Gefängnis

Selbstbefriedigung mit Strom: Serienmörder stirbt in Zelle

Die Bochumer Justizvollzugsanstalt Krümmede.

Die Bochumer Justizvollzugsanstalt Krümmede.

Foto: imago stock&people

In der JVA Bochum ist ein Häftling tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Der Serienmörder soll sich zuvor mit Strom befriedigt haben.

Bochum.  Einer der gefährlichsten und brutalsten Frauenmörder der deutschen Nachkriegsgeschichte, Leo Egidius S. (62), der als „Würger von Aachen“ in die Kriminalgeschichte einging, ist am Wochenende in der Bochumer Justizvollzugsanstalt Krümmede ums Leben gekommen.

Am 19. August 2008 hatte ihn das Aachener Landgericht wegen Mordes in fünf Fällen und Vergewaltigung in zwei Fällen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr fanden Justizvollzugsbeamte den Strafgefangenen, leblos auf seinem Bett in der Zelle. Seine Taten wurden auch als Disco- und Anhaltermorde bekannt.

Leichnam stand noch unter Strom

Nach Informationen der „WAZ“, soll er sich mit mehreren Kabeln ans Stromnetz angeschlossen haben. Der Notarzt konnte erst gut eine Viertelstunde nachdem er gefunden worden war, zu ihm kommen, da der Leichnam noch unter Strom stand.

Die Haftanstalt geht davon aus, dass es sich nicht um einen Selbstmord handelt, sondern dass „der Häftling bei autoerotischen Praktiken“ ums Leben gekommen ist. Für den heutigen Montag war eine Obduktion angesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Revision wurde 2009 zurückgewiesen

Egidius S. hatte nach dem Urteil 2008 eine Revision angestrengt, die jedoch der Bundesgerichtshof im Juni 2009 zurückgewiesen hatte. Seit acht Jahren saß er in der JVA Krümmede ein.

Wie eine Sprecherin der Haftanstalt gegenüber der „WAZ“ bestätigt, saß er in Einzelhaft. „Es hat keinerlei Hinweise auf eine Selbstmordgefahr gegeben.“ Zuletzt lebend sei er am Samstagmittag gegen 13 Uhr gesehen worden.

Da keine Suizidgefahr bestanden habe, wurde der Häftling auch nicht regelmäßig in seiner Zelle kontrolliert. Nur im Falle einer konkreten Gefahr für das Leben des Betroffenen findet alle 15 Minuten eine Kontrolle statt. Es ist derzeit nicht bekannt, ob der Strafgefangene in der Haft gearbeitet hat.

Fraglich, ob er jemals freigekommen wäre

Egidius S. hätte nach Verbüßung seiner lebenslangen Haftstrafe von 15 Jahren wegen der besonderen Schwere der Schuld noch länger im Gefängnis bleiben müssen. Ob er jemals wieder in Freiheit gekommen wäre, ist fraglich.

Der Fall hatte bundesweit für großes Aufsehen gesorgt, denn die Festnahme erfolgte eher zufällig.

Egidius S. wurde bei Metalldiebstahl ertappt

2007 gab es in Heinsberg einen Metalldiebstahl. Auf frischer Tat wurde Egidius S., damals 52 Jahre alt, ertappt. Er gab freiwillig eine Speichelprobe ab. Der Abgleich mit der DNS-Datei führte die Fahnder dann auf die Spur des Tatortmaterials einer 1984 ermordeten Schülerin. Der genetische Fingerabdruck warf einen Treffer aus.

Zwischen 1983 und 1990 ermordete er fünf Mädchen und Frauen im Alter zwischen 15 und 31 Jahren. Drei seiner Opfer missbrauchte er dabei sexuell. Während der Verhöre, so schrieb damals die Presse, gestand er diese Morde zunächst.

Er soll sein Geständnis, wie der Spiegel erfahren haben will, jedoch widerrufen haben, weil „er als getriebener Masochist“ diese Verbrechen nur zugegeben habe, und „weil ihn die Vernehmung und die Aussicht auf Gefangenschaft erregt habe.“

Berichte über bizarre Sexpraktiken

Die „Augsburger Allgemeine“ schilderte damals die bizarren Sexpraktiken, die während des Prozesses vor dem Aachener Landgericht öffentlich wurden. So habe er sich jahrelang von seiner Ehefrau foltern lassen – oft bis zur Ohnmacht. Es habe im Keller der Eheleute sogar einen Folterraum gegeben, mit Holzblock und Ketten.

Offenbar reichten ihm diese Erlebnisse irgendwann nicht mehr. Seine Taten, auch als Disco- und Anhaltermorde bekannt, wurden äußerst brutal ausgeführt. Der als biederer Versicherungskaufmann in Heinsberg lebende Familienvater soll die jungen Frauen gefesselt, ausgezogen, vergewaltigt und erdrosselt haben.

Nach sieben Jahren endete die Mordserie, der „Würger von Aachen“ hatte sich offenbar in Luft aufgelöst. Jahrelang tappten die Fahnder im Dunkeln, auch in der Sendung „Aktenzeichen XY“ wurde nach ihm gefahndet. Alles ohne Erfolg. Bis es eben zu dem Diebstahl im März 2007 kam.

Das Ergebnis der Obduktion am Montag: Egidius S. starb an Herzrhythmusstörungen, ausgelöst durch das Leiten von Strom durch den Körper, das bestätigte die Polizei der „WAZ“.

Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.