausgesprochen. Feuerwerkskörper würden sofort eingezogen und vernichtet.

Die Verbotszone erstreckt sich vom Raschplatz hinter dem Hauptbahnhof entlang der Fußgängerzone bis zum zentralen Innenstadtplatz Kröpcke, dem Opernplatz und dem Platz der Weltausstellung. Erlaubt ist dort an Feuerwerk nur, was kindertauglich ist.

Die Stadt reagiert damit auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre, in denen zunehmend Polizisten und Rettungskräfte mit Feuerwerkskörpern beschossen und Böller in Menschenmengen gezündet wurden.

Düsseldorf:

Schon länger verboten ist Silvesterfeuerwerk in der Düsseldorfer Altstadt. Das gilt auch für Raketen und Batterien. Erlaubt sind Wunderkerzen und Bodenfeuerwirbel. Das Verbot gilt laut „Westdeutscher Zeitung“ ab 31. Dezember 20 Uhr bis 1. Januar 2019 um 20 Uhr. Private Gelände seien davon jedoch ausgeschlossen.

Dortmund:

In den vergangenen Jahren waren die Gegend um den Hauptbahnhof sowie belebte Plätze in der Innenstadt feuerwerksfreie Zone. Welche Gebiete 2018 betroffen sein werden, will die Stadt zwischen den Feiertagen bekanntgeben.

Göttingen:

Bereits seit 2016 gibt es ein Böller- und Raketenverbot in der Göttinger Innenstadt, vor allem aus Gründen des Brandschutzes innerhalb des Walls. Inzwischen spielen dabei auch Sicherheitsaspekte für Passanten und Rettungskräfte eine größere Rolle, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Verbot gelte auch für ein Gelände am Jonaplatz, an dem es im vergangenen Jahr zu gefährlichen Situationen gekommen war.

Hier breitet sich der Silvestergroßbrand aus
Hier breitet sich der Silvestergroßbrand aus

Bremen:

Lediglich der Marktplatz ist in Bremen knallfreie Zone, allerdings vor allem zum Schutz des historischen Rathauses. Im Vorjahr wurden zwei Männer in Zusammenhang mit Pyrotechnik erheblich verletzt. Weitere Verbotszonen sind das gesamte Hafengebiet sowie der Flughafen im Umkreis von 1,5 Kilometern.

Lüneburg:

In der Hansestadt soll es wie im Vorjahr wegen Brandgefahr ein Feuerwerksverbot für den Altstadtbereich geben. Dabei zählen neben dem Brandschutz auch Sicherheitsaspekte: In der Altstadt liegen die größeren und attraktiven Plätze wie der Marktplatz. Damit das Verbot eingehalten wird, sollen Mitarbeiter der Stadt und die Polizei am Silvesterabend die geschützten Gebiete kontrollieren.

Überhaupt haben viele Orte mit historischem Stadtkern Verbote erlassen, darunter auch Tübingen, Goslar, Celle und Quedlingburg. Auch auf Nordseeinseln wie Sylt, Föhr und Amrum gibt es Verbote – vor allem um die dort üblichen Häuser mit Reetdach zu schützen.

Braunschweig:

Appelle zur gegenseitigen Rücksichtnahme sollen in Braunschweig zu einem friedlichen Verlauf beitragen. „Für die Sicherheit in der Silvesternacht sind wir alle verantwortlich“, heißt es im Aufruf der Stadt. Dennoch wollen Polizei und Ordnungskräfte an öffentlich stark besuchten Orten wie dem Schlossplatz Präsenz zeigen und auf den richtigen Umgang mit Feuerwerk achten.

Besucher sollen gefährliches oder fahrlässiges Verhalten melden, die Beamten könnten dann auch Platzverweise aussprechen. Unbekannte Böllerwerfer hatten in der vergangenen Silvesternacht zwei Menschen schwer verletzt. Ein 49-Jähriger hatte die Sehkraft auf einem Auge verloren, eine 21 Jahre alte Frau kann auf einem Auge nur noch hell und dunkel erkennen.

In Salzgitter warf im letzten Jahr sogar jemand einen Böller auf einen Kinderwagen – das Baby musste ins Krankenhaus.

Gesetzliche Regel:

Grundsätzlich ist laut Bundessprengstoffgesetz das „Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen“ verboten.

Davon sowie von den örtlichen Einschränkungen abgesehen dürfen Feuerwerkskörper dürfen in Deutschland ab 31. Dezember bis 1. Januar jeweils ganztägig gezündet werden.

Die wichtigsten Tipps für sicheres Silvesterfeuerwerk:

  • Achtung vor ausländischem Feuerwerk: Fachleute warnen vor der hohen Sprengkraft von Feuerwerkskörpern aus dem Ausland. Sogenannte Polenböller enthielten häufig einen sogenannten Blitzknallsatz, der wegen seiner chemischen Zusammensetzung sehr viel stärker reagiere, sagt Pyrotechnik-Experte Christian Lohrer von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).
  • Explodiere so ein Gegenstand in der Hand, drohten schwere Verletzungen wie der Verlust von Fingern. Er appellierte zum Kauf von Feuerwerkskörpern in Deutschland - „in vertrauenswürdigen Läden“ und nicht etwa aus Kofferräumen an Autobahnparkplätzen.
  • Raketen nie aus der Hand abfeuern: Nicht nur die Herkunft der Knaller, auch das falsche Hantieren damit kann den Fachleuten zufolge böse enden. BAM-Expertin Heidrun Fink betont, dass Raketen keinesfalls aus der Hand abgefeuert und Böller nicht geworfen werden dürften.
  • Mindestabstand einhalten: Weil leere Flaschen für den Raketenstart oft zu unstabil seien, stellt sie eine Sektflasche für zusätzlichen Halt noch in eine Getränkekiste. „Nach dem Anzünden direkt in den Mindestabstand begeben!“, appelliert Fink. Dieser betrage bei Raketen, Batterien und Knallkörpern acht Meter. Ein Radius, der an Silvester in Städten selten zu sehen ist.
  • Worauf man bei Kindern achten sollte: Um Verbrennungen an Haut und Händen, Augenverletzungen oder Hörschäden bei Kindern zu vermeiden, sollten Kinder beim Silvesterfeuerwerk nur schwer entflammbare Kleidung aus Baumwolle tragen. Das rät die Aktion „Das sichere Haus“.

Schlecht sind dagegen Kleidungsstücke aus Synthetik-Gemisch sowie Kapuzenjacken oder -pullis, in denen sich Feuerwerkskörper verfangen können. Besser seien eng anliegende Mützen.

Mit Kindern unter sechs Jahren sollten Eltern besser ganz im Haus bleiben und das Spektakel vom geschlossenen Fenster aus beobachten.

Welch große Risiken illegale Böller bergen, zeigt ein Beispiel aus Duisburg. Ein Zehnjähriger zündete dort einen „Polenböller“, woraufhin die Schultoilette explodierte.

Tausende solcher fragwürdigen Böller stellte der Zoll vor kurzem bei Razzien sicher. (cho/dpa)