Bandenkriminalität

Ex-Gangster in Kopenhagen nach Buchvorstellung erschossen

An diesem Ort wurde Nedim Yasar in Kopenhagen erschossen.

An diesem Ort wurde Nedim Yasar in Kopenhagen erschossen.

Foto: Bax Lindhardt / dpa

Nedim Yasar packt im Buch „Rødder“ über Bandenkriminalität aus. Nach einer Buchvorstellung am Montag wurde er in Kopenhagen erschossen.

Kopenhagen.  Der prominente Radiomoderator Nedim Yasar ist am Montagabend in Kopenhagen auf offener Straße erschossen worden. Yasar wurde 31 Jahre alt. Wie die Polizei mitteilte, war Yasar am Montag im Nordwesten der dänischen Hauptstadt bei einer Buchvorstellung. Auf dem Heimweg wurde er erschossen.

In seinem Buch „Rødder“ („Wurzeln“) berichtet Yasar laut dänischen Medien über seinen Ausstieg aus der Organisierten Kriminalität. Das Buch ist Dienstag im dänischen Handel erschienen.

Ex-Clan-Chef Neim Yasar erschossen – das Wichtigste im Überblick:

  • Nedim Yasar ist in Kopenhagen erschossen worden
  • Er hatte das Buch „Rødder“ über seinen Ausstieg aus der Organisierten Kriminalität geschrieben
  • Nach der Buchvorstellung trafen ihn zwei Kugeln
  • Er wurde nur 31 Jahre alt

Ein unbekannter Täter hatte nach der Veranstaltung am Montag zweimal auf Yasar geschossen. Ein Notruf war um 19.38 Uhr bei der Polizei eingegangen. Entgegen zahlreicher Medienberichte war der 31-jährige Nedim Yasar jedoch nicht sofort gestorben, sondern in kritischem Zustand in ein Krankenhaus gebracht worden.

Das ehemalige Gang-Mitglied erlag nach Polizeiangaben am Dienstagvormittag seinen Verletzungen. Die Polizei fahndet weiterhin hin nach dem Täter und bittet die Bevölkerung unter anderem auf Twitter um Hinweise zu der Tat. Bisher sei nur bekannt, dass der Täter zu Fuß unterwegs war und dunkle Kleidung trug.

Nedim Yasar berichtete von Drohungen gegen ihn

Der Angriff ereignete im Nordwesten Kopenhagens, unweit der Bahnstation Nørrebro. Der Stadtteil Nørrebro gilt sowohl als In-Viertel unter jungen Dänen, aber auch als Kriminalitätsschwerpunkt.

Nedim Yasar berichtet nach Angaben der Zeitung „B.T.“ in seinem Buch auch über den Stadtteil. Dort habe sich Yasar jahrelang als Mitglieder der Gang Los Guerreros herumgetrieben. Die Gang unterstützte in der Vergangenheit die Rocker-Gruppe Bandidos .

Die dänischen Behörden haben Teile Nørrebros in den vergangenen Jahren immer wieder als Gefahrengebiet eingestuft. In den ausgewiesenen Zonen konnte die Polizei beispielsweise ohne Verdacht Personen überprüfen.

Zu einem dieser Gebiete, das auch unter Bandenkriminalität zu leiden hat, zählt der Mjølnerparken. Aus dem Wohnblock stammte unter anderem auch der Terrorist, der am 14. und 15. November in Kopenhagen zwei Anschläge verübte, bei denen der Dokumentarfilmer Finn Nørgaard und ein Wachmann vor einer Synagoge getötet wurden.

Islamistischer Terror in europäischen Städten war damit seit 2017 auch ein Thema im Kopenhagener Norden.

Bereits 2017 wurde Nedim Yasar angegriffen

Der tödliche Angriff auf Nedim Yasar war nicht die erste Attacke seit seinem Banden-Ausstieg im Jahr 2012. Laut „B.T.“ war der Ex-Gangster 2017 in seiner Wohnung von einem Maskierten angegriffen worden.

Yasar sei durch ein Klopfen an der Tür wach geworden und habe schließlich aufgemacht. Der Angreifer habe im gesagt: „Du bist tot, Mann“. Im Wohnungseingang sei es dann zu einem Kampf gekommen.

Bei dem Kampf habe der Angreifer das Messer zwischenzeitlich verloren und sei dann geflüchtet. Nedim Yasar wurde nicht verletzt und sagte dänischen Medien zu dem Vorfall, er habe gewusst, dass mal der Tag eines Angriffes kommen würde.

Yasar hatte nach seiner kriminellen Vergangenheit Aufmerksamkeit mit seiner Medienpräsenz erzeugt. Auf Twitter zeigte er unter anderem Fotos von sich selbst mit der ehemaligen dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt.

In der Radio-Sendung und dem gleichnamigen Podcast Politiradio (Polizeiradio) sprach Yasar über aktuelle Kriminalitätsmeldungen und wirkte als Experte in Fragen der Organisierten Kriminalität. (mit dpa-Material)