Sicherheit

Berliner Grundschule engagiert aus Sorge Security-Dienst

Der Wachdienst auf dem Schulhof soll für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Der Wachdienst auf dem Schulhof soll für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Foto: Jörg Krauthöfer

Die Leiterin einer Berliner Schule hat Wachleute angestellt, um für Sicherheit zu sorgen. Gefahr drohe von Schülern und Außenstehenden.

Berlin.  Die Spreewald-Grundschule im Berliner Stadtteil Schöneberg hat jetzt einen Wachschutz, um Ruhe in die Schule zu bringen. „Damit die Kinder besser lernen können“, rechtfertigt Schulleiterin Doris Unzeitig den drastischen Schritt, zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes versuchsweise anzustellen. So, wie es zuletzt gewesen sei, so ginge es nicht weiter.

„Wir können die Kinder nicht mehr schützen.“ Nicht vor schulfremden Personen, die während der Schulzeit auf dem Gelände und im Backsteingebäude herumlungerten. Aber offenbar auch nicht vor den eigenen Mitschülern. Immer wieder sei die Pausensituation eskaliert. Rund 25 gewalttätige Vorfälle habe man zuletzt der Schulaufsicht gemeldet. Und obwohl die Pausenaufsicht zeitweise aufgestockt wurde, bekam man die Lage nicht in den Griff.

Die Lehrer seien zunehmend überfordert gewesen. Ihr ginge es auch darum, die Pädagogen zu entlasten – schließlich sei deren Hauptaufgabe, zu unterrichten. „Die beiden Mitarbeiter/innen“, heißt es nun in einem Brief zum Thema Wachschutz an die Eltern der Schule, „werden als Ansprechpartner/in für die Kinder und für das pädagogische Personal zur Verfügung stehen und mit dabei helfen, auf den Gängen und im Hof Gewaltvorfälle zu verhindern.“

Die Security-Westen machen auf dem Schulhof Eindruck

Der Wachschutz soll also in den Pausen für Respekt sorgen, damit es zu keinen verbalen oder handfesten Streitereien kommt. „Das macht einen ganz anderen Eindruck, wenn die mit Security-Westen rumgehen“, sagt die Schulleiterin. Die Firma, die schon an mehreren Schulen in Neukölln im Einsatz ist, scheint erfahren. Natürlich, betont Unzeitig, hätten die Lehrer weiterhin die Aufsichtspflicht. Die Wachschutzleute unterstützten sie lediglich.

Und sie sollen verhindern, dass schulfremde Personen ungehindert im Schulgebäude ein- und ausgehen. „Ältere Kumpels, Schulschwänzer, Brüder“, die während des Unterrichts einfach die Klassentür aufrissen, um ein Kind zu besuchen. Oder Angehörige aus einem nahe gelegenen Flüchtlingsheim, die sich morgens in den Schulfluren aufwärmten, bis die Behörden öffnen. Die Schließanlage des Schultores sei schon seit Jahren kaputt, und das Bezirksamt schaffe es einfach nicht, eine Elektrohandwerksfirma zu besorgen, um es zu reparieren. Nun also Wachschutz für Sechs- bis Zwölfjährige. Ist das eine Lösung?

Schulleiterin: Schule ist auf gutem Wege

Besonders glücklich ist auch Doris Unzeitig nicht, dass es ihre Schule als „Grundschule brutal!“ auf den Titel der „BZ“ geschafft hat. Schließlich sei ihre Schule, so die Schulleiterin, auf gutem Wege. Die Vera-Ergebnisse (ein Evaluierungsprogramm für Grund- und weiterführende Schulen) wurden trotz hoher Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund zuletzt besser, die Zahl der Gymnasialempfehlungen steige, viele Schüler seien unglaublich lernbereit. „Das ist es, was mich an dieser Schule hält.“

Sie will die Schülerzahlen nach oben bringen, Platz gebe es an der Schule genügend. Aber dafür müssten die Eltern wissen: „Hier ist mein Kind sicher.“ Der Wachschutz soll das Schulklima nun spürbar verbessern. Bis April zahlt die Schule den Sicherheitsdienst selbst. Danach, sollte der Wachschutz bleiben, soll der Bezirk die Kosten übernehmen.

Bezirk will Kosten für Wachschutz nicht übernehmen

„Das werden wir nicht tun“, meint allerdings Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD), der in Schöneberg für die Schulen zuständig ist. Wachschutz – diese Maßnahme sei, wenn überhaupt, nur berechtigt, wenn es darum ginge, die Schule vor Fremden von außen zu schützen. So wird es auch in acht Oberschulen und einer sonderpädagogischen Einrichtung in Neukölln gehandhabt.

Ein Wachschutz, der schulinterne Probleme löst – das sei dagegen höchst fraglich. „Wo ist denn die pädagogische Grundausbildung bei Wachschützern?“, empört er sich. Die Vorstellung, dass Wachschützer über die Grundschulflure patrouillierten, löse bei ihm Bauchschmerzen aus.

Von „Gewaltexzessen“ an der Schule weiß er nichts

Er stelle nicht in Abrede, dass es in der Schule Probleme gebe. Doch bis heute warte er auf ein Konzept der Schulleitung, wie man die Gewalt in Zukunft eindämmen wolle. Wachschutz sei „weder eine Lösung, noch ein Mittel“. Andere Schulen im Bezirk hätten ähnliche Probleme und fänden bessere Lösungen. Und „Gewaltexzesse“ seien an der Schule keinesfalls dokumentiert – die Fälle, die ihn erreicht hätten, seien meist verbale Beleidigungen gewesen. Auch in der Schulverwaltung weiß man nur von zwölf Meldungen in den letzten zwei Jahren.

Hadia Mir, die Elternratsvorsitzende, deren Tochter Eva an die Schöneberger Schule geht, ist dagegen zufrieden. Das Sicherheitspersonal arbeite gut, die Stimmung sei besser. Sie wird von Ferdinand Horbat, Mitglied der Schulkonferenz, unterstützt. „Schlimmer ist es, nichts zu tun“, sagt Horbat.

Dieser Text erschien zuerst auf morgenpost.de