Festnahme

Würth-Entführung: Verdächtiger schweigt zu Vorwürfen

Daniel Muth (l-r), Kriminaloberrat der Kriminaldirektion Osthessen, Thomas Hauburger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, und Frank Spät, Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Gießen bei der Pressekonferenz.

Daniel Muth (l-r), Kriminaloberrat der Kriminaldirektion Osthessen, Thomas Hauburger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, und Frank Spät, Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Gießen bei der Pressekonferenz.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Im Fall des 2015 entführten Milliardärssohns Reinhold Würth half die markante Stimme eines 48-jährigen Mannes bei der Überführung.

Fulda.  Die entscheidenden Hinweise im Fall des entführten Sohnes des Milliardärs Markus Würth stammten laut Polizei und Staatsanwaltschaft von einer Frau, die die Stimme des mutmaßlichen Entführers wiedererkannt hat.

Die Frau habe die Stimme des Tatverdächtigen erkannt und im Januar 2018 fast zweieinhalb Jahre nach der Tat die Polizei informiert, sagte der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger bei einer Pressekonferenz in Fulda. Die Polizei hatte zur Fahndung den Mitschnitt eines Anrufs des Lösegeld-Erpressers genutzt.

Ein 48-jähriger Mann aus Offenbach sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes. Er schweigt jedoch zu den Vorwürfen. Spezialeinheiten der Polizei hatten den Mann, der ursprünglich aus Serbien-Montenegro stammt, am Morgen in seiner Wohnung festgenommen. Er soll im Juni 2015 den behinderten Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs Hans Würth im osthessischen Schlitz entführt und nach einer gescheiterten Lösegeldübergabe tags darauf in der Nähe von Würzburg freigelassen haben.

Hinweise auf Wohnort, Alter, Herkunft durch Stimmaufnahme

Polizei und Staatsanwaltschaft beschrieben die wiedererkennbare Stimme des 48-Jährigen als wichtigstes Mittel, um ihn schließlich zu überführen. Mithilfe von Spezialisten der Universität Marburg wertete man die Sprachsequenz aus und erstellte daraufhin ein Täterprofil. Sowohl der Akzent des Mannes, der auf einen langjährigen Aufenthalt im Kreis Frankfurt und Offenbach schließen ließ, als auch eine markante Verabschiedungsformel („Okay, ich trenne mich“) sei für die Polizei von großer Bedeutung gewesen, erklärte Hauburger.

Im vergangenen Sommer nahm der Mann erneut Kontakt zu Familie Würth auf, über eine aufwendige Form der Email-Verschlüsselung, wie Kriminaloberrat Daniel Muth mitteilte. „Die Verschlüsselung war zum Teil so aufwendig, dass es uns nicht möglich war, die Emails zurückzuverfolgen.“ Der Absender offenbarte darin Täterwissen und drohte mit einer neuen Entführung von Familienmitgliedern, sollte er kein Geld bekommen.

Polizei bat Bevölkerung um Mithilfe

Die Polizei schaltete daraufhin die Bevölkerung in die Suche nach dem Täter ein – sowohl über Fernsehsendungen wie „Aktenzeichen XY“ als auch über Plakataktionen. Mehrere tausend Hinweise seien bei den Behörden eingegangen, davon 400 konkrete. Schließlich habe sich im Januar 2018 die Frau mit dem entscheidenden Hinweis auf den 48-jährigen zweifachen Familienvater gegeben. Der Verdächtige sei in seiner Funktion als Handwerker bei ihr zu Hause gewesen und sie habe seine Stimme erkannt, erklärte Muth.

Der behinderte Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs Würth war am 17. Juni 2015 in der Kleinstadt Schlitz gekidnappt worden. Er lebte dort in einer integrativen Wohngemeinschaft. Die Lösegeldforderung – drei Millionen Euro - ging damals telefonisch am Stammsitz des Unternehmens ein. Würth und seine Ehefrau waren zu dem Zeitpunkt auf einer Geschäftsreise in Griechenland. Zu einer Lösegeld-Übergabe kam es nicht. (dpa/aba)